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Zhana D‘ Arte – Illustrator & Researcher of Folk and Fairytales

Manchmal ist das so: Man geht dumdidum im Internet spazieren, pflückt ein paar Blumen und plaudert mit Bekannten. Einer fragt: „Wer kann Serbisch und würde einen Blogartikel für die Welcomegrooves schreiben?“ Und da man selbst niemanden kennt, ruft man selbst ins Internet hinein und trägt die Frage weiter. Innerhalb weniger Minuten meldete sich @Zhanadarte bei mir, die nicht nur Serbisch kann, sondern auch Märchen sammelt und wundervolle Portraits zeichnet. Sie hat für die Welcomegrooves einen tollen Beitrag über serbische Märchen geschrieben!

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Es sind nicht allzu viele Märchensammler im Internet unterwegs. Deshalb haben wir uns umso mehr gefreut, uns auf diesem Spaziergang im Internet kennengelernt zu haben. Seitdem gucke ich regelmäßig, was sie wieder Neues postet, feiere Weihnachten mit ihrer Familie (nicht wirklich, aber doch ein klitzekleines bisschen) und kriege kalte Füße, wenn Sie Fotos aus ihrer Heimat zeigt.

Da sie sich selbst als Researcher of Folk and Fairytales bezeichnet und ich furchtbar neugierig bin, habe ich sie interviewt und um ein paar Bilder gebeten. Lest, schaut und staunt! Und jetzt plaudert Zhana direkt aus dem Tischkasten:

Erzähle ein bisschen über dich. Mich interessiert alles! :D

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Die wunderschöne Zhana

Ich lebe zurzeit auf dem Balkan, fast immer unterwegs, wegen meiner Familie, aber auch wegen meiner Kunst. In Deutschland bin ich ab und an, wenn mich das Heimweh packt. Meine Arbeit ist meine Lebensart, also ist es keine Arbeit im normalen Sinne. Kunst und Märchen machen mich als Person aus. Heutzutage muss man nicht wirklich an einem Ort gebunden sein, um arbeiten zu können. Eigentlich brauche ich nur einen kleinen Platz an dem ich mit Papier und Stift in Ruhe (oder auch nicht.. :) ) Skizzen machen kann. Am liebsten setze ich mich, wenn das Wetter mir es erlaubt, draußen in den Garten und arbeite dort. Ich brauche sehr viel frische Luft, vor allem wenn ich mit Öl Farben arbeite.

Wie bist du zur Kunst gekommen? Welchen Einfluss haben Märchen und Erzählungen aus deiner Kindheit auf deine Kunst?

Meine Eltern waren schon immer künstlerisch begabt und auch tätig. Meine Mama war immer eher die Emotionale, sie hat immer alles selbst gemacht. Essen war schon eine Art Kunst bei uns im Haus. Sie hat mir die Liebe zur Poesie an allem mitgegeben. Alles war in ihrer Welt schön. Mein Vater war ein sehr guter technischer Zeichner, sehr praktisch und konnte alles von Hand nachbauen, was er sich vorgestellt hat.

Mein Onkel hatte aber den größten Einfluss auf mich. Er war der beste Geschichtenerzähler. Er war sehr belesen, hatte seine eigene Bibliothek. Er und meine Tante haben die ganze Welt gesehen, aber nicht als klassische Touristen. Sie haben im Iran gelebt und kamen jedes Jahr zwei drei Mal zu uns nach Deutschland. Mein Onkel saß nie mit den Erwachsenen zusammen, immer mit uns Kindern und hat uns Geschichten von der ganzen Welt erzählt. Und er hat mich auch immer ermutigt Märchen zu illustrieren. Er hat mir meinen ersten Commodore 64 geschenkt und mit mir immer gespielt – das führte dazu, dass ich Videospiele sehr mochte. Mein Onkel und ich waren totale Zelda Fans. Ich glaube Videospiele haben sehr viel zu meiner Kunst beigetragen. Meine Farben sind meistens sehr leuchtend… Eigentlich hat mich mein Onkel auch dazu inspiriert mehr Zeichentricke anzuschauen. Disney und Studio Ghibli am Anfang, später haben mich dann mehr klassische Animationen interessiert. Ich liebe generell Zeichentrickfilme aller Art.

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Zeichnest du frei oder nach Vorlagen?

Es kommt drauf an für was oder wen ich zeichne. Ich bin eigentlich ein Freund von freier Kunst, freien Gestalten, die mich Nachts wach halten. Aber wenn ich z.B. Portraits oder Hochzeitsbilder male, dann ist das mit Vorlage.

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Wann zeichnest du am besten? Und hast du ein Ritual vorm Zeichnen?

Ich zeichne immer. Jeden Tag, egal wann, aber einmal am Tag mit Sicherheit. Seit mein Sohn da ist, versuche ich mit ihm zu Zeichnen, klappt nicht immer, aber er hat immer so eigenartige Vorstellungen, die mich irgendwie inspirieren. Mein Ritual: Meine Finger brauchen vor dem Zeichnen Dehnübungen.. also lass ich meine Finger tanzen mit Musik. :)) Weiß sonst keiner, ha! :D

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Für wen zeichnest du? Wer sind deine Kunden?

Ich zeichne für alle lieben Menschen. Für Privatpersonen (manchmal auch öffentliche). Für Paare ( Hochzeitsillustrationen sind gerade sehr angesagt). Für kleinere Unternehmen wie z.B. Makeup Artists, oder auch Cake Artists. In den letzten paar Jahren arbeite ich auch viel mit Musikern zusammen, da ich Cover Art ganz gerne mache und sogar einen ganzen Comic für einer Kanadische retro swamp Band gezeichnet habe.

