Kategorie - Fairy-tales


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Märchen-Sneak: Gisbert und der Mondstollen

GisbertEs ist soweit, die Adventsgeschichte über Gisbert aus der Weihnachtsbäckerei ist fertig und geht demnächst an einige Testleser und dann ins Lektorat. Für alle, die jetzt schonmal reinlesen und ein Gespür für Gisbert und seine Brüder bekommen möchten, veröffentliche ich ein Kapitel aus der Mitte. Und während ihr lest, stempel ich die Briefumschläge. ;)

Über Gisberts Bruder Kalli gibt es auch schon eine Geschichte. Die Märchen-Sneak über Kalli und das Weihnachtskonzert ist natürlich auch hier im Blog veröffentlicht. Und jetzt viel Spaß auf Wolke 17!

GISBERT UND DER MONDSTOLLEN

Es wurde ein sehr heiterer Abend. Sie aßen Himbeerliebe mit Wolkenschaum und zum Nachtisch Goldpfännle – ein Gericht, das Gisbert sich an dem Abend ausgedacht hatte. Peter erzählte Geschichten vom Mond und brachte alle zum Staunen. Ja, er konnte so lebhaft erzählen, dass die fünf Brüder meinten, selbst auf dem Mond gewesen zu sein. „Wisst ihr, wie das Mondlicht zustandekommt?“, fragte Peter seine aufmerksamen Zuhörer. Die Brüder schüttelten die Köpfe. „Das ist so: Kurz vor der Mondstunde beginnen die Silberhurlies zu tanzen. Es sind ganz ganz kleine Tierchen, vielleicht habt ihr schon mal eins gesehen.“ „Ja, ab und zu fliegen sie sogar auf unserer Wolke herum. Ich frage mich dann immer, wo sie wohl herkommen“, sagte Mucke. „Die kommen vom Mond. Manchmal fällt ein Silberhurlie auch mal herunter, was kein Wunder ist, denn sie tanzen so wild, dass der Mond zu leuchten beginnt.“ „Was, das machen diese Hurlies“, fragte Gunter ungläubig und kratzte sich am Kinn. „Ja klar, Gunter. Oder glaubst du mir etwa nicht?“, sagte Peter, rückte die Brille auf seine Nase und schaute Gunter streng an. „Doch doch“, sagte Gunter schnell und nahm sich noch ein Goldpfännle. „Wie gesagt, die Silberhurlies tanzen und der Mond beginnt zu leuchten. Das habe ich mit meinen eigenen Augen gesehen“, erklärte er und schob seine Brille zurück ins Haar. Gunter runzelte die Stirn. Er hatte in der Engelschule etwas ganz anderes gelernt, aber er wollte jetzt auch nicht sagen, dass Peter ein Lügner war. Die Brüder hingen an Peters Lippen. Sie liebten seine Geschichten. Weiterlesen

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer hat die schönste Tapete im ganzen Land

 Spiegel

Frau Edelfrosch zu Besuch auf Schloss Corvey in Höxter. Das war sehr nett und die Tapeten sind äußerst zauberhaft & fett.

Die Zuckermonarchie berichtet über ein märchenhaftes Fotoshooting …

Was tun, wenn man eine tolle Idee hat? Netzwerk knüpfen und gezielt Leute für die Idee begeistern! Das hat sich auch Denise von der Zuckermonarchie gedacht und die besten Leute aus der Hamburger Hochzeitsbranche an einen Tisch getrommelt, um ein zauberhaftes Märchen-Shooting umzusetzen, das gleich vom Magazin Braut & Bräutigam veröffentlicht wurde. Ich darf euch ein paar Bilder zeigen und habe Denise noch ein paar Frage gestellt, denn ich bin neugierig und will immer wissen, warum und wer und wie und was. Ihr wisst ja, die schönsten Geschichten schreibt das Leben… Aber jetzt erstmal ein paar zauberhafte Fotos von Felix Matthies!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Edelfrosch: Wie kommt man auf die Idee, eine Märchenwelt im Schnee zu inszenieren? Und was war der Auslöser für dieses zauberhafte Shooting?

Zuckermonarchie: Das Thema Hochzeit ist natürlich nicht weit vom Märchen-Thema entfernt, daher lag die Idee nahe, eine märchenhafte Kulisse für unser Styled Wedding Shooting zu kreieren. Da sich immer noch wenige Paare in der kalten Jahreszeit das Ja-Wort geben, wollten wir Inspirationen für eine Winterhochzeit geben. Schneewittchen von den Gebrüder Grimm spielt teilweise im Winter, weshalb wir das Thema am passendsten fanden.

Um ein Shooting durchführen zu können, braucht man ja einige Leute… Wer seid ihr und wie habt ihr zusammengefunden?

