Kategorie - Fairy-tales


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Der stumme Schneemann – ein Wintermärchen

EisblumeDas letzte Märchen für dieses Jahr ist geschrieben. Es handelt von einem stummen Schneemann. Da mich die Geschichte sehr berührt hat, möchte ich sie kurz umreißen: Ein Mann hat vor vielen Jahren die Liebe seines Lebens gefunden. Sie heirateten und es vergingen viele glückliche und arbeitsreiche Jahre. Dann kamen die Kinder. Das Paar war sehr froh über sein spätes Glück …

Die Kinder wuchsen heran und der Mann und die Frau verbrachten sehr viel Zeit miteinander. Die Zeit verging wie im Fluge. Und ihre Liebe, die leicht und zart begonnen hatte wie der Tanz umherwirbelnder Schneeflocken, wurde mit den Jahren festgeklopft wie ein Schneeball. Sie waren glücklich, und dennoch war etwas seltsam: Sie hatten einander immer weniger zu sagen – das lag wohl daran, dass sie soviel Zeit miteinander verbrachten. Da hatten sie das Gefühl, dass ihre Liebe abkühlte. Aber so war es gar nicht. Der Mann liebte seine Frau sehr, nur wusste er nicht, wie er seine Liebe und Dankbarkeit ausdrücken sollte …

Er bat mich, ein Märchen für seine Frau zu schreiben. Es handelt vom Schneemann, der stumm im Garten steht. Wie ein Schneeball, der festgeklopft wird, besteht er aus unendlich vielen weichen Schneeflocken, auch wenn man es ihm gar nicht ansieht. Ich glaube, das Märchen wird seine Frau berühren. Er schenkt es ihr zu Weihnachten.

Die Eisblume ist mein Geschenk für das Paar, damit immer eine Eisblume am Fenster sitzt und hereinschaut.

Püppi auf der Erbse von Maileg

Dieses wunderzauberhafte Püppiwesen hat mir die liebe Flora für meine erste öffentliche Märchenerzählstunde geborgt. Die Puppe ist vom dänischen Label Maileg, das u.a. auch die bekannten Weihnachtswichtel herstellt. Absolut liebenswertes Spielzeug! Eine Prinzessin ist noch bei Møllegaarden zu haben. Holt die Märchen in eure Stuben! <3

Wünsche vs. gute Vorsätze

Mehr Sport! Weniger Zigaretten! Zunehmen! Abnehmen! Jedes Jahr das gleich Lied: „Und, welche guten Vorsätze hast du fürs neue Jahr?“ Also ich werde dieses Jahr wieder keine haben. Gute Vorsätze sind im Prinzip nicht verkehrt, man hält sich (mal wieder) vor Augen, welche Angewohnheiten nicht so dolle sind und sagt, dass man sie ändern wird. Der Blödsinn liegt darin, dies nur einmal im Jahr zu tun! Ich halte nichts von sogenannten guten Vorsätzen zum neuen Jahr. Warum soll man nur einmal im Jahr eine Veränderung herbeibeschwören? Das sollte und kann man das ganze Jahr über tun: mit Rauchen aufhören, mehr Sport machen, im Sitzen pinkeln.

„Gute Vorsätze gehören aber doch zum Jahreswechsel wie die Mayonnaise auf den Tomatenpilz!“ Na gut, ich verstehe das irgendwie: Viele sehen im Jahreswechsel einen Neuanfang. (Mal so nebenbei: Neuanfänge gibt’s ständig und überall.) Wie wäre es, statt guter Vorsätze lieber Wünsche für neue Jahr aufzuschreiben und sich nicht auf eine Fee zu berufen? Wünsche, die man sich selbst erfüllen kann? Gerade vor Weihnachten finde ich das eine Spitzenidee.

Vorsätze sind Ziele, die man erreichen möchte, weil man glaubt, dass man etwas ändern sollte. Wünsche sind ebenfalls Ziele, aber sie kommen aus dem Herzen, und wenn man sie erfüllt, sind sie wie ein Geschenk. Finde ich deutlich schlauer als gute Vorsätze! Meine drei ganz persönlichen Wünsche:

  • Meine Kamera endlich kennenlernen! Ich will auf Dauer niemandem meine Schnappschüsse zumuten. Schwöre ich da ein „technisches“ Hobby herbei?! ;)
  • Der Hexe den Besen entreißen. Hexen schießen doch mit Besen, oder?
  • Fortsetzung zu Kalli und das Weihnachtskonzert schreiben! Die Figuren sind einfach zu witzig als dass sie nur in einer Geschichte vorkommen sollten. Finde ich.