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Erzähle mir etwas über das Bild mit dem weißen Wolf. Wie bist du auf das Thema gekommen? Was bedeutet das Bild für dich?

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Die Wolfsmutter

Ich habe das Bild während meiner Schwangerschaft gemalt, die nicht gerade ideal war, ich war leicht zerbrechlich und kränklich. Wölfe spielen in der serbischen/ slawischen Mythologie auch eine große Rolle. Wölfe und Frauen haben viel gemeinsam, beide haben einen wilden Geist(wollen frei sein), sind sehr instinktiv, intuitiv und loyal. Bei uns sagt man, dass starke Frauen wie Wölfe sind. In meiner Schwangerschaft wollte ich einfach den Geist des Wolfes in mir tragen, damit ich meine Angst überwinde und stark bin, egal was kommen sollte. Es gab mir Kraft als ich mitten in der Schwangerschaft im Krankenhaus lag.

Welche Rolle spielt (weibliche) Sexualität in deinen Bildern?

Das ist eine sehr gute Frage! Über die weibliche Sexualität redet man seit dem 18-19Jahrhundert(vielleicht auch ein wenig früher) nicht auf dem Balkan oder mit Menschen aus dem Balkan(egal wo sie leben). In meinen Bildern, in den Meisten, sieht man Frauen. Das hängt auch mit meinem Glauben zusammen. Ich bin zwar serbisch orthodox, gehöre aber auch zu den Anhängern der großen Göttin Serbona (Ahnfrau), also Matriarchat Anhänger würde ich jetzt mal sagen. Deswegen versuche ich offen mit der weiblichen Sexualität umzugehen. Nacktheit darf nicht als das Böse dargestellt werden. Ein Busen, ein Nippel darf nicht als negativ dargestellte werden, sie sind heilig und schön. Alle Frauen tragen in sich das Leben und ich glaube, dass ich gerade in meinen Bildern, durch diese Mythen, Legenden und Märchen, das natürliche Leben darstellen will. Meine weibliche Intuition leitet mich einfach.

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Ich glaube das ist so ein Thema, dass viel mehr in sich trägt, als ich gerade aufschreiben kann. :)

Und sonst so?

Ansonsten schreibe ich auch gerne. In den letzten paar Jahren wurde es weniger, aber ich bin ein richtiges Schiller- und Goethe-Kind. Ich reime sehr viel… Und Goethe ist ein wichtiger Character in meinem Leben, vor allem weil er und Jacob Grimm sich mit den serbischen Märchen viel auseinandergesetzt haben und diese auch übersetzt haben. Mein Mann und ich übersetzen auch alte serbische epische Dichtungen auf Englisch. Wir haben vor 5 Jahren unser erstes Buch drucken lassen. Natürlich habe ich das ganze Buch gestaltet und illustriert. Wir haben leider keine Zeit im Moment und auch das Geld fehlt um weiter machen zu können.

Nikola Tesla ist auch sehr wichtig in meinem alltäglichen Leben und in meiner Arbeit. Er erinnert mich daran immer bodenständig in Harmonie zu bleiben, ist nicht immer einfach die Balance zu halten.

Danke, liebe Zhana!

Wer Zhanas Arbeiten mitverfolgen möchte, folge ihr auf Twitter, Facebook und Instagram. Übrigens bedeutet ihr richtiger Name, wie könnte es anders sein, Schneewittchen! :o)

Business Angel war gestern. Heute ist Business Fairy!

Neulich las ich einen Tweet von Sina Trinkwalder, die ich als Geschäftsfrau und Gründerin von Manomama sehr für ihre klare Linie bewundere. Sie schrieb: „Dann gibt es diese Tage, an denen dich eine Fee nach deinen drei Wünschen fragen könnte. Und du müsstest noch nicht einmal nachdenken…“ Das hat mich ins Grübeln gebracht. Denn ich müsste nachdenken – und das habe ich dann auch getan. Über die Fee und meine drei Wünsche, die interessanterweise alle mit meinem Beruf zu tun haben. Dabei kam mir das Konzept der Business Fairy in den Sinn.

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Eine Business Fairy befähigt dich, dir deine Wünsche zu erfüllen!

Im Prinzip geht es bei einer Business Fairy um Empowerment. Deshalb kann man sie auch nicht mit einem Business Angel vergleichen. Letzterer glaubt an deine Geschäftsidee und gibt dir Geld, um sie (möglichst gewinnbringend) zu verwirklichen. Das hat in der Regel nicht viel mit Selbstbestimmung und eigenmächtigem Handeln zu tun. Die Fairy hingegen befähigt dich ohne Kapital dazu, dir deine Wünsche zu erfüllen. Dabei geht es nicht vorrangig darum, Erfolge in ROI zu messen oder dich schnell an die Börse zu bringen, sondern darum, deine Talente so zu fördern und einzusetzen, dass du arbeiten kannst, wie du es wirklich willst. Wie man Erfolg definiert, ist jedem selbst überlassen. Ich persönlich finde die Fairy viel interessanter als den Angel. Aber ich brauche auch nicht viel Geld, um meine Ideen zu verwirklichen. Ich bin eher der Typ Kopf schlägt Kapital. <- Lesetipp!

Eine Business Fairy befähigt dich also, dir deine beruflichen Wünsche zu erfüllen. Es kann ein Freund sein, ein Dienstleister oder auch du selbst (schwierig, aber möglich)!

Die erste Schwierigkeit: Du musst dir über deine Wünsche im Klaren sein.