Ich hatte die Idee für das Shooting und habe dann die Besten der Branche gefragt, ob sie Lust auf die Realisierung des Projekts haben. Felix Matthies – der Fotograf, die Elbbraut – die uns die wunderschönen Kleider zur Verfügung gestellt hat, Katharina Jasinski – die für ein wundervolles Make-Up und märchenhaftes Haar gesorgt hat, Officina Polychroma – welche die Papeterie gestaltet und gedruckt haben, Brigitte Adolph – die den wundervollen Schmuck entworfen und geschmiedet hat, Belle Julie – welche die zauberhaften Haar-Accessoires zur Verfügung gestellt haben und Blumen Graaf – welche für den Brautstrauß, die Blumendekoration und den Haarkranz sorgten, waren alle sofort Feuer und Flamme für das Projekt. Wir haben uns alle im Zuge des Projekts kennengelernt.

Wieso macht man so ein Shooting? Das ist ja nicht ganz günstig…

Alle Beteiligten sind sehr kreative Menschen, die sich immer über neue Herausforderungen freuen und Spaß daran hatten gemeinsam eine Idee weiterzuentwickeln und das Shooting aktiv mit zu gestalten. Der Shooting-Tag hat uns allen wahnsinnigen Spaß gemacht und war eine sehr kreative Abwechslung. Am Shooting-Tag wurde eine so unglaublich positive Energie frei, die kein Geld der Welt aufwiegen kann. Jeder hat sich gefreut, Teil dieses schönen Projekts zu sein und konnte sich kreativ einbringen. Weil wir natürlich überzeugt vom Ergebnis des Shootings waren, haben wir bei der Braut & Bräutigam angefragt, ob sie Interesse an den Fotos hätten.

Die Rechnung ist aufgegangen, Braut & Bräutigam hat ein tolles Märchenspecial gemacht! Gibt’s nochmal ein gemeinsames Shooting?

Wir würden so eine Kooperation bestimmt wiederholen, weil wir alle ein super Team waren und die Zusammenarbeit sehr großen Spaß gemacht hat.

Das sieht man den Bildern an! Man möchte sich gleich an den Tisch setzen und einen Liebesapfel essen. 1000 Dank für das Gespräch!

 

Wer mehr über Denise und die Zuckermonarchie erfahren möchte: Das Zuckermonarchie-Blog ist zuckersüß!

Oh, und wer mehr über die Kleider der Elbbraut erfahren möchte: Lieschen hat die Elbbraut besucht! Und ein Kleid erzählt sogar seine Geschichte

Gisbert und der Mondstollen

Es ist ja schon fast Weihnachten, da sollte man sich dringend mit Adventskalendern beschäftigen. Ihr ahnt vielleicht, was hier los ist: Ich schreibe ein weiteres Weihnachtsmärchen, das in 24 kunterbunten Umschlägen daherkommen wird, wenn’s denn wirklich fast Weihnachten ist. Gute Geschichten brauchen Zeit…

Die Geschichte von Kalli, dem geigespielenden Engel, hat der ein oder andere ja gelesen. (Das erste von 24 Kapiteln gibt’s hier als Märchen-Adventskalender-Sneak). Jetzt sitze ich an der Geschichte über Kallis Bruder Gisbert, den Engel aus der Weihnachtsbäckerei. Gisbert hat ein kleines Problem: Für den Mondstollen braucht er eine Zutat, die -natürlich- vom Mond kommt. Da in der Weihnachtsbäckerei aber alles drunter und drüber geht und es Hinweise auf einen Dieb gibt, hat Gisbert keine Zeit, selbst zum Mond zu fliegen. Deshalb schickt er seinen Freund Peter, der eigentlich Rupert heißt und jedes Buch kennt, denn er trägt eine Brille und ist furchtbar schlau. Ein großer Geschichtenerzähler und Klugschnacker ist er auch.

Knapp die Hälfte der Kapitel ist bereits im Kasten. Die Geschichte macht mir enorm große Freude und unsere Praktikantin wundert sich vermutlich, warum ich immerzu kichere. Auch diese Geschichte ist wieder für Kindergartenkinder, Schulkinder und all diejenigen geeignet, die Engel mögen und gern schmunzeln. Eine Preview gibt’s, sobald ich mit der Geschichte fertig bin!

Edit: Sneak ist fertig!! Taucht ein in Gisberts Backstube… Vorbestellungen gern an maerchen@edelfrosch.de

Froschkönig: Walk Your Talk

FroschkönigDer Froschkönig ist schon ein armes Würstchen. Er sitzt in einem dunklen Brunnen rum, quakt sein Lied und wird nicht ernst genommen. Ja, die Prinzessin hält ihn nicht für vertragsfähig. Mich dünkt: Der Froschkönig ist ein Freelancer!

Davon können sicher viele Freiberufler und Selbstständige ein Liedchen singen: Jemand will etwas von dir, ihr macht einen Vertrag und dann gehst du in Vorleistung. Schreibst dir die Seele aus dem Leib, programmierst irgendetwas Kluges, spielst ein Konzert oder kaufst Material ein, aus dem du ein Wunder baust. Wie jeder Freelancer mit etwas Grips nutzt der Froschkönig sein Talent: Er springt in den Brunnen, weil er es kann und sich dafür nicht zu schade ist, und holt die goldene Kugel der Prinzessin wieder hervor. Und sie? Sie denkt: „Na, der dumme Frosch, den muss ich nicht erst nehmen. Der kann sich doch freuen, dass er für mich, die Prinzessin, etwas tun durfte!“ Oder aber sie denkt (Zitat Grimm): „Was der einfältige Frosch schwätzt, der sitzt im Wasser bei seinesgleichen und quakt“ – tja, was sagt man dazu. Kommt einem irgendwie bekannt vor. Dann nimmt sie die Kugel und geht schnellen Schrittes weg.

