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Kann man vom Schreiben leben?

Oft werde ich gefragt, ob man vom Schreiben leben kann. Nun, ich lebe! (Witzigerweise fragen das nur Erwachsene. Kinder sehen auf den ersten Blick, dass ich lebe.) Aber ich will ehrlich sein und euch desillusionieren: Vom Schreiben allein kann man nicht leben. Man muss das Geschriebene verkaufen. Was in der Schublade vor sich hindümpelt, bringt keinen einzigen Cent ein. Ist logisch, nicht wahr? Man muss schon rausgehen und seine Texte anbieten. Wer darauf keine Lust hat, wird sein Geschriebenes nur schwer los. Natürlich kann man auch warten, bis jemand kommt und einen entdeckt. Aber hallo, wie häufig kommt es vor, dass jemand klingelt und sagt „Öffnen Sie mal bitte Ihre Schublade“ ? Und vor allem: Wenn man entdeckt wird (z.B. als „Künstler“), verdient man dann viel Geld? Eher nicht bis gar nicht. Also keine Option, wenn man leben möchte – und nicht nur irgendwie überleben.

VomSchreibenLeben_RuthFrobeen

Kaufmännisches Denken und Handeln gehören unbedingt dazu, wenn man vom Schreiben leben möchte. Kinder verstehen das und warten nicht darauf, entdeckt zu werden. Sie zeigen ihre Werke jedem ungefragt. Das wäre als Erwachsener nicht unbedingt meine Vorgehensweise. Im Haus rumgehen und allen zeigen, was ich geschrieben habe? Das ist mir ein bisschen peinlich, ich wähle andere Plattformen und Möglichkeiten. Wobei, ich gestehe: In der Adventszeit hängt im Haus ein Flyer und ihr dürft euch sicher sein: Da klingeln tatsächlich Leute und kaufen. Generell haben Kinder (wie so oft) recht: Man sollte zeigen, was man macht. Sonst wird das nichts mit dem Vom-Schreiben-Leben. Das gilt übrigens nicht nur fürs Schreiben. Das gilt für alles Mögliche und Unmögliche. Wirklich! Nun gilt es also, das Verkaufen zu lernen. Das ist eigentlich gar nicht so schwer. Eine Lektion, die ich gerne mit euch teile, habe ich vor Jahren von meiner Tochter gelernt: Bringe die Leute zum Schmunzeln.

Wie und wo verkauft ihr eure Dienstleistungen und Produkte? :o)

Die Welcomegrooves sind da! Ein kostenloser Audio-Deutschkurs

Sinnvolle Projekte von Menschen für Menschen

Es gibt viele gute, unterstützenswerte Projekte, die sich zum Ziel machen, Menschen in Not willkommen zu heißen und sie mit dem Nötigsten (und noch viel mehr) zu versorgen. Die selbstorganisierte Kleiderkammer Hamburg in den Messehallen hat sich beispielsweise in kürzester Zeit zu einem wahren Logistikunternehmen entwickelt. Tausende von Helfern haben Abertausende Kleider- und Sachspenden entgegengenommen, sortiert, verpackt, transportiert und verteilt. Nach dem Umzug in eine andere Halle geht es nun weiter und es wird explizit nach warmer Kleidung, Decken, Heizstrahlern etc. gebeten. Die aktuelle Bedarfsliste findet ihr hier! Bitte schaut nach, was ihr entbehren könnt (eine Menge, ich weiß das!) und bringt es zu Kleiderkammern, die Flüchtlinge und Obdachlose versorgen. Es ist wichtig.

Auch die Blogger-Szene stellt einiges auf die Beine. Erwähnen möchte ich noch einmal Blogger für Flüchtlinge. Hier werden Blogbeiträge zum Thema gesammelt und Tipps gegeben, wie man sich als Blogger und Nicht-Blogger engagieren kann. In einer Spendenaktion von Blogger für Flüchtlinge wurden bisher über 130.000 Euro gesammelt. Hallo! Das ist toll, aber da geht noch was.