Macht euch unabhängig von guten Vorsätzen und verflixten Feen – die gibt’s nur im Märchen! Es macht hochgradig zufrieden, wenn man sich selbst einen Wunsch erfüllt. Und nein: Es ist nicht egoistisch, sich selbst Geschenke zu machen. Niemand kennt euch besser als ihr selbst.

Das Brombeermädchen

Es war einmal ein Mädchen, das lebte auf einer Insel im See und liebte einen jungen Mann vom Festland. Ihr Haus stand inmitten von Wiesen und Feldern, und wenn sie gerade einmal Zeit hatte, schlenderte sie durch die hügelige Landschaft.

Es war Herbst geworden und die Bäume leuchteten in kräftigen Gelb-, Orange- und Rottönen. Die wärmende Sonne küsste das Mädchen, das durch die Felder strich und Brombeeren sammelte. Sie sammelte einen ganzen Korb voll, denn sie wollte ihrem Liebsten eine Marmelade daraus kochen …

Zurück im Haus nahm sie den größten Topf, den sie finden konnte. Sie machte Feuer, rührte ein Löffelchen voll Zucker in die Brombeeren und ließ die Marmelade aufkochen. Und wie sie so rührte, fiel ihre süße Liebe in den Topf hinein. Diese Marmelade schickte sie ihrem Liebsten, der das Glas leeraß und sich fortan nach dem Mädchen verzehrte. Da zog sie zu ihm aufs Festland, wurde seine Frau und kochte seither jedes Jahr die Marmelade, die sie „Brombeerliebe“ nannte.

Rezept für Brombeerliebe

Brombeeren (so viele du pflücken kannst)

Gelierzucker (Früchte zu Zucker = 2:1)

Die echte Brombeerliebe wird aus ganzen Früchten gekocht: Brombeeren waschen und mit dem Zucker unter ständigem Rühren aufkochen lassen. Die Marmelade ca. 10 Minuten köcheln lassen und dann in heiß ausgeschwenkte Gläser gießen. Deckel drauf und zack! auf den Kopf stellen. So einfach und so gut! Auch fein mit einem Hauch Schwips.

Hamburger Märchentage – Märchen aus Europa

„Warum hat Schneewittchen eigentlich keine honigfarbenen Haare?“, fragte meine Tochter mich neulich. Ich finde die Frage berechtigt und hoffe, dass wir im November eine Antwort darauf finden! Die Hamburger Märchentage stehen nämlich vor der Tür und wir blättern begeistert im Programm.

Vom 9. bis 16 November 2012 finden zahlreiche Märchenveranstaltungen in Hamburg statt (viele sogar Eintritt frei!). Das diesjährige Motto lautet „Märchen aus Europa“, und so finden sich im Programmheft 50 Lesungen und Theateraufführungen von Märchen aus Norwegen, Süditalien, Irland, der Türkei, Frankreich, Finnland, dem Baltikum und und und.

Wir haben die Qual der Wahl: Gehen wir in unsere Bücherhalle und gucken uns „Es war einmal … Mit Frosch!“ an? Oder vielleicht doch eher „Der Wolf und die sieben Geisslein“ mit dem Papiertheater in Rahlstedt? Lassen wir uns zu Gitarrenmusik irische Märchen vorlesen oder spielen wir lieber mit Schatten und hören Iha Gräfin von der Schulenburg zu? Das Programmheft enthält einige Juwelen, die es noch zu entdecken gilt. Lasst euch nicht abschrecken von der ungünstig programmierten Website – es lohnt, im Programm zu scrollen! ;)

Am 16. November ist dann bundesweiter Vorlesetag. Der sollte eigentlich täglich sein!

Oh, übrigens: Die Hamburger Autorin Isabel Abedi stellt am 11.11. im Theater für Kinder den achten Lola-Band vor. Da hab ich doch just ein Juwel entdeckt!

 

Jedem sein Kätzchen

Jeder anständige Übersetzer hat eine Katze – oder auch nicht. Ich habe jetzt Ulla Titty, die ich aus dem Kaufhaus gerettet habe. Sie ist eine Figur aus dem Weihnachtsmärchen.