Ich fasse das Freelancer-Drama kurz zusammen:

  • Prinzessin braucht Hilfe (Anfrage)
  • Frosch bietet Hilfe an und sagt, was er dafür haben möchte (Angebot)
  • Prinzessin sagt ja (Vertrag)
  • Frosch geht in Vorleistung (Leistung wird erbracht)
  • Prinzessin haut ab, sie hält den Frosch nicht für vertragsfähig (Kunde zahlt nicht)
  • Frosch klopft an und fordert die Gegenleistung ein (Erinnerungen, Mahnungen)
  • Eine höhere Hierarchie sagt dem Frosch die Leistung zu (Geschäftsführung)
  • Gegenleistung erfolgt (Glück gehabt)

Was mich am meisten ärgert ist die Arroganz der Prinzessin. Wofür hält sie sich? Für den größten Sonnenschein auf Erden? Der Frosch ist so klug, sich direkt auf den Weg zu machen. Im Gegensatz zu vielen Freelancern ist er nicht so naiv, erstmal abzuwarten und zu hoffen, dass da was kommt. Nein, er macht sich direkt auf den Weg, um die Gegenleistung einzufordern. Doch was passiert dann? Eine höhere Hierarchiestufe, der König nämlich, muss die Prinzessin daran erinnern, ihr Wort zu halten: „Walk your talk“ bzw. „Was du versprochen hast, musst du auch halten“ (Zitat Grimm). Die moralamputierte Henne erfüllt widerwillig die Gegenleistung – und schmeißt den armen Frosch an die Wand. So, und dieser Teil der Geschichte darf natürlich im echten Leben nicht passieren. Denn was die Prinzessin vorhat, ist: Frosch vernichten! Glücklicherweise kommt es nicht soweit und der Frosch fällt als hübscher Prinz von der Wand. Aber, oh Frage aller Fragen: Warum heiratet der Depp die Tante?

Der Vergleich mit dem Freelancer hinkt vielleicht etwas. Vielleicht aber auch nicht, denn ich finde schon, dass es da erstaunlich viele Parallelen gibt. Spannende Erkenntnisse hierüber verspreche ich mir aus der Lektüre des Buches Führung in Management und Märchen von Rolf Wunderer. Ich werde berichten …

Edelfroschkisten in the Making

EdelfroschkisteJippieh, es gibt neues Holz für unsere Edelfroschkisten! Links seht ihr ungeöltes und geöltes Birnbaumholz. Besonders charmant finde ich ja die Hölzer mit Astloch! Jetzt heißt es Holz sortieren und zusammenstellen, ölen (iiih, meine arme Tastatur) und Kisten bauen.

1000 Dank an Frank, der für das Holz und die erste Bearbeitung bis an den Bodensee gefahren ist!

Über Mutmachermärchen

Seit ich mit dem Märchenschreiben begonnen habe, sind mir viele viele Geschichten erzählt worden. Häufig sind es Liebesgeschichten und ab und zu auch Geschichten für Kinder. Neulich habe ich zum Beispiel ein Märchen für ein Kindchen geschrieben, das erst vor ein paar Wochen auf die Welt gekommen ist. Vielleicht erinnert ihr euch auch an das Märchen übers Loslassen, das eine Mutter ihrer fünfzehnjährigen Tochter schenkte, die für ein Jahr ins Ausland ging. Märchen dieser Art sind klassische Märchen für alle!
Und dann gibt es noch solche Märchen, die ich gerne als Mutmachermärchen bezeichne. Es sind Geschichten über Themen, die nicht so leicht und flockig sind; Themen wie Alkoholismus, Spielsucht, oder der Tod eines geliebten Menschen. Auch über eine Trennung habe ich bereits ein Mutmachermärchen geschrieben. Diese Märchen geben durch eine abstrakte, vom eigentlichen Problem losgelöste Bildsprache den Menschen neue Bilder an die Hand, mit denen sie ihre Situation auf eine andere, vielleicht etwas leichtere Art und Weise betrachten können. Eine solche Geschichte habe ich bereits im Blog veröffentlicht, es ist die Geschichte vom Bäcker, der eine Zutat verloren hatte. Glücklicherweise hat er, wie wir wissen, diese Zutat wiedergefunden!
Vor zwei Wochen habe ich ein Märchen über einen König geschrieben, der nicht aufhören konnte zu lachen. Es ist die Geschichte über eine Spielsucht, und die Person, um die es geht, taucht in zwei Rollen auf: einmal als König und einmal als junger Prinz, der zusammen mit seiner lieben Frau den Fluch bricht, der auf dem König lastet. Solche Geschichten rühren mich sehr, und ich hoffe, dass sie den Menschen ein Stück weit ihre Situation erleichtern. Hier ist ein kleiner Ausschnitt aus dem Märchen über den König, der nicht aufhören konnte zu lachen.