Nur wenn du Wünsche glasklar vor Augen hast und sie zweifelsfrei formulierst, können sie sich erfüllen. Trau dich ruhig, auch wenn es dir peinlich ist, sie konkret zu äußern. Meine Mutter sagt immer, wünschen kann man sich alles. Das stimmt natürlich – und irgendwie auch gar nicht! Denn man muss damit rechnen, dass Wünsche sich erfüllen. Und dann hat man den Salat und den vollgestopften Keller. Ich habe so meine Schwierigkeiten mit Wünschen, die offensichtlich nicht hinterfragt werden…

Schaue dir deshalb jeden Wunsch von allen Seiten genau an und hinterfrage ihn, bevor du dich auf die Suche nach einer Business Fairy machst. Dies sind die Fragen, die du dir auf jeden Fall stellen solltest: Warum wünsche ich mir das? Hinke ich vielleicht der Vergangenheit hinterher? Ist das mein Wunsch oder der eines anderen Menschen? Jage ich unerreichbaren Zielen nach? Sei ehrlich mit dir, niemand bewertet das. An dieser Stelle möchte ich dir den kostenlosen Workshop von Superwork ans Herz legen: Sieben Tage intensives Ehrlichsein mit sich selbst. Sieben Tage Ideen sammeln. Sieben Tage Ideen brüten.

Die zweite Schwierigkeit: Wie und wo findest du deine Business Fairy.

Suche für jeden deiner Wünsche die passende Business Fairy. Und geh bloß keine Kompromisse ein! Nur weil eine Fairy einen Wunsch erfüllen kann bzw. dich in die Lage versetzt, ihn selbst zu erfüllen, heißt das nicht, dass sie für den anderen Wunsch auch die Richtige ist. Mach dich also auf die Suche und frage im Zweifelsfall Menschen, denen du vertraust, ob sie dir jemanden empfehlen können. Das Internet ist sicher nicht der verkehrte Ort, um nach einer Business Fairy zu suchen. Häufig hat man sogar schon mit der Fairy Kontakt, bevor man begreift, dass sie diejenige ist. Stöbere also erstmal online und offline bei den Menschen, die du schon kennst und die du für ihre Fähigkeiten (oder was auch immer) bewunderst.

Vielleicht musst du deine Business Fairy bezahlen. Das ist okay. Sie lebt möglicherweise davon, Wünsche zu erfüllen. Vertraue ihr deinen Wunsch an. Das ist ein sehr persönlicher Prozess, denn du öffnest dich und bist dadurch auch verletzlich. Sei trotzdem maximal ehrlich und offen, denn ihr wollt Missverständnisse vermeiden. Nicht, dass du plötzlich eine Schweinsnase im Gesicht trägst oder Millionär bist, weil deine Fairy nicht verstanden hat, was du wirklich willst.

Die dritte Schwierigkeit: Du musst die Initiative ergreifen. Ohne dich läuft nix!

Warte bloß nicht ab, bis dir eine Business Fairy über den Weg läuft. Suche sie und sprich sie an. Vielleicht weiß sie gar nicht, dass sie dir helfen kann! Wichtig: Überlege dir auch, was die Business Fairy gebrauchen kann (im Zweifelsfall Geld). Es ist alles ein Geben und Nehmen. Auch in Märchen wird das Erfüllen von Wünschen häufig an Bedingungen geknüpft. Und das ist auch richtig so. Warum sollte eine Fee dir einfach so drei Wünsche erfüllen??? Weil es ihr Job ist? I don’t think so.

Vielleicht bist du sogar selbst eine Fairy und befähigst andere dazu, ihre Wünsche zu erfüllen. Denk da mal drüber nach. :o)

Die Fantasie beflügeln. Ein Gespräch mit Künstlerin Marina Kagel-Mai

Manchmal gebe ich spaßeshalber „Märchen“ in Bildersuchen ein. Und manchmal lande ich dann auf wirklich tollen Websites. Oder in Shops, die mich in ihren Bann ziehen. Sehr fatal. Denn wo Märchen draufsteht, da lasse ich gern mein Geld. Wobei ich sagen muss, dass vieles, wo Märchen draufsteht, keine Märchen enthält, sondern Kitsch und Klischees. Das mag ich dann eher nicht so…

Neulich bin ich jedenfalls in einem fabelhaften Shop namens Artistique gelandet. Und da Weihnachten vor der Tür steht, hatte ich auch gar keine Hemmung, ein paar Bilder zu bestellen, die die Fantasie beflügeln. Wie gut, dass meine Kinder nicht im Blog lesen. Sonst könnte ich euch heute nicht Marina die Märchenmalerin vorstellen! Weiterlesen

Darling, oh Darling. Zufriedenheit ist wichtiger als Reputation!

Und? Bereit zur Veränderung?? Oder musst du erst krank werden??? Ich habe für die Blogst15 ein Märchen geschrieben, das ich gern auch mit meinen Lesern teilen möchte. Es handelt von Darling, der ein Problem hat, das viele kennen: Er wird durch sein Handeln als jemand wahrgenommen, der er nur teilweise ist…

Lovember

Es war einmal neulich, vor einem Jahr oder zwei oder vielleicht auch drei, da lebte mitten unter uns ein junger Mann namens Darling. Er war Wissenschaftler und arbeitete in einem Labor, schrieb Artikel über schrullige Dinge und veröffentlichte dann und wann ein Buch. Darling war äußerst beliebt, denn er gab sich redlich Mühe, allen zu gefallen. Immer hatte er ein nettes Wort auf den Lippen, immer half er den Kollegen, wenn diese über zu viel Arbeit jammerten und immer zupfte er im Garten Unkraut, um es den Nachbar recht zu machen.