Eine Bürokatze mit Fell habe ich natürlich auch, Berufsethos. ;)

Märchen-Adventskalender Sneak: Kalli und das Weihnachtskonzert

Hier könnt ihr das erste Kapitel aus Kalli und das Weihnachtskonzert lesen, einer Geschichte mit 24 Kapiteln für die aufregende Adventszeit! Ihr wollt wissen, für welches Alter die Geschichte ist? Gute Frage. Sagen wir es so: Ich habe sie für meine Kinder geschrieben, von denen eins in die Grundschule geht und das andere in den Kindergarten. Und natürlich soll auch der Vorlesende seinen Spaß haben. Es ist ein Märchen für alle: Zum Vorlesen am Frühstückstisch, zum Christstollen oder abends im Bett. Ich hoffe, ihr werdet so viel Freude daran haben wie ich Spaß beim Schreiben hatte!

Der Kalender wird ab der 2. Oktoberwoche verschickt! Wer ihn für 24 Euro bestellen möchte, schickt mir einfach eine Mail an maerchen@edelfrosch.de oder guckt mal im Edelfrosch-Shop. Wie man den Kalender „benutzen“ kann, hat Michaela von Aichberger wunderschön illustriert.

Genug der unromantischen Einleitung, hier ist das erste Kapitel!

KALLI UND DAS WEIHNACHTSKONZERT

Es war einmal ein kleiner Engel namens Kalli, der wohnte mit seinen Brüdern im Himmel auf Wolke 17. Sie hatten es sehr nett auf ihrer Wolke, denn die Wolke war groß und sie war weich wie Zuckerwatte. Jeder Engel hatte auf der geräumigen Wolke seine eigene Ecke mit einem Bettchen. Und sie hatten auch eine Spielwolke, da spielten sie Wolkenball und Sternekitzeln. Wenn die Engel müde wurden, lauschten sie dem leisen Klirren der Schneeflocken, die durch die Luft wirbelten und schliefen unter ihren weichen Wolkendecken ein. Wusstet ihr, dass auf der Erde ein Wunder geschieht, wenn Engel träumen? Jeder Engeltraum geht in Erfüllung, und Engel haben nur süße Träume. Viele Engel träumen von Musik, und weil Musik das Herz zum Hüpfen bringen kann, hüpfen auf der Erde die Menschenherzen, wenn Musik geträumt oder gespielt wird. Das kennt ihr sicher auch.

Auf Wolke 17 wohnten also fünf Engelbrüder, die hatten alle unterschiedliche Gaben. Da war der dicke Robert, der konnte, glaubt es oder nicht, auf selbstgeknüpften Sternenfäden von Wolke zu Wolke balancieren. Dann gab es den langen Gisbert, der konnte aus purer Luft süßen Himmelsbrei kochen. Der winzige Mucke konnte zauberhaft singen und Gedichte aufsagen, der dünne Gunter war blitzgescheit und der Schnellste im Sternezählen und unser kleiner Engel Kalli spielte wunderschön Geige.

In dieser Weihnachtsgeschichte geht es um Kalli, den Engel mit der Geige.

Eines Tages hüpfte Kalli vom Geigenunterricht bei Frau Wirbel nach Hause. Er sprang von Wolke zu Wolke, denn Kalli war ein bisschen faul und fliegen konnte er auch noch nicht besonders gut. Und während er so hüpfte und in den Wolken versank, dachte er sich ein Spiel aus, das er mit seinen Brüdern spielen wollte. Als er auf Wolke 17 ankam, pfefferte er seine Geige unters Bett und lief zur Spielwolke rüber, auf der sich seine Brüder tummelten.

„Hallo, da bin ich wieder“, rief Kalli und klatschte in die Hände. „Hallo, hallo“, riefen seine Brüder und spielten weiter Sternekitzeln. Sie hatten gerade erst angefangen, und die Sterne kicherten vergnügt. „He, ich habe mir was ausgedacht“, sagte Kalli und hoffte, dass seine Brüder ihr Spiel unterbrechen würden. Aber sie spielten weiter und hörten gar nicht zu, als er ihnen von der Mondrutsche erzählte, die er sich ausgedacht hatte.

„Mondrutsche? Das klingt ja nach einem Babyspiel“, rief der lange Gisbert und kitzelte einen besonders hellen Stern. „Du bist einfach noch zu klein, Kalli. Geh mal lieber Geige üben“, sagte Mucke, der viel kleiner als Kalli war, aber eben viel älter.