So ritt er drei Monate und drei Tage durch das Königreich, denn das Reich war groß. Er sprach mit alten Mütterchen, half den Bauern auf dem Feld und entdeckte manch sonderbare Lebensform. Ja, er hatte Spaß an seinem Leben, denn er lebte sorgfrei und hatte von allem, was er brauchte, mehr als genug.
Am vierten Tag des vierten Monats kam er zu einem Fluss, der war die Landesgrenze, und zum ersten Mal in seinem Leben bekam er einen Schreck: Auf der anderen Uferseite war es düster und dunkle Wolken hingen tief über dem Boden. Die Menschen waren mager und trugen mit ihren dünnen Armen Reisigbündel. An den Bäumen hing kaum ein grünes Blatt und im Wirtshaus, in das der junge Prinz einkehrte, gab es nur Kohl und wässriges Bier. Der Prinz war sehr betrübt und fragte den Wirt, warum es in dem Reich keinen Wohlstand gebe und alles so furchtbar traurig sei. Da schaute der Wirt ihn mit ängstlichen Augen an und flüsterte hinter vorgehaltener Hand: „Ein Fluch bringt Unglück übers Land.“ „Ein Fluch?“, fragte der Prinz überrascht. „Was ist das für ein Fluch?“ Da zog der Wirt ihn in eine kleine Kammer und erzählte ihm die ganze Geschichte:
„Dieses Königreich war einst ein fruchtbares Land und allen Menschen ging es gut. Sogar die ärmsten Bauern hatten gut lachen, denn ihre Felder trugen viele Früchte und ihr Vieh war dick und fett. Unser König war ein gutherziger Mann, doch als seine Frau starb, wurde er verbittert und hörte nicht mehr auf zu weinen. Er ließ alle weisen Männer kommen, doch niemand konnte ihm helfen und alle Menschen im Königreich waren ratlos. Da kam aus einem anderen Reich eine steinalte Frau aufs Schloss. Man ließ sie vor, denn sie hatte eine Kraft in ihren Augen, die einen zurückweichen ließ. Sie sprach mit unserem König und gab ihm ein Brettspiel, das er fortan spielte. Der König lacht seitdem ununterbrochen, doch das Königreich verkommt und niemand hat zu Essen. Alle Reichtümer und alle Freude hat die knochige Frau mitgenommen. Und so leben wir in Armut und hören unseren König lachen.
Nur wer den König im Spiel besiegen kann, vermag den Fluch zu brechen. Es haben schon einige versucht, doch niemand hat es geschafft. Wer gegen den König verliert, wandert unter höhnischem Gelächter in den Kerker, wo er bei Kohl und Wasser versauert.“
Der Prinz hatte eine Gänsehaut bekommen und er wollte das düstere Königreich schnell wieder verlassen. Da ihm jedoch die Augen vor Müdigkeit schon zufielen, bat er den Wirt um eine Bleibe für die Nacht, und er legte sich hin und schlief sofort ein. Im Traum erschien ihm eine dicke, fette Kröte, die sagte zu ihm: „Finde den Mut und du findest den Weg.“
Ausschnitt aus Der lachende König von Ruth Frobeen

Mafalda – the one and only!

Vielleicht ungefähr genau so hat mir Mafalda von Felicita letzte Woche eine ungewöhnlich Liebesgeschichte geschildert …

„Mein Name ist Mafalda und ich komme aus Berlin.

Ich stehe meistens am Fenster und schaue auf die Straße. Manchmal bleiben Leute stehen und schauen mich an. Neulich zum Beispiel lief eine junge Frau vorbei, und als sie mich im Schaufenster sah, blieb sie stehen und schaute mich ganz komisch an. Sie kam ganz dicht ans Fenster heran und versuchte, mich von allen Seiten zu betrachten. Ich habe sie danach noch ein paar Mal gesehen. Einmal war ein junger Mann dabei, auch er schaute mich sehr lange an. Ich stand ganz still. Hoffentlich saßen meine Knöpfe alle richtig!

Kurz darauf klingelte das Telefon, es war der junge Mann. Er erzählte Theresa von der Elbbraut, dass seine Freundin sich in mich verliebt hätte und fragte, ob ich in zwei Jahren noch da wäre. Bei so halbseidenen Wesen wie mir kann man das nicht wissen … Also kam das Paar wenig später zu uns in die Boutique. Sie haben ihren Hochzeitstermin vorverlegt (für mich?!?), und ich werde bei der Hochzeit dabei sein. Was sagt man dazu? Ich bin Mafalda – the one and only!“

Vom lebenslangen Liebenlernen

Märchen für Pärchen, das kann auch mal eine Fabel sein! Eine Fabel definiert sich als eine Erzählung, in der Flora und Fauna menschliche Eigenschaften haben und z.B. sprechen können.