Darling hatte eine nette Frau und sie lebten in einem hübschen Haus am Rande einer Stadt. Wenn er gerade nichts zu tun hatte, kochte er Marmelade oder schrieb Kochbücher. Denn Darling war auch ein begnadeter Koch, was vor allem seine Frau zu schätzen wusste. Kochen hatte er von seiner Mutter gelernt, die einen riesigen Gemüsegarten hatte, in dem er sich als Kind manchmal hinter den Radieschen versteckt hat. Darling war auf einem Bauernhof aufgewachsen. Sein Vater war ein richtiger Landwirt mit Trecker und Schweinestall. Darling kannte sich also bestens mit Kühen, Pferden, Schweinen, Enten, Gänsen, Eseln und derlei aus, außerdem konnte er Rüben rupfen und Heu machen. Das kann nicht jeder Wissenschaftler, hallo!?

Nun. Er lebte also mit seiner Frau am Stadtrand und arbeitete tagein, tagaus. Hinterm Haus begannen die Felder, und auf einer Koppel standen vier Pferde. Alles sehr romantisch soweit.

Eines Tages, Darling kochte gerade Marmelade, klopfte es an der Tür. Da stand sein Nachbar und sagte: „Darling! Du kennst dich doch mit Pferden aus.“ „Ja?“, sagte Darling. „Du musst bitte mitkommen und mir helfen. Meinem Pferd geht es nicht so gut.“ Da erklärte Darling, dass er ja kein Tierarzt sei, aber sich das Pferd dennoch anschauen würde. Er ging mit in den Stall des Nachbarn und sah sofort, was mit dem Pferd los war. Er sagte dem Nachbar, was er aus der Pferdeapotheke holen sollte und wartete bei dem Gaul. Nach zwei Stunden ging es dem Pferd schon deutlich besser und der Nachbar schenkte Darling zum Dank eine Flasche Champagner.

Nicht lang, da klopfte ein anderer Nachbar, dem war das Schwein weggelaufen und er wusste nicht, wie er es wieder einfangen sollte. Darling half auch hier gern aus, denn er hatte ein paar gute Schweinefang-Tricks auf Lager. So ging das immer weiter. Es sprach sich schnell herum, dass Darling alles über Tiere wusste, und so kamen ständig neue Anfragen, ob er mal einen Rat oder einen Trick oder vielleicht sogar eine helfende Hand hätte. Als Dank für seine Ratschläge und Tipps bekam er Sterne, Herzchen und Daumen. Naja, und ab und zu sogar auch mal einen Goldtaler.

Seine Frau sah mit Sorge, dass Darling immer mehr Zeit mit Tieren und vor allem mit ihren Besitzern verbrachte, und fragte ihn eines Abends: „Darling, sag. Was ist das mit dir und den Tieren. Macht dich das eigentlich glücklich?“ Und er sagte: „Liebes, die Menschen brauchen mich und mein Wissen.“ Da sagte seine Frau: „Ja, aber ich brauche dich auch. Und deine Arbeit braucht dich ebenfalls. Du bist nur noch unterwegs, um Leuten Ratschläge zu geben. Kannst du nicht ‚Nein‘ sagen?“ Da überlegte Darling kurz und sagte „nein“.

Es ging etwas Zeit ins Land. Darling hatte im Labor viel zu tun, und auch die Tieranfragen wurden nicht weniger. Er arbeitete von früh bis spät. Und als er eines Morgens aufstand und sich anziehen wollte, merkte er, dass seine Hose ihm viel zu weit geworden war. „Nanu!“, dachte Darling kurz, aber er hatte keine Zeit, um weiter darüber nachzudenken, denn er musste schnell einem Mann helfen, dessen Esel sich verliebt hatte. Seine Frau mahnte ihn: „Darling, du kannst es nicht jedem recht machen.“ Da antwortete er: „Aber ich kann es doch wenigstens versuchen.“ Und er zog sich fertig an, half dem Mann mit dem verliebten Esel und fuhr dann auf eine Konferenz, auf der er über Pferdekrankheiten referieren sollte.“

Ich will es kurz machen. Darling hatte keine Zeit mehr zum Schlafen und zum Essen, und so wurde er immer dünner und dünner. Und eines Tages fiel er einfach um und bekam hohes Fieber. Seine Frau war sehr besorgt und schickte nach dem besten Arzt. Der sagte: „Darling hat eine Nervenkrankheit. Wir müssen abwarten.“ Darling schlief drei Tage und drei Nächte. In der ersten Nacht träumte er von einem kleinen Jungen, der er selbst war. Er sah den Jungen in den Radieschen sitzen, sah ihn Rüben rupfen, Heu machen und Marmelade kochen. Darling wollte gern mit ihm sprechen, aber da war der Junge schon wieder verschwunden. In der zweiten Nacht sah er einen jungen Mann, der er selbst war. Er sah, dass der Mann krank war und fragte, was er denn habe. Da sagte der Mann: „Ich beute mich selbst aus.“ „Und warum machst du das?“, fragte Darling. „Weil ich möchte, dass man gut über mich spricht.“ In der dritten Nacht sah er einen alten Mann, der er selbst war. Der alte Mann hatte rote Bäckchen, trug eine Schürze und schwang den Kochlöffel. „Hallo!“, sagte der Alte vergnügt zu Darling. Darling nickte schüchtern und schaute dem Alten eine Weile beim Kochen zu. Dann sagte er: „Wie bist du so alt und glücklich geworden?“ Da lachte der Alte und sagte: „Weißt du, Darling, ich habe mich von dem Wunsch verabschiedet, es jedem Recht machen zu wollen. Seit ich es mir selbst recht mache, bin ich ein glücklicher Mann.“ Darling überlegte eine Weile. Dann sagte er: „Ich bin krank und habe Fieber. Wie soll ich nur gesund werden?“ Da lachte der Alte wieder und reichte ihm den Kochlöffel. „Damit wirst du wieder gesund.“ Als Darling aufwachte, war das Fieber verschwunden. Er stieg aus dem Bett, umarmte seine Frau und ging in die Küche, um eine Suppe zu kochen. Und wie er so die frischen Zutaten kleinschnitt und vor sich hinkochte, merkte er, wie das Leben wieder in ihn hineinströmte.