Welcomegrooves – ein kostenloser Audio-Deutschkurs

Mehr als beeindruckt hat mich auch das Projekt Welcomegrooves von Eva Brandecker and Friends. Innerhalb kürzester Zeit haben sich zahlreiche Texter, Übersetzer, Sprecher, Musiker, Social-Media-Menschen, Flüchtlinge und Multiplikatoren zusammengefunden und Lektionen für einen kostenlosen Audio-Deutschkurs entwickelt. Die Audiodateien und dazugehörigen Texte können unter Welcomegrooves einfach heruntergeladen werden. Der Kurs wurde von Muttersprachlern in 16 (!) Sprachen übersetzt. Eine unglaubliche Leistung!

Wer steckt dahinter?

Eva Brandecker entwickelt seit vielen Jahren unter ihrem Label The Grooves Sprachkurse mit Musik. Sie schrieb vor einigen Wochen ihre Freunde und Kollegen an (viele davon aus dem fantastischen Netzwerk Texttreff) und gründete auf Facebook eine Gruppe, in der intensiv diskutiert und gearbeitet wurde. Wie schnell dann alles ging, erstaunt mich. Es braucht viel Wissen und Wumms, um ein solches Projekt auf die Beine zu stellen. Und wie wir in der Gruppe gesehen haben, bringt jeder einzelne viel davon mit. Jeder einzelne hat sich auf seine Art eingebracht. Die einen mit Zeit, die anderen mit Wissen, die nächsten mit PR, die übernächsten mit Kontakten, die überübernächsten mit allem zusammen. Eva Brandecker and Friends haben gezeigt, dass es möglich ist, ein Projekt dieser Größenordnung innerhalb weniger Wochen ohne Finanzierung auf die Beine zu stellen. Ein Teil dieses großartigen und absolut kompetenten Netzwerkes zu sein, erfüllt mich mit großer Freude.

Wie geht es weiter?

Der kostenlose Audio-Deutschkurs wurde gestern gelauncht und bietet allen, die Deutsch lernen möchten, einen guten und herzlichen Einstieg in die deutsche Sprache. Für die Zukunft ist geplant, weitere Lektionen zu entwickeln und für Kinder einen speziell auf sie zugeschnittenen Kurs zu entwerfen. Auch die Entwicklung einer eigenen Welcome-App wird in der Gruppe diskutiert. Hierfür werden Sponsoren und Förderer gesucht! *Zwinker zwinker*

Wer sich für den Deutschkurs interessiert und allgemeine Informationen über das Projekt sucht, wird auf der Website Welcomegrooves sowie im Blog von The Grooves fündig. Lesen lohnt sich!

Ein kurzer Videobeitrag zeigt, mit wie viel Herz und Professionalität Eva Brandecker and Friends das Projekt realisiert haben. Unbedingt angucken und teilen. Und wer gerade auf der Frankfurter Buchmesse ist, kann Eva Brandecker dort auch persönlich antreffen.

So! Jetzt seid ihr informiert. Ich bitte um ein bisschen Buschtrommel! Erzählt allen von dem Audio-Sprachkurs. Schreibt darüber. Redet darüber. Ladet ihn herunter, übt mit euren neuen Nachbarn, kommt ins Gespräch. Denn das gehört auch zum Nötigsten, was die Neuankömmlinge brauchen.

Alles neu macht der LOVEMBER. Die Vorbereitungen laufen …

Oktober! Nebel am Morgen. Nebel am Abend. Es wird kühler. Und ja: Der November rückt näher. November, der trübe, graue Monat mit Imageschaden. Aber dagegen gibt es ja den LOVEMBER. Trübsal? Nicht mit uns. Wir machen uns den November so schön, wie es uns gefällt. Nebel lachen wir einfach weg!

