Kategorie - Fairy-tales


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Die Büroklammer, dein Märchenprinz. Kreative Prozesse beim Märchenschreiben

„Fällt Ihnen eigentlich immer etwas ein?“ Diese Frage höre ich ziemlich häufig, wenn ich erzähle, dass ich Märchen für Pärchen schreibe. Natürlich fällt mir nicht immer sofort etwas ein. Aber ich nehme mir für die Märchen Zeit. Wer sein persönliches Märchen bei mir bestellt, hat in der Regel Verständnis dafür, dass eine Liebesgeschichte nicht über Nacht aus dem Hut gezaubert wird. Mir fällt immer etwas ein – ich muss nur lang genug in meiner Semantikwolke stöbern.

Heute möchte ich ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern und erzählen, wie ein individuelles Märchen entsteht und was meine Arbeits als Märchenschreiberin mit Büroklammern zu tun hat.

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Ein Märchenauftrag beginnt in der Regel mit einer Anfrage per Mail oder Telefon. Beim ersten Kontakt stecken wir bereits ab, worum es grob gehen wird und für welchen Zweck ein Märchen gewünscht wird. Ich werde immer wieder aufs Neue überrascht, für was man ein Märchen gebrauchen kann! Zum Beispiel, um seine Frau ein zweites Mal zu heiraten. Oder um ein befreundetes Ehepaar mit Sketchen aus dem eigenen Leben zu überraschen. Als Eingangspsalm bei der kirchelichen Trauung. Als Heiratsantrag auf einer romantischen Burg. Um DANKE zu sagen. Um BITTE zu sagen. Für den ersten Geburtstag des Kleinen. Als Brief an das Ungeborene. Als Geschichte übers Loslassen. Und und und. Es fasziniert mich, was die Leute aus ihrem Rucksack des Lebens rausholen.

Wenn die Rahmenbedingungen abgesteckt sind, kommt die Märchenstunde, in der die Protagonisten (meist nur einer) ihr Herz öffnen und mir all das erzählen, was für ihre Geschichte von Bedeutung ist. Das können ganz banale Dinge sein – oder haarsträubende Anekdoten. Wenn die Märchenstunde um ist, beginnt der eigentliche kreative Prozess: Ich verarbeite meine Notizen zu einer Geschichte, die für die Protagonisten neu und doch nicht neu ist. Neu im Sinne von „so habe ich das noch nie gesehen“. Das Knifflige bei diesem Prozess ist, Bilder zu finden, die die Geschichte märchenhaft verfremden und gleichzeitig bestimmte Gefühle auslösen, die für den Zweck des Märchens passen. Ich glaube, mein Unterbewusstsein greift da auf den Fundus dessen zu, was ich mir im Laufe der Jahre so erlesen, erdacht und erfühlt habe. Aber bevor ich mich auf die Reise in die Fantasie mache, lege ich die Geschichte zunächst mit Büroklammern nach. Eine ganz klassische Aufstellung sozusagen. Und so wird dann die Büroklammer ganz einfach zum Märchenprinz. ;o)

Im Prinzip ist das Märchenschreiben ein klassischer Fall von kreativem Übersetzen nach Kussmaul und Hönig. Wobei kreatives Übersetzen natürlich nicht bedeutet, dass ich mir beim Schreiben irgendetwas ausdenke. Ich bewege mich gewissermaßen in Semantikwolken und schaue, was das Ausgangsmaterial (die Geschichte) hergibt und was für meine Leser passend ist – die in diesem Fall ein Märchen erwarten. Da wird beispielsweise eine L(i)ebenskrise in einen Sturm übersetzt, der übers Land jagt. Oder eine Krankheit in einen Fluch. Oder die Liebe in eine lichte Gestalt, die auf dem zugefrorenen Fluss steht und das Eis bricht. (Wen das Thema Semantik und kreatives Übersetzen brennend interessiert, ich habe meine Diplomarbeit darüber geschrieben.)

Manchmal sind die Bilder, in die ich übersetze, ganz eindeutig und sofort greifbar. Manchmal muss ich etwas länger in der Semantikwolke stöbern, bis sich mir das passende Bild erschließt. Ein hochkreativer und sehr spannender Prozess, der mich selbst immer wieder überrascht!

Bei aller Individualität der Märchen ist das angestrebte emotionale Ergebnis eine Überwältigung von der eigenen Geschichte. Das ist mein Ziel als Märchenschreiberin. Und das erreiche ich auch, immer.