Nicht lang, da klopfte es an der Tür und ein Nachbar stand da draußen und wollte Darlings Hilfe. „Mein Kakadu hat Durchfall!“, sagte er und hoffte auf einen guten Rat. Darling drückte sein Bedauern aus und sagte, er könne leider nicht helfen. Der Nachbar müsse zum Tierarzt gehen, der wisse vielleicht Rat. „Ja, aber der Arzt kostet doch Geld!“, rief da der Nachbar und sah Darling mit leerem Gesichtsausdruck an. Da wusste Darling, dass es die richtige Entscheidung gewesen war, nein zu sagen. Von nun an half er immer noch, wenn er konnte und wollte, aber er riss sich nicht länger ein Bein aus. Denn er hatte gelernt, dass er es vor allem sich selbst recht machen musste, wenn er glücklich und gesund bleiben wollte.

Und die Moral von der Geschicht? Hör endlich auf ein Darling zu sein und verabschiede dich von dem Wunsch, es jedem recht zu machen. Für Blogger bedeutet das: Macht es euch selbst recht, lebt eure Leidenschaften aus und vergesst dabei eure Leser nicht. Das ist doch sehr befreiend, oder? ;)

Alles neu macht der LOVEMBER. Die Vorbereitungen laufen …

Oktober! Nebel am Morgen. Nebel am Abend. Es wird kühler. Und ja: Der November rückt näher. November, der trübe, graue Monat mit Imageschaden. Aber dagegen gibt es ja den LOVEMBER. Trübsal? Nicht mit uns. Wir machen uns den November so schön, wie es uns gefällt. Nebel lachen wir einfach weg!

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Auch dieses Jahr steht der November ganz im Zeichen eigener Passion Projekte. Es ist wieder Zeit, Geschichten und Fotos festzuhalten, die schon lange im Raum herumschwirren und eingefangen werden wollen. Letztes Jahr hat das sehr gut geklappt und es sind einige Märchen und Bilder entstanden, die mir sehr am Herzen liegen. Zum Beispiel das Märchen über Frau Pudervogel

Noch spannender als Märchen und Fotos ist für mich in diesem LOVEMBER aber, dass ich einen kleinen Laden mit eigenen Produkten aufmachen werde! Als Texterin und Märchenautorin möchte ich auch offline sichtbarer werden. Deshalb wird mein LOVEMBER vom Umzug in neue Räume geprägt sein. Ich freue mich riesig darauf, meine Adventskalender, Märchenbücher und Passion Poetry an behandschuhte Menschen mit Bommelmützen zu verkaufen. So stelle ich mir die Kundschaft vor, die im kalten November neugierig meinen kleinen Ladenraum betreten wird. Ich werde Kindern warmen Apfelsaft einschenken und eine Etagere mit Plätzchen bereithalten, wie es sich für eine echte Märchentante gehört. Leute werden kommen und mit bunten Dingen und guten Gedanken den Laden verlassen. Und natürlich wird es Apfelbrot geben. Es gibt im LOVEMBER immer Apfelbrot. Der November ist ein Monat für die Sinne …

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Typo-Göttin Martina von die formgeber gestaltet meine Passion Poetry; Illustratorin Nicole zeichnet Die singende Ziege, ein Märchen, das im letzten LOVEMBER entstanden ist; und mir dreht sich der Kopf, weil ich so viele Ideen habe, die ich umsetzen möchte. Was ich davon schaffe, steht in den Sternen – und demnächst im Blog. \o/

Wie sieht dein LOVEMBER aus? Hast du Pläne?? Bist du vielleicht sogar bereit für Veränderung??? :o)

Sneak-Preview: Robert und der Auftrag – eine Adventsgeschichte in 24 Kapiteln

Irgendwo fällt sicher schon Schnee – und ich bin mit der diesjährigen Adventsgeschichte fertig! Wer die Engel von Wolke 17 schon kennt, kann direkt unter dem Foto einsteigen und als Vorgeschmack auf die Weihnachtszeit ein Kapitel aus der neuen Geschichte Robert und der Auftrag lesen. Allen anderen erkläre ich kurz, worum es geht: Seit vier Jahren schreibe ich jährlich eine neue Geschichte, die von den 5 Engelbrüdern Kalli, Gisbert, Mucke, Robert und Gunter handelt. Die Geschichten sind 24 Kapitel lang und stecken in kunterbunten Umschlägen (siehe Foto). Wir sprechen also von literarischen Adventskalendern für Kinder und Erwachsene. Ich verspreche euch: Diese Adventskalender sind sehr süß und machen garantiert kein Karies! ;)