Lovember3

Auch dieses Jahr steht der November ganz im Zeichen eigener Passion Projekte. Es ist wieder Zeit, Geschichten und Fotos festzuhalten, die schon lange im Raum herumschwirren und eingefangen werden wollen. Letztes Jahr hat das sehr gut geklappt und es sind einige Märchen und Bilder entstanden, die mir sehr am Herzen liegen. Zum Beispiel das Märchen über Frau Pudervogel

Noch spannender als Märchen und Fotos ist für mich in diesem LOVEMBER aber, dass ich einen kleinen Laden mit eigenen Produkten aufmachen werde! Als Texterin und Märchenautorin möchte ich auch offline sichtbarer werden. Deshalb wird mein LOVEMBER vom Umzug in neue Räume geprägt sein. Ich freue mich riesig darauf, meine Adventskalender, Märchenbücher und Passion Poetry an behandschuhte Menschen mit Bommelmützen zu verkaufen. So stelle ich mir die Kundschaft vor, die im kalten November neugierig meinen kleinen Ladenraum betreten wird. Ich werde Kindern warmen Apfelsaft einschenken und eine Etagere mit Plätzchen bereithalten, wie es sich für eine echte Märchentante gehört. Leute werden kommen und mit bunten Dingen und guten Gedanken den Laden verlassen. Und natürlich wird es Apfelbrot geben. Es gibt im LOVEMBER immer Apfelbrot. Der November ist ein Monat für die Sinne …

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Typo-Göttin Martina von die formgeber gestaltet meine Passion Poetry; Illustratorin Nicole zeichnet Die singende Ziege, ein Märchen, das im letzten LOVEMBER entstanden ist; und mir dreht sich der Kopf, weil ich so viele Ideen habe, die ich umsetzen möchte. Was ich davon schaffe, steht in den Sternen – und demnächst im Blog. \o/

Wie sieht dein LOVEMBER aus? Hast du Pläne?? Bist du vielleicht sogar bereit für Veränderung??? :o)

Die Sache mit der Inspiration, ein Gedanke zum Weiterdenken

Im Neusprech und Schöndeutsch nennen wir Ideenklau auch gern Inspiration. Viele merken nicht, dass in Inspiration das Wort Pirat steckt. Bitte sehr, gern geschehen.

Inspiration_Pirat

Interkulturelle Kommunikation muss in den Vordergrund rücken

Ich habe geträumt, Europa geht unter.

Drowning

Das kann ich nicht akzeptieren.

Als ich 2002 in England studierte, waren alle noch euphorisch. EU – das große Ding, das so viele Möglichkeiten versprach. EU – das Ding, das so riesig, so fantastisch erschien. EU – das größenwahnsinnige Ding. Was ist daraus geworden. Aus der Idee, interkulturell zu leben, zu arbeiten und zusammenzuwachsen. Ein Europa zu sein. Ich habe als Schülerin und nach dem Abi längere Zeit im Ausland gelebt. Neben Sprachkenntnissen war interkulturelle Kommunikation extrem wichtig, um in den mir teilweise sehr fremden Kulturen zurechtzukommen. Und siehe da: Es ist gar nicht so schwierig, wenn man die Bereitschaft zeigt, neue Dinge zu lernen.

Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass ich mich für den Studiengang Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaften entschied. An meiner deutschen Uni waren damals 89 Nationen vertreten. Bei 2500 Studenten kann man sich vorstellen, wie das aussah: Es war ein Potpourri der Kulturen. Großartig! Auf den Fluren hörte man alle Sprachen. Manchmal sogar Deutsch. Es wurde diskutiert, erzählt, gestritten, gelacht, gelernt und verstanden. Die EU ist ein solches Potpourri der Kulturen. Und was macht sie damit? Deckel drauf. Meine Güte, ist das unübersichtlich! Schnell das politische Korsett möglichst eng schnüren und nationale Befindlichkeiten pflegen. Halten wir einfach die Luft an und schmollen mit uns selbst. Europa, du weißt es selbst: Das ist grober Unfug. Du bist längst in Ohnmacht gefallen.