Die folgende Geschichte, die ich mit freundlicher Erlaubnis der Beschenkten im Blog veröffentlichen darf, handelt von einem Paar, das sich seit Kindheitstagen kennt. Nachdem der junge Mann mir die Geschichte erzählt hatte, war mir sofort klar: Das kann nur eine Fabel werden! Denn die beiden Protagonisten sind ständig und immerzu in der Weltgeschichte hin- und hergeflogen…

Und nun lest selbst, wie fabelhaft so ein Märchen für Pärchen sein kann ;):

 

Es waren einmal zwei kleine Vögel, die lebten mit ihren Familien in einem Park. Der eine Vogel hieß Anton, er hatte eine krächzige Stimme und interessierte sich für Haselnusswerfen. Der andere Vogel hieß Hanna und war ein Vogelmädchen. Sie hatte leuchtende Federn und sang gern.

Anton und Hanna lebten in gemütlichen Familiennestern und wuchsen nur einen Haselnusswurf voneinander entfernt auf. Als sie älter wurden und in die Vogelschule kamen, liefen sie sich ein paarmal über den Weg, aber sie nahmen einander kaum wahr. Natürlich war Hanna der seltsame Vogel aufgefallen, der im Chor in der letzten Reihe stand und seltsame Töne von sich gab. Und natürlich kannte Anton sie vom Sehen – schließlich wohnten sie im selben Park und hatten denselben Schulweg, aber ansonsten hatten sie nichts weiter miteinander zu tun … außer, dass sie eine gemeinsame gefiederte Freundin hatten, Steff. Anton und Steff spielten häufig Haselnusswerfen, Zweigspringen und Blattrupfen, während Hanna und Steff sich gern im Park trafen, auf dem Ast über der Bank saßen, Menschen belauschten und sich gegenseitig Geschichten erzählten. Ja, sie waren wirklich gute Freunde.

Als Anton und Hanna etwas älter waren, sie gingen noch zur Vogelschule, durften sie beide eine lange Reise machen. Anton flog über einen Hügel und landete auf einer Insel im See, wo er eine Schule fand, die ihn herzlich aufnahm. Schon bald hatte er sich mit den anderen Vögeln angefreundet und führte ein glückliches Leben auf der schönen Insel im See. Hanna flog etwas weiter, über einen Hügel und einen Teich. Auch sie fand einen gemütlichen Unterschlupf bei einer Vogelfamilie, bei der sie leben und fürs Leben lernen konnte. Sie waren glücklich und zufrieden, und als ein Jahr vergangen war, flog Hanna wieder nach Hause zu ihrer Familie im Park. Anton blieb auf der Insel im See, denn es gefiel ihm außerordentlich gut und er lernte viele neue Dinge und auch eine neue Art zu Singen. Ab und zu, wenn das Wetter es zuließ und er ein paar Tage frei hatte, flog Anton nach Hause zu seiner Familie und verbrachte eine schöne Zeit mit seinen Freunden im Park. Dann traf er seine gute Freundin Steff, seine Schwester Aimée und viele andere Vögel, die zu seinem Leben gehörten.

Eines Tages, Anton war mit Steff im Park zum Haselnusswerfen verabredet, sagte Steff zu ihm: „Nach dem Haselnusswerfen gehen wir ins große Astloch zum Feiern. Meine Freundin Hanna kommt auch!“ Anton hatte nichts dagegen, denn er fror ein wenig und wollte sich nur allzu gern im großen Astloch aufwärmen. Als sie dorthin flogen, sahen sie von Weitem schon die vielen anderen Vögel, die vor dem Astloch auf einem Ast saßen. Es herrschte ein reges Zwitschern. Auch Hanna saß dort und wartete. Sie erkannte den kauzigen Vogel aus dem Schulchor sofort. Sie sagten höflich „Hallo“, und gingen dann hinein ins Astloch, wo es warm und gemütlich war. Viele Vögel saßen dicht an dicht und unterhielten sich. Es war laut, es war schön, und sie verbrachten einen lustigen Abend zu dritt.

Sie gingen von nun an öfter zum Astloch und entdeckten auch andere schöne Plätzchen im Park, zum Beispiel unter einer gelben Parkbank, wo es köstliche Brotkrumen gab und auf der großen Kastanie, die viele Geschichten zu erzählen wusste, weil sie schon 300 Jahre alt war. Und natürlich besuchten sie einander auch in ihren Nestern, wo sie Spiele spielten, Nachtigallmusik hörten und so manche harte Nuss knackten. Sie waren bald ein Dreiergespann geworden und genossen die Zeit, die sie miteinander verbrachten. Manchmal, wenn einer der drei keine Zeit hatte (z. B. weil er mit seiner Familie Wurmziehen spielen musste), trafen sie sich auch zu zweit: Steff und Anton, Steff und Hanna, Anton und Hanna.