Wer Lust hat, in die Geschichten der Engelbrüder reinzulesen, bitte hier entlang: Kalli und das Weihnachtskonzert ist für Kinder ab 3 Jahren geeignet, die Musik mögen. Gisbert und der Mondstollen empfehle ich ab 4 Jahren; in dieser kulinarisch-kriminalistischen Geschichte gibt’s viele Rezepte. Mucke und das Schleifenmädchen ist ebenfalls ab 4 Jahren gut zu verstehen und handelt von Freundschaft und Liebe. Und die Geschichte von Robert würde ich ab 6 Jahren vorlesen. Nach oben hin gibt es keine Altersbegrenzung. Es gibt sogar Omis mit Adventskalender-Abo! :)

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So, jetzt geht’s aber los mit der Sneak-Preview. Ihr lest Kapitel 14! :)

Am Nachmittag fing es wieder an zu schneien. Robert schaute in den Himmel und musste niesen, als eine Schneeflocke sich auf seiner Nase niederließ. „Runter da, du kleines Ding“, murmelte er und machte eine wilde Grimasse, um die Schneeflocke loszuwerden. Die Schneeflocke kicherte. Dann flog sie leise klirrend davon. Robert räumte seinen Tisch auf, legte alle Sachen zurück in die Kisten und Schächtelchen und stellte den Sack unter den Tisch. „Wird schon nicht einschneien“, sagte er zu sich selbst und machte sich dann auf den Heimweg.

Unterdessen herrschte Chaos auf der Wohnwolke, denn Kalli hatte vergessen, das Schneesegel zu spannen, bevor er zur Probe geflogen war. Überall lag Schnee: auf den Betten, auf dem Tisch, auf dem Herd, einfach überall. Kalli raufte sich die Haare und suchte den Besen, während Gunter die Betten ausschüttelte. „Mach dir nix draus“, sagte er zu seinem kleinen Bruder. „Wir müssen sowieso aufräumen.“ Kalli fand seinen Besen und fing an, den Schnee von der Wolke zu fegen.

„Heee!“, rief Robert, als er eine Ladung Schnee ins Gesicht bekam. „Was soll das?“ Kalli schaute verdutzt über den Rand der Wolke. „Oh, Entschuldigung! Das tut mir wirklich leid“, sagte er und meinte es auch so. Er half seinem Bruder, den Schnee abzuschütteln. Robert grummelte und war schlecht gelaunt, was weniger am Schnee lag, sondern vielmehr daran, dass er mit dem Mantel nicht vorankam, den er für den Weihnachtsmann nähen sollte. Er legte sich auf sein Bett und starrte in den Himmel. Kalli fegte die Wolke sauber und machte den Herd an, um den Schnee zu schmelzen, der in der Küche gelandet war. Als Mucke und Gisbert heimkamen, sah die Wolke wieder picobello aus.

Gisbert verschwand gleich in der Küche, um süßen Brei zu kochen. „Nanu!“, rief er aus. „Der Herd ist ja ganz warm.“ Kalli ging zu ihm herüber und schaute betreten auf seine Füße. „Ich habe das Schneesegel vergessen…“, sagte er leise. Gisbert grinste. „Aber schön sauber ist es jetzt. Und der Herd ist warm, dann geht das Kochen auch viel schneller.“ Er zwinkerte Kalli zu.

Als sie wenig später alle um den Tisch herum saßen, süßen Brei aßen und über den Tag sprachen, taute auch Robert wieder auf. Als erstes erzählte Gisbert von seinem Tag in der Backstube. „Ihr könnt euch das nicht vorstellen. Eimerchen hat die Sachen so umgestellt, dass wir zwei Stunden früher mit allem fertig waren. Zwei Stunden! Ich habe die Engel nach Hause geschickt und an meinem Stollenrezept für das Weihnachtsfest weitergearbeitet.“ Gunter freute sich; schließlich hatte er Eimerchen ins Spiel gebracht. „Außerdem ist sie so nett“, fuhr Gisbert fort und Gunter nickte zustimmend. „Finde ich auch“, sagte er und zählte schnell die Blaubeeren, die auf seinem Teller waren. „Und wie war euer Tag so?“, fragte Gisbert in die Runde. Mucke sprang auf und lief auf dem Tisch hin und her. „Heute war furchtbar viel los! Erst habe ich Robert auf seine Vogelwolke begleitet, und auf dem Rückflug ist mir dann etwas Furchtbares passiert!“ Die Brüder schauten ihn erwartungsvoll an. „Also. Ich biege gerade um die Wolke, da erfasst mich ein Troglodytes troglodytes und fliegt mit mir davon!“ „Ein bitte was?“, fragte Kalli. „Ein Troglodytes troglodytes. Das ist der lateinische Name des Zaunkönigs“, erklärte Gunter. Mucke nickte aufgeregt. „Genau! Der hat mich geschnappt und wollte mit mir runter zur Erde. Denn hier oben ist’s ihm ja doch etwas zu kalt. Vögel frieren nämlich im Winter.“ Kalli nickte, das hatte er in der Schule auch schon gelernt. „Jedenfalls hält der mich so am Schlafittchen und ich zappel und zappel und trete und boxe. Da kommt plötzlich eine Troglodytes-Dame angeflogen und macht ‚Tek tek tek‘ und ich so ‚Hau ab!‘ und sie so ‚Tek tek tek‘ und ich so ‚Verschwinde‘ und beide Troglodytes ‚Tek tek tek‘.“ Mucke rannte auf dem Tisch hin und her und warf sich dann auf den Boden. „Jedenfalls!“, rief er aufgeregt. „Als der Troglodytes-Mann so ‚Tek tek‘ ruft, falle ich aus seinem Schnabel und lande etwas unsanft auf einer Cirrus-Wolke und bin fast hindurchgefallen. Die Vögel sind glücklicherweise runter zur Erde, weil ihnen kalt war. Sonst hättet ihr meine Geschichte nicht anhören können. Denn dann wäre ich jetzt mausetot.“ Mucke war außer Atem, als er sich wieder auf seinen Hocker setzte und weiteraß.

