Kategorie - Fairy-tales


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Schwermut und Leichtsinn – ein Märchen über Freundschaft

Es waren einmal zwei Ritter. Der eine hieß Schwermut, der andere Leichtsinn. Leichtsinn war mehr Schein als Sein. Er war so dünn, dass man ihn mit bloßem Auge nicht sehen konnte. Schwermut hingegen war ein prächtiger Kerl: Er hatte Beine wie Baumstämme, einen Bauch wie ein Bierfass und einen Kopf so groß, dass sich die Gedanken darin verloren.

Die Ritter Schwermut und Leichtsinn waren einsame Ritter. Leichtsinn war einsam, weil niemand ihn sehen und hören konnte. Er wog soviel wie ein Windhauch und hatte ein Stimmchen, das so dünn war wie eine erloschene Flamme. Leichtsinn stellte alles Mögliche an, um Ritter, Burgfräulein und Drachen auf sich aufmerksam zu machen: Aber was er auch tat, keiner nahm ihn wahr. Keiner merkte, dass er schneller und wilder als jeder andere Ritter reiten konnte. Keiner sah und hörte, wie er auf den höchsten Baum kletterte und sich mit lautem Gebrüll hinunterstürzte. Keiner bemerkte, wie er mutig und tapfer in die Drachenhöhle schlich und die Krone der traurigen Prinzessin zurückholte. Egal was er tat, er wurde nicht beachtet.

Schwermut ging es ähnlich und doch ganz anders. Auch er war einsam. Aber im Gegensatz zu Leichtsinn nahm jeder ihn wahr. Die Erde bebte, wenn er einen Schritt tat. Sein starker Hengst stöhnte, wenn er ausritt. Und das Burgfräulein, das er so gernhatte, schrie vor Schmerzen, wenn er ihr ganz sanft die Hand drückte. Schwermut war ein trauriger Mann. Er machte sich viele Gedanken und konnte sie doch nicht zu Ende denken, da sie sich in seinem großen Kopf verloren. Und so sprach er wirres Zeug, stampfte durch die Landschaft und war betrübt und schwerfällig.

Als sich Leichtsinn eines Tages besonders leichtsinnig fühlte, stellte er sich Schwermut, den er wegen seiner Größe und Stärke bewunderte, in den Weg und rief: „Hey, du! Stehenbleiben, oder ich hau dir eins über die Rübe.“

(Wie’s weitergeht, erfahrt ihr zu gegebener Zeit…)

Gut Ding will Weile haben

Edelfrosch

Manchmal muss erst ein Frosch ins Rennen geschickt werden, damit ein Prinz daraus werden kann. Und die Geschichte geht so:

Es war einmal eine junge Frau, die hatte eine Idee, von der sie sehr überzeugt war. Sie aß fünf grüne Weintrauben, malte drei Tautropfen und schrieb ein Märchen, das alle zum Lachen und Weinen brachte. Dann nahm sie einen Frosch aus Eisen, der zufällig im Garten stand, erweckte ihn zum Leben und schickte ihn durchs Land, damit er das Märchen erzähle. Das tat er denn auch. Aber schon bald kam der Frosch zu der jungen Frau zurück und quakte ihr sein leidvolles Lied: alle, aber auch alle wollten ihn küssen! Denn Humor ist sexy, und der Frosch war ein fabelhafter Erzähler, der mit Sprachgefühl und Wortwitz die Leute zum Lachen brachte. Das Problem: Er war ja nun ein Frosch aus Eisen, und kalt noch dazu. Die Frau hörte sich seine Geschichte an, dachte eine Weile nach und frage ihn dann, ob er ein Prinz werden wolle, denn sie erkannte sein Talent als Märchenerzähler. Der Frosch schaute sie entsetzt an, aß eine Weintraube und ließ sie dann gewähren, denn er vertraute ihr. Wie die junge Frau aus dem Frosch einen Prinzen machte, bleibt ihr Geheimnis… Aber soviel sei verraten: Sie ließ sich von Hermann Otto Ehlers und Michaela von Aichberger dabei helfen!
Seitdem schreitet ein hübscher Prinz durchs Land und macht mit seinen Märchen Herzen froh. (Und wen er küsst, entscheidet ganz allein er, denn er ist ein emanzipierter Prinz!)