Kategorie - Fashion


Archive


In die Tasche gesteckt!

So ist das nämlich mit den Krokotaschen: ganz toll und großartig! Und wenn du deine Geldbörse zückst, um die Schokostreusel zu bezahlen, sagt der Eisverkäufer schnell: „geschenkt“.

Die Tasche ist ein Fundstück vom Flohmarkt. Der beste Flohmarkt von Hamburg findet übrigens jeden letzten Sonntag auf dem Else-Rauch-Platz statt. Lohnt!

Inszeniert euch!

Mode erlaubt, sich täglich neu zu inszenieren. Und so inszeniert sich der Chef mit einem maßgeschneiderten Anzug und der Mitarbeiter an der Front mit einem coolen T-Shirt. Was, wenn der Mitarbeiter an der Front im Anzug erschiene? Was, wenn der Chef im coolen T-Shirt ins Meeting käme? Verkehrte Welt: Mode ist ein seltsames, fantastisches Spiel. Es wird erwartet (Etikette und so), dass Menschen in bestimmten Positionen bestimmte Kleidung tragen. Tun sie’s nicht, fallen sie auf. Wenn sie das wollen: super! Dann können sie im grauen Anzug und mit gelben Schuhen im Meeting sitzen oder mit Krawatte und türkisfarbenem T-Shirt im Call-Center.

Mode hat immer etwas mit Zugehörigkeit zu tun. Und so mustern sich die Leute gegenseitig von oben bis unten und entscheiden, ob und wie man zueinander steht. Was für ein Unfug. Und was für eine Chance! Coco Chanel beispielsweise hatte kein Interesse, der damaligen Etikette zu entsprechen, und schneiderte Damenmode, die sich von der vorherrschenden Mode unterschied: Ihre Mode war bequem, reduziert, locker, und nicht unpraktisch und einengend. Natürlich stieß sie auf Kritik, aber die Bewunderung muss groß genug gewesen sein, immerhin hat sie ein Modeimperium aufgebaut, das seinesgleichen sucht.

Wer sich anders kleidet und verhält als die Konventionen vorsehen, stößt auf Kritik. Aber mal ehrlich: Das sollte man sich zuliebe aushalten! Ich behaupte, wer sich treu bleibt, ist zufriedener. Und ich finde es großartig, wenn Leute an einem Tag in der Woche Leopardenschuhe tragen, egal ob ein Meeting mit Investoren angekündigt ist oder nicht.

Strickkunst, die verführt! Ein Gespräch mit Krishnane

Ich stricke. Der angefangene Schal schaut mich vorwurfsvoll an. Seit drei Jahren stricke ich an ihm herum, ich fluche laut, verliere Maschen. Und jetzt ist auch noch der Geduldsfaden gerissen!

Während ich diesen Text schreibe, strickt Christiane Klink vermutlich gerade an einer Brautstola. Oder an einem Kleid. Oder an einem zarten Stiefmütterchenpullover. Auf Christiane aka Krishnane bin ich vor ein paar Jahren aufmerksam geworden, als ich auf Dawanda stöberte. Dawanda ist ein Marktplatz für Kreatives, wo viele Leute Sinnloses verkaufen und manche Leute Kunst. Da ich mich gern von schönen Dingen verführen lasse, lande ich immer wieder in Krishnanes Shop. Ihre Strickkunst begeistert mich jedes Mal aufs Neue: Ich stöbere stundenlang in ihrem Shop und kann mich nicht entscheiden, welches Modell und welche Farbe ich am schönsten finde. Ich glaube, das ist mein Problem: Die Sachen sind zu schön. Ich möchte sie am liebsten alle haben.

In einem kurzen Film erzählt Krishnane, wie sie zum Stricken kam und gibt einen kleinen Einblick in ihre Arbeit. Sie hat allein über Dawanda mehr als 2400 Produkte verkauft – darunter selbstgeschriebene Strickanleitungen für Leute, die ambitionierter stricken als ich. (Lasst euch nicht täuschen. Ich stricke gut! Aber nur Texte…)

Ich bin begeistert, und ich bin neugierig. Erstens: Wie um Himmels Willen macht sie das? Kann sie zaubern?! Zweitens: Wie in aller Welt kann sie eine Stola für 200 Euro verkaufen, an der sie 50 Stunden strickt? Drittens: Ob sie mir wohl ein kleines Interview gibt? Macht sie!