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Wer dieses Jahr Lust auf einen literarischen Adventskalender hat, schicke mir eine Mail an maerchen at edelfrosch.de! Der Kalender kostet 24 Euro und ist von A bis Z selbstgemacht. Die Geschichten von Kalli, Gisbert und Mucke können sofort versendet werden. Robert muss noch in den Druck und wird ab Oktober abflugbereit sein. :)

Storytelling vs. Fairy Tales: Märchen entkoppeln Geschichten und heben Geschehnisse auf eine andere Ebene

Storytelling ist in aller Munde. Es ist ein interessantes Phänomen, dass jeder in diesem Internet glaubt, relevante und oh-so-neue Geschichten zu erzählen. Die Inhalte wiederholen sich, werden häufig abgeschrieben. Es wird langweilig. Doch manchmal gibt es auch neue Geschichten mit spannend erzählten Inhalten. Und manchmal sind es alte Geschichten, die einfach in einer ganz anderen Form daherkommen und sich ins Rampenlicht stellen: „Hallo, hier bin ich! Die alte Geschichte in neuem Gewand. Lasst euch von mir mitreißen! Ich zeige euch neue Aspekte und einen anderen Blickwinkel auf die Geschehnisse.“

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Das sind die Geschichten, die ich persönlich gerne lese. Wenn die Perspektive wechselt; nicht mehr nur über Flüchtlinge geschrieben wird, sondern sie selbst zu Worte kommen; wenn eine Geschichte auf eine andere Ebene gehoben wird. Das passiert zum Beispiel in Märchen. Sie entkoppeln Ereignisse und erzählen sie so, dass Kinder und Erwachsene einen (neuen) Zugang dazu bekommen.

Heute möchte ich zwei Märchen-Links mit euch teilen. Zum einen das Märchen Das reichste Land von Heiko Kuschel. Das Märchen ist eine Utopie und erzählt vom aktuellen und vielleicht künftigen Leben in Deutschland. Zum anderen möchte ich euch auf den Artikel A fairy tale is more than just a fairy tale von Jack Zipes hinweisen (er hat übrigens den Oxford Companion to Fairy Tales herausgegeben). Hier geht es um die Bedeutung von Märchen für die Gesellschaft. Er schreibt über Märchen: „They form another world, a counter world, in which social justice is more readily attained than in our actual world where hypocrisy, corruption, hyping, exploitation, and competition determine the outcome of social and political interactions and the quality of social relations.“

Zwei – wie ich finde – relevante Texte. Denn: In Märchen finden wir (teilweise absurde) Möglichkeiten, uns und unsere Umwelt zu verwandeln. Und wenn nur ein Fünkchen davon wahr ist, können wir es erkennen und nutzen, um die Welt zum Positiven zu verändern. Das geht natürlich auch mit „normalen“, realistisch erzählten Geschichten. Märchen bieten jedoch andere Zugänge zu Themen, die wir vielleicht sonst nicht an uns heranlassen…

Die Fee und die Wolke. Ein Mutmachermärchen zum Welt-MS-Tag

Heute ist Welt-MS-Tag. Ich kenne eine Fee, die Multiple Sklerose hat. Sie hat mir ihre Geschichte erzählt. Ich habe daraus ein Märchen geschrieben. Dies ist das Märchen für Fee-Jasmin und alle, die eine Wolke (welcher Art auch immer) haben.

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Die Fee und die Wolke

Es war einmal neulich – und das ist wirklich wahr! – da lebte in einem Dorf eine Fee mit Namen Jasmin. Sie war eine fröhliche Fee, die überall, wo sie hinkam, Sonnenstrahlen aufhängte. So tauchte sie ihre Welt in ein schönes, warmes Licht – und das zog andere Feen magisch an. Jasmin hatte viele Freunde und lud gern Gäste zu sich ein, denen sie Musik vorspielte, Blumen zeigte und von ihren Abenteuern erzählte. Jasmin war eine richtige Sonnenschein-Fee und ihr Lächeln verzauberte alle.

Eines Tages, es war der Tag nach ihrer Geburtstagsfeier, spürte die Fee ein leichtes Kribbeln in ihrer Hand. Sie strich über die Hand und wunderte sich, denn das Kribbeln wurde stärker. Jasmin versuchte es wegzuwischen, aber das Kribbeln wollte und wollte nicht gehen. Da machte die Fee sich Sorgen und fragte ihre Feenmutter, die immer einen guten Rat hatte und allerlei Kräuter kannte, um kleine und große Wehwehchen zu heilen.

Ich will mich kurz fassen: Die Feenmutter wusste keinen Rat. Jasmin fühlte sich unwohl in ihrer Haut und merkte, wie sich ein dunkler Schatten über sie schob. Da fröstelte es sie, und sie versuchte, Sonnenstrahlen aufzuhängen. Aber da sie so erschöpft und kraftlos war, gelang es ihr nicht recht. So ging sie denn auf Anraten ihrer Mutter zu einem Doktor und erzählte ihm davon. Der Doktor hörte ihr zu, nahm ein Hämmerchen und klopfe vorsichtig hier und da und runzelte dann die Stirn. „Sie haben eine Wolke“, sagte er nachdenklich. Die Fee war traurig und verstand nicht, was das heißen sollte. „Was kann ich dagegen tun?“, fragte sie und blickte den Arzt fest an. Er sagte: „Springen Sie über den Schatten der Wolke.“ Jasmin ging nach Hause. Sie war sehr erschöpft, denn die Wolke drückte schwer auf sie nieder.