Einmal verbrachten Anton und Hanna einen wunderschönen Abend zu zweit. Sie flogen auf die große Lichtung, um Regentropfen zu zählen, Anton erzählte Hanna, wie es auf der Insel im See war und sie lauschte mit großen, runden Augen. Sie saßen stundenlang unter dem Baum, auf dem Hannas Familiennest war und unterhielten sich über die Dinge, die ihnen wichtig waren. Ja, es war ein wirklich zauberhafter Abend gewesen. Und als die Nacht am dunkelsten war, flog Anton zu sich ins Nest und schlief glücklich und zufrieden ein. Am nächsten Tag fand er ein zusammengerolltes Lindenblatt, auf dem Hanna ihm eine Nachricht hinterlassen hatte: „Hoffe, du bist gut nach Hause gekommen.“ Da freute sich Anton riesig und flog zweimal um den Park.

Nun war es Winter geworden und Anton hatte lange Ferien von seiner Schule auf der Insel im See. Hanna und Anton verbrachten viel Zeit miteinander, und wenn man es genau betrachtet, war er mehr Zeit in ihrem Nest als bei seiner Familie. Es war Winter, und der Schnee bedeckte die Bäume und Wiesen und verwandelte den Park in eine glitzernde Märchenlandschaft. Als es am schönsten war und der Schnee besonders kalt, musste Anton wieder zurück auf die Insel im See. Sie sagten einander Lebewohl und Anton machte sich auf die Reise. Er hatte eine neue Freundin gefunden und das wärmte ihm das Herz.

Im Frühling, als Anton wieder ein paar Tage frei hatte, wollte er mit einem gefiederten Freund eine weite Reise in ein fernes Land machen, denn er war abenteuerlustig und die Reise wäre gar abenteuerlich gewesen. Doch seine Eltern waren besorgt und verboten ihm den langen Flug. Da war Anton traurig und erzählte seiner Freundin Hanna davon. Hanna hatte derweil selbst eine Reise gemacht und war wie Anton auf einer Insel im See gelandet. Es war die kleine Nachbarinsel, und so beschloss Anton, Hanna auf ihrer Insel im See zu besuchen. Sie hatten eine schöne Zeit, entdeckten neue Astlöcher, sammelten Blätter und Eindrücke und machten sich dann gemeinsam auf den Rückweg nach Hause zu ihren Familien. Eines Abends saßen sie bei Hanna im Nest und spielten Eierschalendrücken. Sie plauderten leise miteinander und im Hintergrund sang eine Nachtigall. Sie sang ein so schönes, trauriges Lied, dass Hanna nichts lieber als tanzen wollte. Anton, der eigentlich lieber im Sand badete als zu tanzen, ließ sich zu einem Tanz hinreißen, und sie drehten sich im Kreis, ganz sanft und sacht, und dann schnäbelten sie und es fühlte sich schön an.

Am nächsten Tag fragten sie ihre Freundin Steff, ob sie böse wäre, wenn sie eventuell, ganz vielleicht geschnäbelt hätten. Natürlich war Steff nicht böse und auch sonst niemand, der es bemerkt hatte …

Ein paar Tage später, auf einem Fest mit vielen Vögeln, schmiegten sie sich aneinander und alle konnten sehen, wie sehr sie sich mochten. Da freuten sich alle für sie und sie freuten sich am allermeisten, denn sie hatten sich ineinander verliebt und konnten ihre Gefühle offen zeigen. Hanna blieb in dieser Nacht das erste Mal bei Anton, und als sie endlich eingeschlafen waren, klingelte auch schon der Wecker und Anton hüpfte leichtfüßig aus dem Nest. Er musste zurück auf die Insel im See und hinterließ seiner schlafenden Freundin, nachdem er vergeblich versucht hatte, sie zu wecken, eine schwungvoll geschriebene Nachricht auf einem Blatt. Als Hanna wach wurde, stand die Sonne längst am Himmel. Sie wollte sich leise davonstehlen, doch Anton’ Eltern und seine Schwester luden sie ein, mit ihnen ein paar Sonnenblumenkerne zu knabbern. Da blieb sie im Nest und hatte einen schönen Tag mit Anton’ Familie, die sich sehr über das junge Glück freute.

Anton, der nun wieder auf der Insel im See war und fürs Leben lernte, freute sich sehr über die Nachricht, dass seine Freundin Steff auch auf die Insel kommen würde. Da Hanna noch nicht genau wusste, was sie machen wollte (sie hatte die Vogelschule längst beendet), fragte sie Anton nach den Schulen auf der Insel im See, die hier „University“ genannt wurden. Er wusste auch viel zu erzählen, denn er lebte nun schon seit einigen Jahren auf der Insel, und sie hörte ihm aufmerksam zu und kam dann mit ihrer Mutter auf die Insel, um sich die Schulen anzusehen. Dass sie während dieser kurzen Reise auch Anton endlich wiedersehen würde, ließ ihr Herzchen doppelt hoch hüpfen!