Niemand hat erwartet, dass die EU ein Kinderspiel sein wird. Die EU ist kein Experiment, das wir schmollend abbrechen können, wenn uns statt Eierkuchen hartes Brot erwartet.

Ich habe geträumt, Europa geht unter. Und ich kann das nicht akzeptieren. Europa, wie es sich heute zeigt, lässt mich fremdschämen. Und weil das so ist, und ich an Interkulturalität glaube, erziehe ich meine Kinder zu Europäern, die sich in dem Potpourri zurechtfinden und es spannend finden, sich mit anderen Menschen auseinanderzusetzen. Ich bringe ihnen nicht bei, Angst vor anderen Kulturen zu haben. Denn wohin das führt, lesen wir täglich in der Zeitung.

Wir können uns alles verbauen und Zäune hochziehen zwischen Ländern, Menschen und Kulturen. Oder wir sorgen dafür, dass die EU aus ihrer Ohnmacht aufwacht, und lassen die Europäer Menschen sein, die diskutieren, erzählen, streiten, lachen, lernen und verstehen. Interkulturelle Kommunikation muss dringend in den Vordergrund rücken. Und sie fängt schon am Gartenzaun an! Lasst uns diskutieren, voneinander lernen und verstehen.

How to welcome refugees: Smile. Say hello. Shake hands.

Menschen fliehen aus ihrer Heimat. Aus Gründen, die wir uns ebenso wenig vorstellen können wie echten Hunger. Wir sehen Bilder aus Kriegsgebieten und denken „Das darf nicht sein!“, aber es ist so und wir können es nicht ändern. Manche der Menschen, die vor den katastrophalen Verhältnissen in ihren Ländern fliehen, schaffen es bis zu uns. Deutschland gilt als sicher. Wenn ich mir die aktuellen Medienberichte anschaue, bin ich mir da nicht so sicher …

Mauerfensterklein

Es gibt die Aktion Blogger für Flüchtlinge, die ich sehr unterstützenswert finde. Blogger schreiben, alle spenden. Bitte schaut euch das in Ruhe an, bloggt selbst und/oder tragt den Gedanken online und offline weiter. Danke. <3

Was kann ich, Ruth, in dieser Zeit tun, die Sascha Lobo zurecht einen Defining Moment nennt? Ich kann nicht zaubern. Aber ich kann lächeln, bin ideenreich und wortstark. Ich kann hallo sagen und ich kann traumatisierten Kindern, Jugendlichen, Männern und Frauen schöne, positiv überraschende Momente schenken. Zum Beispiel indem ich mit Blumen zur Flüchtlingsunterkunft gehe. „Was sollen die mit Blumen, Träumerin??!“ Ganz einfach: Es hat immer jemand Geburtstag. Und wenn nicht heute, dann morgen oder gestern. Er wurde geboren und das darf nicht vergessen werden. Ich kann nicht jeden Tag Blumen bringen und fragen, wer Geburtstag hat. Aber ab und zu kann ich es tun und einen kleinen schönen Moment schenken. Es sind die Gesten, die wichtig sind. Und natürlich Zeit- und Sachspenden. Wir haben über 30 Kilo Kleidung für Flüchtlinge gespendet. Und wir werden noch mehr geben, ich sammel gerade für die kältere Jahreszeit. Was in den Unterkünften gerade am meisten gebraucht wird? Fragt nach. Meistens sind es Unterhosen! Männerschuhe! Langärmelige Kleidung für Frauen! Und hallo, der Winter kommt. Wie gut, dass ich einen Manteltick habe. Da wird sich etwas finden.