Dieser Blogbeitrag ist mein Beitrag zur Blogparade von Nicole Gugger zum Thema „Kreativität für alle“

Für Winterbräute und Eisprinzessinnen: Der Blogger-Adventskalender

Huiii! Die klirrende Adventszeit steht vor der Tür, und die Hochzeitsblogger (und ein edelforscher Frosch) haben etwas Feines auf die Beine gestellt: In 24 Blogs wird es wundervolle Überraschungen für euch geben. Ihr habt vom 1. bis zum 24. Dezember jeden Tag die Chance auf einen zauberhaften Gewinn. Es lohnt sich also, in den kommenden Wochen in den Hochzeitsblogs zu stöbern! In welchem Blog gerade ein Gewinnspiel läuft, erfahrt ihr auf der Hochzeitsblogger-Adventskalenderseite, die regelmäßig aktualisiert wird.

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Für euch zum Vormerken: Bei mir gibt’s am 17. Dezember etwas Schönes zu gewinnen! Und zwar nicht nur für Winterbräute und Eisprinzessinnen. Ich freu mich schon! Advent

(Foto mit freundlicher Genehmigung von Petra Hennemann)

Märchentage Hamburg 2013: Märchen wie Juwelen. Manche funkeln mehr…

Die Hamburger Märchentage stehen vor der Tür und das Programm enthält wie jedes Jahr einige Juwelen! Besonders freue ich mich auf die Märchen aus dem Zarenreich, denn ich liebe klirrende Eisblumen und grusel mich vor der Hexe, deren Haus auf Hühnerbeinen steht. Die vielleicht schönsten (und öffentlichen!) Veranstaltungen der Hamburger Märchentage habe ich für euch rausgesucht. Ich habe mich auf Veranstaltungen beschränkt, die auch Kinder besuchen können, die vormittags zur Schule oder in den Kindergarten gehen:

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  • Am Freitag, den 8.11. liest Isabelle de Gaillande-Mustoe um 15 Uhr im Institute français französische Märchen. Begleitet wird sie von Pianistin Aleksandra Laptas. Für Kinder ab 10 Jahren.
  • Ebenfalls am Freitag, den 8.11. findet um 15:30 im Italienischen Kulturinstitut eine deutsch-italienische Märchenveranstaltung statt: C’era una volta – Es war einmal… Judith Brandenburg liest Märchen und Nadia Malverti zaubert das Theaterstück vom Rosmarinsträuchlein aus dem Hut. Für Kinder ab 8.
  • Am Samstag, den 9.11. um 17 Uhr werden Kinder und Erwachsene in die Geheimnisse der Waldgeister und Kobolde eingeweiht. Im Tal der Chilca heißt die Veranstaltung, in der die Autoren Gino Leineweber und Rosalia Jacome uns in die Kultur der Maya und anderer indigener Völker entführen… im Museum für Völkerkunde.
  • In der Carl-Cohn-Schule werden am Sonntag um 10:15 von Heike Vajen und Karen Tinapp unter dem Titel Der Hirsch mit dem goldenen Geweih russische Märchen vorgelesen. Anmeldung per E-Mail (findet ihr im Programm). Ab 4 Jahren.
  • Besonders verführerisch klingt die Veranstaltung Märchen aus dem Zarenreich: „Von schönen Zarinnen, finsteren Wäldern, kalten Wintern und kauzigen Märchengestalten liest Mathias Burghardt. Die Mädchen von Tanzbrücke Hamburg e.V. präsentieren „Kalinka” und andere russische Tänze unter der Leitung von Natalia Dergatcheva.“ Veranstaltungsort ist passenderweise die Russisch-Orthodoxe Kirche des Heiligen Johannes.
  • Am Montag, den 11.11. findet im Kaiser-Friedrich-Gymnasium ein afrikanischer Märchennachmittag statt. Die Band Yakawumbu sorgt für feurige Klänge, es gibt Märchen aus Uganda und Lieblingsmärchen von Nelson Mandela.
  • Tags drauf, am 12.11. findet die Veranstaltung Zaubermärchen statt. Leider ohne Veranstaltungsort. Oder gehört das zum Zauber dazu?
  • Ebenfalls am Dienstag, den 12.11. kann man mit den Schauspielern der Theatergruppe Eisenhans das Fürchten lernen. Und zwar im Thalia in der Gaußstraße. Ab 12 Jahren.
  • Am Donnerstag, den 14.11. lernen Kinder ab 4 Jahren, warum Warum Hund und Katz einander spinnefeind sind. Und zwar im Kinder- und Familienzentrum Lurup.
  • Am Freitag, den 15.11. ist bundesweiter Vorlesetag. Hier gibt es besonders viele Lesungen. Ich picke heraus: Lurvehette – Zottelhaube! „Lurvehette ist ein verstrubbeltes, hässliches Mädchen – aber so mutig, dass sie es mit Trollweibern aufnimmt!“ Ein norwegisches Märchen, gelesen und auf der keltischen Harfe begleitet von Louisa Hagemann. In der Bücherhalle Dehnhaide um 16 Uhr.
  • Am Samstag findet die lange Nacht der Märchen für Kinder ab 10 Jahren. statt Von 18 bis 22 Uhr werden im Nachtasyl des Thalia Theaters Geschichten zum Besten gegeben!
  • Am Sonntag ist dann auch schon die Abschlussveranstaltung. Und zwar mit Pauken und Trompeten! Die Hamburger Philharmoniker spielen um 14:30 und 17:00 in der Laeiszhalle ein Kinderkonzert, das eine klangliche Märchenreise durch Norwegen ist. Da werden auf muskalische Art Bräute entführt und Trolle bekämpft. Und das ganze Märchen-Klimbim eben. Ich freu mich drauf!