Hier lest ihr die Antworten von Krishnane:

Edelfrosch: Du strickst an einer Stola ca. 50 Stunden und verwendest sehr hochwertiges Material. 200 Euro für eine handgestrickte und gehäkelte Stola kommt mir wahnsinnig wenig vor. Wie kommst du mit deinen Preisen hin? Oder zahlen die Kunden einfach nicht mehr?

Krishnane: Das Stricken mache ich nur nebenbei und gebe manche Aufträge auch in Stoßzeiten 1:1 an befreundete Strickerinnen weiter. Der Stundenlohn ist viel zu niedrig (oder man braucht viel zu lange), um die Strickerei als Lebensunterhalt zu haben. Meine Modelle werden zwar kontinuierlich teurer, weil ich zeitlich nicht so viel erledigen kann, wie an Aufträgen hereinkommt. Aber solange ich es irgendwie schaffen kann, möchte ich keine allzu hohen Preise für meine Werke aufrufen.

Edelfrosch: Entwirfst du die Muster selbst?

Krishnane: Meine wahre Leidenschaft ist es, neue Modelle zu entwerfen und bei der Herstellung und beim späteren Tragen die Feinheit meiner Garne und den Zauber der körperumspielenden, hauchzarten Gebilde zu spüren. Dabei ist viel Sinnlichkeit und Ausdruck meines Innersten im Spiel. Ich setze die Modelle dann in sorgfältig ausgearbeitete PDF-Anleitungen um und biete sie auf Ravelry und bei DaWanda zum Verkauf an. Auf Wunsch kann man dann auch das Garn über mich beziehen. Dieser Zweig meiner Kreativität trägt mittlerweile sehr schöne Früchte und ist  für mich – auch durch die große Begeisterung meiner Kundinnen – ein wahrer Quell der Inspiration geworden. Ich habe eigentlich viel mehr Ideen im Kopf als ich umsetzen kann. Und der große Zuspruch von außen beflügelt meine Sinne umso mehr. Oft kombiniere ich traditionelle Muster mit Eigenentwürfen, manchmal entsteht gerade im Zusammenspiel zwischen Strickmuster und Häkelspitze ein ganz neues optisch verführerisches Bild.

Edelfrosch: Ich bin schwer beeindruckt…

Krishnane: WAS ich mache, ist an sich nichts Besonderes. Ich denke, das WIE macht den Zauber aus. Gerade das wunderbar seidig glänzende und weiche Material, die bis ins winzigste Detail mit Liebe ausgearbeitete Handarbeit, die werden später beim Tragen sichtbar und fühlbar.

Edelfrosch: Wo strickst du?

Krishnane: Stricken und Häkeln kann man eigentlich immer und überall. So habe ich meistens ein aktuelles Modell dabei und in Arbeit. Ob unterwegs oder daheim.

Edelfrosch: Dein Bestseller ist das Stolamodell Victoria. Wie trägt man so eine Stola?

Krishnane: Ich habe immer eine Lieblings-Stola dabei. Zur Hälfte gefaltet als Schal, als Tuch um ein schulterfreies Kleid im Sommer, als seitlich gebundener Rock am Badesee oder am Strand. Als Kopftuch bei starkem Wind oder Regen..  so ein Tuch wird zu einem Begleiter in allen Lebenslagen – es beschützt, wärmt, verleiht einen Hauch von zarter Weiblichkeit und Eleganz.. alles, was sich eine moderne Elfe so wünscht!

Edelfrosch: Du strickst auch Pullover und Kleider, hast aber vergleichsweise wenige davon in deinem Shop. Hat das einen bestimmten Grund?

Krishnane: Konfektion zu stricken, wie Kleider und Pullis, ist zwar auch schön, trifft aber im Gegensatz zu den Stolen kaum auf Resonanz. Da meine Kundinnen im Internet sind, kann ich auch nicht Maß an ihnen nehmen. Eine Anleitung für die verschiedensten Größen zu schreiben, ist nicht einfach. So ist diese Produktsparte bisher eher wenig belebt in meinem Shop. Und da die Designs der Tücher so begeistert angenommen werden und allseits größenkompatibel sind, bin ich gedanklich in einem natürlichen Prozess auf das Entwerfen und Umsetzen immer neuer, zarter Elfenumhänge fokussiert. Und bis jetzt fühlt es sich ganz genau richtig so an.

Edelfrosch: Liebe Krishnane, deine Strickkunst verzaubert! Ich wünsche ihr viele Verehrer.