Anton hatte sich um einen gemütlichen Baum für Hanna und ihre Mutter gekümmert. Nachdem sie sich von ihrem Flug erholt und sich gestärkt hatten, zeigte Anton Hanna den großen Park, in dem er lebte. Hier wimmelte es nur so von Vögeln, überall saßen, trällerten, zwitscherten und gackerten kleine, große, dicke und dünne Vögel. Es war ein reges Treiben im Park, den sie auf der Insel „Campus“ nannten. Als Hanna zu ihrer Mutter zurück auf den Baum wollte, überredete Anton sie, bei ihm zu bleiben. Und so verbrachte sie eine Nacht in seinem Nest und sie hatten es kuschelig warm. Am nächsten Tag schauten sie sich zusammen mit Hannas Mutter die University und den Campus an, und dann verbrachten sie noch ein paar schöne Tage zu zweit – und Anton versuchte es mit „Liebe durch den Magen“, einem Gericht, das auf der Insel im See „Knorr Chicken Sizzle ’n Stir“ genannt wurde. Dann flog Hanna mit ihrer Mutter zurück nach Hause.

Die Zusage von der University kam schon bald, und als sie endlich auch auf der Insel im See lebte, verbrachten Anton und Hanna jede freie Minute miteinander. Während Hanna auf einem Baum auf dem lebhaften Campus wohnte, wohnte Anton mit ein paar Freunden in einem etwas entfernter gelegenen, kleinen Park. Sie fühlten sich unbefangen, lebten umeinander herum und hatten keine Sorgen.

Die Zeit verging, und Anton sollte für eine Weilein einem anderen Dorf fürs Leben lernen. Sie flogen hin und her, und her und hin, rissen viele Kilometer ab, und schon war die Zeit vergangen und Anton um einige Erfahrungen reicher. Sie hatten die Distanz mit Leichtigkeit und Bravour überwunden und waren nicht müde geworden, sich gegenseitig zu besuchen. Denn sie hatten einander sehr, sehr gern.

Als nun Anton wieder zurück im Park war und zur University ging, beschlossen sie, sich ein gemeinsames Nest zu bauen. Sie flogen durch sämtliche Parks, schauten sich viele Bäume an und fanden dann eine Linde, auf der sie sich wohlfühlten. Anton, der ein Spaßvogel war, machte eines Tages einen Witz und sagte, er werde doch nicht ins Nest einziehen. Hannas Herz klopfte wild, sie war zu Tode betrübt und wusste nicht, was in Anton gefahren war. Da rief er schnell „April April“, denn das sagte man so, wenn man ein Spaßvogel war, aber Anton merkte bald, dass sein Scherz ihr fast das Herz gebrochen hatte. Natürlich bauten sich zusammen ein Nest. Es war klein, und sie hatten Schwierigkeiten, das Material zu transportieren, das sie zum Nestbau brauchten. Während Hanna eine Zeit bei ihrer Familie war, verschönerte Anton das Nest, flocht bunte Federn und kleine Zweiglein ein und machte es so gemütlich und praktisch, wie er es für gut erachtete. Und sie lebten glücklich und zufrieden in ihrem beschaulichen Nest. Fertig? Aber nicht doch!

Sie hatten es also gut miteinander, lernten viel der eine vom anderen, flogen durch die Weltgeschichte und erlebten manches Abenteuer. Im Sommer flog Anton, der, wie wir wissen, ein begnadeter Haselnusswerfer war, mit Hanna über den See, um sich ein spektakuläres Turnier im Haselnusswerfen anzuschauen. Mit von der Partie waren auch Freunde und Geschwister. Selten hatte man so viele schräge Vögel auf einem Haufen gesehen! Die Stimmung war bombastisch und sie schrien sich heiser. Es war ein tolles Turnier, an das sie sich immer mit einem Schmunzeln erinnerten …

Ein anderes Abenteuer, von dem ich hier ausführlich berichten möchte, war aber noch viel spektakulärer und aufregender als das Haselnusswurfturnier. Anton und Hanna hatten durch einen glücklichen Zufall von einem fernen Land gehört, in dem es riesige bunte Vögel, platte Fische, kauzige Seelöwen und gefährliche Haie geben sollte. So etwas hatten sie noch nie gesehen! Sie gingen zu einer Eule und fragten sie um Rat. Die Eule verschwand in ihrem Astloch und kam mit einem Stapel Bücher wieder. Sie rückte ihre große Brille zurecht und schlug das oberste Buch auf: „Wer über den riesengroßen Teich zu den riesengroßen Vögeln fliegen möchte, der lerne ihre Singart und ihre Art, die Schwanzfedern zu führen. Wer über den riesengroßen Teich zu den plattesten Fischen fliegen möchte, der übe vorher, im Regen zu fliegen. Wer über den riesengroßen Teich zu den kauzigen Seelöwen fliegen möchte, der verkleide sich wie eine Möwe. Wer über den riesengroßen Teich zu den gefährlichsten der gefährlichen Hai fliegen möchte, der bereite sich gut vor!“ Hanna und Anton schauten die Eule mit weit aufgerissenen Augen an. Dann flogen sie zurück in ihr Nest, lasen Bücher über Haie, Seelöwen, Fische und Vögel und wackelten zum Gesang der Nachtigall mit ihren Schwanzfedern. Ihre Eltern waren sehr stolz auf sie und unterstützten sie in ihrem Vorhaben, sich eine neue Welt zu erschließen und Dinge zu erleben, die weit über das hinausgingen, was sie an der University gelernt hatten.