So, und jetzt sagt mir nicht, dass da nichts für euch dabei ist! Sonst müsst ihr selbst noch mal ins Programm schauen. ;o)

Die Märchenwelt aus Papier von Su Blackwell

Was wäre ein Luftschloss ohne Traumtänzer? Und was die Kunst ohne Poesie? Schaut, was Künstlerin Su Blackwell aus Papier zaubert: bekannte Märchenwelten und urige Schlösser, finstere Wälder und lichte Räume. Allein die Schmetterline auf ihrer Website rechtfertigen einen Klick. Jetzt. Hier.

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Su Blackwells Papierkunst habe ich zum ersten Mal vor einigen Monaten in der deutschen VOGUE gesehen. Handschuhe flogen mit Papierballons über eine Schneelandschaft. Warum nicht? Alles scheint möglich zu sein, wenn man sich Sus Buchskulpturen anschaut. Da kreist ein Karusell, da fliegen Vögel, da fegt ein Mädchen Blätter.

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In ihrem Online-Shop gibt es buchstäblich wundervolle Produkte: Grußkarten, Notizbücher,  noch mehr Grußkarten , eine Monographie mit 84 Bildern und andere hübsche Sachen. Ein Märchenbuch hat Su natürlich auch gemacht: The Fairytale Princess mit sieben Märchenklassikern. Da liebe ich ja schon das Buchcover, das mich ein wenig an Prinzesschen im Wald von Sibylle Olfers erinnert. Euch nicht auch? :o)

The Fairytale Princess Seven Classic Stories from the Enchanted Forest

Die Mädchen der Brüder Grimm: Rotkäppchen trägt mon bibi

RotkäppchenManche haben ein Hutgesicht. Manche haben einen Huttick. Und manche haben sogar beides! Mit 14 habe ich in Florenz zwei Hüte gekauft, einen aus braunem Samt und einen aus beigefarbenem Leinen, seitdem faszinieren mich Kopfbedeckungen jeglicher Couleur. Im Winter sieht man mich nie ohne Baskenmütze. Im Sommer schützt eine weiße Mütze mich vor der Sonne. Faszinators aus Lammfell nähe ich selbst. Kein Wunder also, dass ich immer mal wieder bei mon bibi lande, was soviel bedeutet wie „mein Pillbox-Hut“, nur schöner.

Das Rotkäppchen-Bibi fasziniert mich, weil es unaufgeregt genug ist, um auch im Alltag zu bestehen.Wenn man durch den Wald geht, Blümchen pflückt und mit Wölfen spricht. Oder durch die Großstadt zieht und sich mit Freunden trifft.

Das Modell Chloe begeistert mich auch. Für den Waldspaziergang ist es vielleicht etwas zu schick. Aber für die Party bei der Oma? Perfekt!

(Foto mit freundlicher Genehmigung von mon bibi)

 

 

Ein Butt, ein Pisspott und eine gierige Ilsebill

ButtAls wir neulich mit den Kindern im Fischgeschäft waren und ein Goldbutt in der Auslage lag, fingen beide an zu rezitieren:

„Manntje, Manntje, Timpe Te, Buttje, Buttje in der See, myne Fru de Ilsebill will nich so, as ik wol will.“