Ihren engsten Freunden und der Familie erzählte sie von der Wolke, die mal mehr, mal weniger über ihr schwebte. Und alle nickten stumm und wussten nicht, was tun. Da sagte Jasmin: „Die Wolke ist jetzt da. Aber ich habe trotzdem Sonnenstrahlen in mir. Wenn ich kann, hänge ich sie auf. Und wenn nicht, dann habe ich sie in mir.“ Das verstanden die Freunde – und die Familie sowieso. Jasmin lernte schnell, mit der Wolke zu leben. Und sie begann, sie zu akzeptieren. Manchmal musste sie die Wolke wegschieben, das tat sie mit aller Kraft – auch wenn sie wusste, dass sie danach umso schwerer über ihr hängen würde. Und so war sie nun die Fee mit der Wolke, die Sonnenstrahlen aufhängte, wenn sie konnte.

Viele im Dorf wussten nichts von der Wolke, denn sie sahen nur die hellen Sonnenstrahlen, die Jasmin aufhängte. Doch von Zeit zu Zeit merkten sie, dass mit der Fee etwas nicht stimmte. Sie war müde und tanzte nicht mehr so ausgelassen wie früher. Und manchmal aß sie seltsame Blätter und erzählte neugierigen Freunden, dass die Blätter gut gegen Kopfschmerzen waren.

Die Fee lernte, ihre inneren Sonnenstrahlen für sich zu nutzen. Und so war sie – das klingt jetzt vielleicht seltsam, aber so war es tatsächlich! – trotz der Wolke meistens glücklich. Doch eines belastete sie sehr: Dass sie mit manchen Freunden nicht über ihre Wolke sprechen konnte. Sie traute sich nicht, weil sie nicht wusste, wie ihre Freunde reagieren würden. Und so aß sie heimlich ihre Blätter und Kügelchen und hängte Sonnenstrahlen auf, um Wärme in ihr Leben zu bringen.

Eines Tages, es war um 12 Uhr mittags, schaute die Fee ihre Wolke an und dachte darüber nach, was der Doktor gesagt hatte. „Springen Sie über den Schatten der Wolke.“ Jasmin grübelte und grübelte, und dann wusste sie, was zu tun war: Sie nahm all ihre Sonnenstrahlen, ging auf den Marktplatz des Dorfes und richtete die Sonnenstrahlen auf die Wolke. Da wurde der Schatten ganz klein. Und als er fast nicht mehr zu sehen war, nahm Jasmin Anlauf und sprang. Einige im Dorf sahen es und waren verblüfft. Dass die Fee eine Wolke hatte, war ihnen völlig neu. Sie kamen näher und schauten, was Jasmin tat. Und Jasmin hielt weiterhin ihre Sonnenstrahlen auf die Wolke. Alle konnten sie jetzt sehen. Es kamen immer mehr Feen, die sich die Wolke ansahen. Manche brachten sogar eigene Wolken mit und zeigten sie.

An diesem Tag wuchs die Fee Jasmin über ihre Wolke hinaus. Die Wolke wurde dadurch nicht kleiner, aber die Fee wurde stärker. Von diesem Tag an lebte sie noch glücklicher, und wenn jemand Fragen zu ihrer Wolke hatte, so erzählte sie davon, wie sie mit ihrer Wolke lebte.

Natürlich drückte die Wolke an manchen Tagen und lastete schwer auf der Fee. Dann wandte sie sich ihren Sonnenstrahlen zu, die sie dann nur für sich aufhängte. Die anderen im Dorf lernten, mit Wolken umzugehen. Und manch einer fand einen Weg, über seinen eigenen Schatten zu springen. Denn daran wachsen die Feen – und die Menschen.

Die Mädchen der Brüder Grimm. Rotkäppchen ist nicht naiv und schwach

Ich muss die Grimms kritisieren. Natürlich bin ich froh, dass der Wolf aufgeschnitten und die Omi samt dem Rotkäppchen aus dem Bauch wieder raus dürfen. Aber warum müssen die da überhaupt rein! Weil sie schwach sind? Eine tatterige Großmutter und ein junges Ding, zu blöd, das Pfefferspray zu benutzen, das die Mutter ihr in den Korb gelegt hat? Nö, gefällt mir nicht. Ich habe mir die Freiheit genommen, die Geschichte umzudichten. In Bildern.

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Im Gegensatz zu seiner kranken, geschwächten Großmutter ist das Rotkäppchen nämlich keinesfalls schwach. Das Mädchen lässt nicht zu, dass der Wolf sich die geliebte Oma und sie selbst einverleibt. Im Gegenteil! Rotkäppchen verleibt sich den Wolf ein bzw. um. Als Mantel. Denn wir wissen ja: Rotkäppchen ist ein modebewusstes Kind. (Das sieht man auch an ihrer Kappe, die sie zur Feier des Tages mit Blumen geschmückt hat.)

Die Oma trinkt den Wein und wird natürlich wieder gesund. Und wenn ein böser Wolf an der Straßenecke steht und dummes Zeug erzählt, lacht das Rotkäppchen ihn aus. Denn das reicht meistens schon, um böse Wölfe zu vertreiben.