Nun, die Anreise war beschwerlich, und als sie endlich im Land der bunte Vögel ankamen, regnete es in Strömen. Erschöpft und hungrig ließen sie sich auf einem Gewächs nieder, das sie im Land der bunten Vögel „Kaktus“ nannten. Anton bat den gestreiften Kaktusvogel um ein paar Beeren, und Hanna suchte ein stachelfreies Plätzchen. Sie hatten Glück: Von ihrem Platz aus konnten sie ein spaßiges Vogelpaar beobachten, das sich im Zweigspringen maß – die Unterhaltung und die erfrischenden Beeren weckten schnell ihre Lebensgeister.

Nachdem sie sich gestärkt hatten, machten sie sich auf die Suche nach dem Baum, den sie in ihrer Karte angekreuzt hatten. Hier sollten sie auf andere Vögel stoßen, die ebenfalls das Abenteuer suchten. Bald waren alle Vögel da, es war eine bunte Truppe aus aller Welt: grünschnabelige Graustelzen, Breitknacker, Acht-Uhr-Eulen, Dittdatten, Beulenfisseln, Zenvögel und zwei Ponyschnacker. Sie bekamen eine Singstunde bei einer alten Vogeldame und eine Stunde Unterricht im Schwanzwackeln. Dann bekamen sie Aufgaben zugeteilt und mussten sich ihre Beeren mit Blätterzupfen, Sandscharren und Wasserhüpfen verdienen. Anton und Hanna hatten jede Menge Spaß, sie lernten die anderen Vögel kennen und genossen das aufregende Leben im Land der bunten Vögel.

Als ihre Arbeit getan war und sie sich Proviant gesammelt hatten, machten sie sich auf eine Reise durch das unbekannte Land. Sie flogen auf einen Vulkan, badeten in warmen Gewässern, ließen sich von einem riesengroßen Paradiesvogel mitnehmen (was streng verboten war), flogen zu einem Gletscher, der hell in der Sonne glitzerte, ließen sich auf einem Fluss in ausgehöhlten Baumstämmen treiben, probierten bunte Ameisen (die gar nicht so schlecht schmeckten), ließen sich von wilden Pferden die Gegend zeigen, flatterten an Felsen hoch und stürzten sich in die Tiefe, fuhren auf kleinen Holzstückchen durch Sumpfgebiete, und sie flogen zu einer Insel, auf der sie bunte Vögel, platte Fische, kauzige Seelöwen und gefährliche Haie beobachteten. Sie hatte eine wunderbare Zeit zu zweit, besuchten dann noch Anton‘ Onkel, der in einem Land lebte, in dem das Wasser vom Berg fiel, und lernten so viel, wie noch nie in ihrem Leben.

Die Zeit verging wie im Fluge, und als sie wieder nach Hause kamen, holte der Alltag sie ein. Die University hatten sie bereits vor ihrer großen Reise beendet, und so begann nun eine Zeit, in der sie Arbeit suchten. Ich mache es kurz: Sie fanden Arbeit auf unterschiedlichen Inseln im See und merkten, dass ihnen große Entfernung voneinander gar nicht gut tat. Sie spürten, wie der Wind eisig blies und sie auseinandertrieb. Es war mittlerweile Winter geworden, und sie hatten sich getrennt, weil der Wind stark war und ihre Gefühle füreinander verwirbelt hatte. Sie waren unglücklich und suchten Trost bei ihren Familien und Freunden. Da beschlossen sie eines Tages, in den Park ihrer Kindheit zurückzuziehen, in dem es windstill und geschützt war. Anton zog in ein Mauseloch, das eigentlich sehr gemütlich war, und Hanna lebte wieder im Nest ihrer Eltern. Sie waren zwar getrennt, doch sie mochten einander gern, und so kam es, dass Hanna Anton half, sein Mauseloch einzurichten. Sie brachte weiches Moos mit, das sie im Park gefunden hatte und hängte gepresste, rot leuchtende Weinblätter an die Wände. Das Mauseloch mauserte sich zu einer schönen Wohnung, aber Anton hatte andere Pläne. Er merkte, wie sehr er Hanna liebte, und so beschloss er, sie zurückzugewinnen. Wie er das schaffte, ist sein Geheimnis. Aber so viel sei verraten: Sie wärmten einander und zeigten dem eisigen Wind die kalte Schulter. Da drehte der ab, denn er merkte, dass er verloren hatte.

Das Mauseloch war zum Kuscheln gut geeignet, doch nun wollten sie sich ein richtiges Nest bauen, mit allem, was dazugehörte. Sie suchten sich einen ruhigen Baum in einem benachbarten Park, schmückten ihr Nest mit Ölgalf und waren unendlich glücklich, wieder zueinander gefunden zu haben.

Um ihre Liebe zu feiern, luden sie all ihre Freunde und Verwandten ein und feierten bei Vollmond ein Fest, von dem die Vögel im Park noch lange sprachen. Die Glühwürmchen, die an dem Abend Dienst hatten, erzählten noch ihren Enkeln von dem rauschenden Fest auf der Linde.

Vom lebenslangen Liebenlernen