Das war sehr niedlich und die Fischverkäuferin ist auch gleich darauf eingegangen: „Na, wat will se denn?“ Wieder zuhause haben wir das Märchenbuch hervorgeholt und das Märchen Vom Fischer und seiner Frau gelesen. (Kennt ihr nicht? Schnell nachlesen auf Plattdeutsch oder Hochdeutsch.) Die Kinder lieben es – ich denke, weil sie selbst so viele Wünsche haben und sich bei dem Märchen schön gruseln können. Natürlich wissen sie, dass im Märchen Zauberei vorkommt und der Butt ein verwunschener Prinz ist. Aber so ein bisschen Grusel ist ja auch was Schönes …
Das Märchen handelt (wer hätte das gedacht) von einem Fischer und seiner Frau. EIGENTLICH handelt es aber von Gier und Maßlosigkeit. Der Fischer fängt einen sprechenden Butt und schenkt ihm das Leben. Seine Frau Ilsebill findet, der Butt solle dafür einen Wunsch erfüllen – dazu sei er sicher in der Lage, denn immerhin sei es ja ein sprechender Butt. Der Fischer geht also zum Meer und ruft den Butt. Der kommt auch gleich, und als der Fischer den Wunsch seiner Frau vorträgt – sie möchte verständlicherweise nicht mehr im Pisspott wohnen und hätte gern ein kleines Häuschen – sagt der Butt: „Ga man hen, se hett se all.“ Geh nur nach Haus, sie hat es schon. Die Frau ist aber nicht zufrieden und will mehr und mehr: ein Schloss, dann will sie König sein, dann Kaiser, Papst und zum Schluss der liebe Gott. Der Fischer geht immer wieder ans Meer und ruft den Butt. Der Butt erfüllt auch jeden Wunsch, doch das Wetter verschlechtert sich mit jedem Mal und der Fischer ist ängstlich. Die Wünsche seiner Frau teilt er nicht, er trägt sie aber dennoch vor. Und als sie Gott sein will, brodelt das Meer und der Butt sagt, dass er ruhig nach Hause gehen solle. „Ga man hen, se sitt all weder in’n Pißputt.“
Tja, die Ilsebill. Die trifft man irgendwie überall. Die Ilsebill, die immer alles will und nicht zuhört. Da darf sich ruhig manch einer an die eigene Nase fassen!

Künstlerin Annegret Fahr spricht mit Edelfrosch über Märchen und Kunst

Alles begann mit einem Rotkäppchen, dem Rotkäppchen von Annegret Fahr. Es sollte das erste Kunstwerk sein, das ich in meinem Leben kaufen wollte. Kunst für die Wand. Ein Bild! Dieses Bild:

Rotkäppchen

Doch ach, jetzt wird es tragisch: Das Bild, das ich online entdeckt hatte, war verkauft worden. Ich glaube, tragischerweise sogar an dem Abend, an dem ich mich in das Bild verliebt hatte. Ich war kurz sehr  frustriert, dann dachte ich mir: Wenn ich das Bild nicht an meine Wand hängen kann, möchte ich es doch wenigstens ins Blog holen, damit jeder es anschauen und bewundern kann. Ich liebe den verschmitzten Gesichtsausdruck des Rotkäppchens. Es ist ein bisschen naiv und leichtgläubig und sehr liebenswert. Der Wolf auf diesem Bild ist nicht böse. Darüber ist er vermutlich sehr froh, denn den bösen Wolf erwischt es übel. Auch der „Wald“ ist nicht unheimlich. Ich kann gut verstehen, dass das Rotkäppchen hier fröhlich hüpfend Blumen pflückt! Weiterlesen

Engel Kalli und die wiedergefundenen Noten

Kalli2Manche von euch kennen die Geschichte über Kalli, den kleinen Engel von Wolke 17, der seine Noten verloren hat.

Dieser Kalli hier wird seine Noten nimmer verlieren! <3

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das ist wirklich wahr – Hans Christian Andersen hält uns den Spiegel vor

Hühner

„Das ist ja eine schreckliche Geschichte“, sagte ein Huhn, und zwar an dem Ende des Dorfes, wo die Geschichte nicht passiert war. „Das ist ja eine schreckliche Geschichte im Hühnerhaus. Ich getraue mich gar nicht, heute nacht allein zu schlafen! Es ist nur gut, dass wir so viele im Stalle sind“ – Und dann erzählte es, dass sich den anderen Hühnern die Federn sträubten und der Hahn den Kamm sinken ließ.

Es ist wirklich wahr. Aber wir wollen von Anfang anfangen, und der war am anderen Ende des Dorfes in einem Hühnerhaus. Die Sonne ging unter und die Hühner flogen auf. Eins von ihnen, es war weißgefiedert und kurzbeinig, legte seine vorgeschriebene Anzahl Eier und war, als Huhn, in jeder Weise respektabel. Als es die Leiter hinaufstieg, krause es sich mit dem Schnabel, und dabei fiel ihm eine kleine Feder aus. „Hin ist hin!“, sagte es. „Je mehr ich mich putze, desto schöner werde ich noch!“ Das war scherzhaft hingesprochen; denn es war das lustigste unter den Hühnern, im übrigen war es, wie gesagt, sehr respektabel; und dann schlief es ein. Weiterlesen