Da war Kalli traurig, ging zur Wohnwolke und holte seine Geige unterm Bett hervor. Mucke hatte ja recht, er sollte eigentlich Geige üben, denn bis zum großen Weihnachtskonzert war es nicht mehr lange hin und er konnte die Lieder noch nicht. Frau Wirbel, seine nette Geigenlehrerin, hatte ihm heute neue Lieder aufgegeben. Und die wollte er jetzt üben, obwohl er lieber die Mondrutsche ausprobiert hätte, denn es war abnehmender Mond und er hätte eine prima Rutsche abgegeben!

Kalli packte seine Geige aus, spannte den Bogen, stellte seinen Notenständer auf und wollte gerade losspielen, da merkte er, dass er gar keine Noten hatte. Er lege seine Geige aufs Bett, beugte sich runter und schaute unter das Bett, wo nur eine kleine Schneeflocke sich an die Wolke schmiegte.

Kalli wunderte sich. Frau Wirbel hatte ihm doch ein ganzes Heft mit Weihnachtsliedern mitgegeben! Schnell packte er die Geige ein, nahm seine rote Mütze und sprang von Wolke zu Wolke …

Aus Kalli und das Weihnachtskonzert von Ruth Frobeen

¡Viva Edelfrosch! We are going international

Es ist doch immer wieder interessant, was bei einer Suche nach dem eigenen Namen so alles zu finden ist. Ich schaue ab und zu, was ich unter Ruth Frobeen finde, und normalerweise sind es Dinge, die mich nicht wirklich erstaunen: Filme, die ich übersetzt habe; meinen ehemaligen Arbeitgeber XING; Blogbeiträge von und über Edelfrosch; Tweets von @R_Fro und @edelfrosch; ein paar Verwandte und Bekannte, das Übliche eben. Doch heute bin ich aus allen Wolken gefallen, als ich das hier sah: die Deutsche Welle hat den NDR-Beitrag über Edelfrosch ins Spanische und ins Englische übersetzt! Mit etwas Glück können meine honduranische und meine chilenische Gastfamilie den Beitrag auf Spanisch anschauen. Wow, ich bin geplättet – und sehr dankbar, dass die Märchenidee auf diese Art und Weise ihren Weg in die Welt findet.

Mein anglophiles, hanseatisch-andalusisches Herz lacht. ¡Viva Edelfrosch!

Ein Märchen für die Tochter

Märchen für alle, was ist das eigentlich? Das sind Märchen von Eltern für Kinder, von Großeltern für Enkel, von Freunden für Freunde, von Menschen, die geliebten Menschen auf behutsame Art und Weise etwas sagen möchten.

Vor einigen Wochen habe ich ein Märchen geschrieben, das eine Mutter ihrer Tochter mit auf den Weg gegeben hat, die für ein Jahr ins Ausland gegangen ist. Das Märchen handelt vom Loslassen. Die ersten Zeilen möchte ich mit euch teilen:

Es war einmal ein hässliches Entlein – über das hat Christian Andersen geschrieben vor vielen, vielen Jahren. Die Geschichte endet so: „Im Garten kamen da einige kleine Kinder, die warfen Brot und Korn in das Wasser, und das kleinste rief: »Da ist ein neuer!« Und die anderen Kinder jubelten mit: »Ja, es ist ein neuer angekommen!« Sie klatschten mit den Händen und tanzten umher, liefen zum Vater und zu der Mutter, und es wurde Brot und Kuchen in das Wasser geworfen, und sie sagten alle: »Der neue ist der schönste, so jung und so prächtig!« Und die alten Schwäne neigten sich vor ihm.“

Ich möchte dir heute erzählen, wie die Geschichte dann weiterging. Die alten Schwäne neigten sich vor ihm, vor dem prächtigen, jungen, stolzen Schwan. Sie umkreisten ihn, besahen ihn von allen Seiten und merkten, dass ein Strahlen von ihm ausging. Dies war ein ganz besonderer Schwan, und er war auch sehr bescheiden. Der Schwan hatte ein ruhiges, angenehmes Wesen, er schlichtete Streit, wenn sich die anderen im Teich zankten, und er gewann schnell viele Freunde, denn er war freundlich und jeder war gern in seiner Nähe. Ja, man kann sagen, die anderen sonnten sich in seiner Gegenwart, denn sein Strahlen war hell und zog sie in seinen Bann.

Aus Der Schwan im Teich von Ruth Frobeen