Wichtig sind auch Hygieneartikel. Manche Geschäfte (z.B. einige Budni-Filialen und ein großer Edeka bei uns im Viertel) stellen große Kisten auf und bringen das, was ihre Kunden an Artikeln kaufen und spenden, direkt zu den Unterkünften. Ich finde das großartig, denn Menschen sind faul, auch wenn sie helfen wollen. Beim Einkauf im Drogeriemarkt das Fünffache besorgen und in die Sammelbox legen, ist so einfach. (Kleiner Tipp von einem Filialleiter: Statt Tampons lieber Binden kaufen, Tampons werden aus kulturellen Gründen nicht angerührt.) Ich habe viel Kritik an der Aktion mit den Sammelboxen gehört. Argumente wie „Die wollen sich eine goldene Nase verdienen“ muss ich einfach niederschmettern: Wenn der Staat es nicht auf die Reihe kriegt, ausreichend Artikel zu günstigen Konditionen heranzukarren, können wir nicht einzelne Läden verpflichten, Ware zum Einkaufspreis zu verkaufen. Auch Rabatte können wir nicht erzwingen. Wir können uns aber darüber freuen, dass so tolle Menschen wie der Filialleiter vom Budni in unserer Straße täglich die Sammelbox zu einer Unterkunft fährt. Er müsste das nicht tun. Aber er tut es gerne. Es ist eine Geste, von der wir noch mehr brauchen. Viele Menschen engagieren sich, das ist ein wichtiges Zeichen für die Neuankömmlinge in unserer Gesellschaft und auch für die, die dagegen sind, dass Deutschland Menschen aufnimmt, die vor Krieg, Terror und Armut fliehen. Ich mag ihnen keinen Namen geben. Wörter können nichts dafür.

Flüchtlinge können übrigens auch nichts dafür, dass in ihren Ländern katastrophale Verhältnisse herrschen. Lasst uns zeigen, dass sie willkommen sind. Und lasst uns neben Sachspenden und Geld kleine schöne Momente schenken. Sie sind vermutlich wichtiger für die Seele, als wir ahnen können. Lasst uns Seelenfutter schenken, indem wir herausfinden, was die Menschen neben Kleidung und Zahnpasta brauchen: Bücher in der Landessprache. Musikinstrumente. Zeichenblöcke und Stifte. Zeit und freundliche Augen! Und sie brauchen, dass Städte Feuerwerke absagen. Denn ganz ehrlich: Niemand braucht ein Feuerwerk, aber es kann traumatisierte Menschen zu Tode ängstigen. Ladet Neuankömmlinge zum Welcome Dinner ein. Setzt euch draußen auf den Platz, wo die Kinder die Zeit rumbringen, und macht Obstgesichter. Lächelt und sagt hallo. Refugees welcome! Und wenn jemand Geburtstag hat, stimmt ein Lied an, auch wenn es euch peinlich ist. Wie wäre es mit „Wie schön, dass du geboren bist“. Das ist in meinen Augen die richtige Message. Egal, ob der andere die Worte versteht oder nicht. Ein Lächeln versteht jeder.

Informations-Downshifting und erholsames Desinteresse

Die meisten Dinge machen keinen Unterschied. Ob wir sie wissen, haben, konsumieren – sie sind egal und haben keine Bedeutung. Es sind leere Reize. Trotzdem lesen wir alles, was uns unter die Augen kommt, bewegen täglich aberwitzig viele Informationen im Kopf. „Ist das wichtig? Wie kann ich es mit all den anderen Informationen verknüpfen? Was ergibt sich daraus?“ Als wäre es eine lange Formel, die irgendetwas besser machen würde in unserem Leben, das wir für einmalig halten. Das Dumme ist nur: Es wird unübersichtlich im Kopf. Wir tragen zu viel Ballast mit uns rum und sammeln immer mehr davon ein. Zum Beispiel in unzähligen Blogs (danke, dass du gerade mein Blog liest! <3), Zeitungsartikeln, Kolumnen, Kommentaren, online und in Printmedien, die unsere Reader und Regale verstopfen.

Spaziergang8

Warum lesen wir alles? Weil lesen muss, wer lesen kann. Leider sind wir nicht in der Lage, Buchstabenfolgen einfach so anschauen und uns über die einzelnen Buchstaben zu freuen – zumindest nicht in den Sprachen, die wir beherrschen. Wir lesen automatisch das Wort und bewegen die Bedeutung in unserem Kopf. Abgesehen davon, dass wir alles lesen müssen, was sich uns an Buchstaben aufdrängt, könnte das Gelesene auch wichtig sein. Und interessant. Das wird jedenfalls ständig von allen Seiten suggeriert: must-read! Klick mich! Content ist King! Aber wenn ich ehrlich bin: Das wenigste, was ich lese, ist wirklich notwendig. Manche Dinge lese ich, weil sie ästhetisch sind. Ich mag schöne Texte – die dürfen auch unwichtige Inhalte haben, wenn sie nur gut geschrieben sind. Aktuell lese ich Glennkill, einen sehr witzigen Krimi, in dem Schafe den Mord an ihrem Schäfer aufklären. Andere Dinge interessieren mich aus politischen Gründen. Leider machen diese Dinge mich häufig traurig und lösen Ohnmachtsgefühle in mir aus. Wirklich wenige Dinge lese ich aus Notwendigkeit. Weiterlesen

The Way Out Lies Within – Overcoming Fear

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Angst ist etwas sehr körperliches. Jeder weiß das. Das liegt daran, dass die Angst in uns drin ist und sich zeigen muss. Sie sucht sich einen Weg an die Oberfläche, vorbei am Herzen, das zu rasen beginnt. Huch, da ist die Angst schon wieder! Schnell mal allen Zellen Bescheid geben. Weil die Angst in uns drin ist, sind wir (und wir allein) es, die sie rauslassen können. Wir können die Angst an die Hand nehmen und sie lenken. Hier geht’s raus! Und dann steht man plötzlich hinter der Mauer, die unüberwindbar erschien, und ist einfach durchgegangen. Weil sie nur im Kopf war.

Gelegenheit macht Diebe – beraube dich nicht selbst!

Eine Freundin von mir hat die Möglichkeit, ein Buch zu machen. Klingt toll, oder? Eigentlich möchte sie auch ein Buch machen. Aber nicht unbedingt dieses. Was soll sie also tun: Nimmt sie die Gelegenheit wahr und macht das Buch, weil es sich anbietet und sie es kann? Oder sagt sie: „Nö, ich mache dieses Buch nicht. Ich mache das Buch, das mir schon lange vorschwebt.“

Als sie mir von dem Angebot erzählte, kam mir die Redewendung Gelegenheit macht Diebe in den Sinn. Ich habe sie umgedeutet.

Frau mit Hut in einer Ecke gefangen

Gelegenheiten wahrzunehmen kann dazu führen, dass man sich selbst betrügt und um seine Ideen bringt. Wenn man das Erstbeste wählt, nur weil es gerade rumliegt, ist keine Zeit mehr für das, was man wirklich will. Das lässt sich, etwas abgewandelt, übrigens auch auf Beziehungen anwenden. Gelegenheit macht Liebe. Man muss nicht den erstbesten Mann als Vater seiner Kinder wählen, nur weil er ganz nett ist und sich gerade anbietet. Gelegenheit hat nichts mit Liebe und Leidenschaft zu tun.

Flippt nicht gleich aus, wenn sich eine Gelegenheit oder ein Angebot auftut. Nehmt die rosarote Brille ab und schaut die Gelegenheit von allen Seiten an. Ist sie es wert, gibt es gute Gründe, Ja zu sagen? Im Fall des Buches könnte es ein Pröbchen sein. Allerdings ist meine Freundin so versiert, die muss nicht schon wieder zeigen, dass sie es kann. Sie kann auch einfach direkt das Buch ihrer Träume machen. Finde ich.

Beraubt euch nicht selbst. Und verratet die Sache nicht, für die ihr brennt. Wenn es ums Geld geht, nehmt die Gelegenheiten wahr. Jeder macht Brotjobs. Aber denkt mal darüber nach, welche Gelegenheiten ihr schon wahrgenommen habt, obwohl ihr es eigentlich besser wusstet…