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Die märchenhafte Welt der Ruth Frobeen!


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Abenteuer Umweg

gepostet von: Ruth Frobeen | gepostet am: März 4th, 2016 | 0 Kommentare

Es ist überhaupt nicht verwunderlich, dass Menschen sich zieren, Fragen zu stellen, die ihr Leben verändern. „Willst du mich heiraten?“ ist so eine Frage. Ogott! Was, wenn der andere nein sagt? Oder ja?! Beides ziemlich krass. Vielleicht lieber doch keine Fragen stellen, weil Antworten unweigerlich zu Veränderung (und Klarheit) führen? Das kann ja wohl nicht die Lösung sein. Andere Menschen können nicht Ja zu dir sagen, wenn du kein Nein riskierst. Man muss ja nicht mit den ganz krassen Fragen anfangen …

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Einfach mal fragen – was ist daran bitte einfach???

Tim Ferriss schlägt in seinem Buch Die 4-Stunden-Woche vor, einfach mal jemanden anzurufen, den man richtig toll findet. Einen berühmten Autor zum Beispiel. Und dann Fragen zu stellen oder um Rat zu bitten. Die Idee ist im Ansatz charmant. Allein: Wie kommt man am Gatekeeper vorbei? Bei Ferriss ist das kein Problem, denn der Gatekeeper ist eine leicht dümmliche Sekretärin, die natürlich gleich zum Bestsellerautor durchstellt. Herr Ferriss! Das ist eine nette Anekdote, aber so läuft das in der Regel nicht. Wenn es einen Gatekeeper gibt, dann stellt er eine Hürde dar. Genau das ist sein Job! Meine bescheidene Erfahrung ist, dass man besser einen Umweg geht, um ans Ziel zu kommen. Einen Umweg definiere ich in diesem Fall als einen Weg, der untypisch, überraschend und unvorhersehbar ist. Ein Weg, der vom Bekannten abweicht. Der eine Bereicherung sein kann, wenn man sich darauf einlässt. Egal, ob der Gatekeeper einen durchlässt oder nicht. Und egal, ob man nun ein Ja oder ein Nein kassiert. Ein Abenteuer ist es allemal, sich auf einen Umweg zu begeben. Allein das ist schon Grund genug, es wenigstens einmal auszuprobieren. Gut möglich, dass man danach keine Lust mehr hat, auf dem gewohnten Pfad zu gehen, den alle nehmen.

Der Weg zum Ja kann ein Abenteuer sein

Es war einmal ein junger Mann, der hatte eine wichtige Frage, die er mit einem Weisen besprechen wollte. Der Alte hauste (natürlich) auf einem Berggipfel. Viele Menschen pilgerten zu ihm, um ihn um Rat zu bitten. Unser junger Mann fand es furchtbar langweilig, Berge im Zickzack zu erklimmen. Ich kann ihn gut verstehen, denn querfeldein und ab vom Weg entdecken wir Dinge, die wir auf dem direkten Weg nicht sehen. Es ist möglich, dass uns ein Wolf in den Klee locken will. Es ist aber auch möglich, dass wir eine unbekannte Blume entdecken.

Der Gatekeeper des Weisen wachte etwas unterhalb. Jeder, der an ihm vorbei wollte, musste gute Gründe vorbringen, zum Alten vorgelassen zu werden. Viele brachten Präsente: eine Flasche Wein, Zigarren, etwas Geld. Der Gatekeeper hörte kluge Reden und dumme Ausreden. Der da auf dem Gipfel hockte wusste alles, hatte alles und kannte jeden. Noch ein Bittsteller? Geh mir weg mit Château Margaux!

Und nun kam einer daher, der ging durchs Dickicht. Er watete durch den Matsch, blieb mit dem Fuß in einem Loch stecken und irgendwie klingt das doch nach Ronja Räubertochter. Ihr würde es im Leben nicht einfallen, den direkten Weg zu gehen. Viel zu langweilig, viel zu bekannt und berechenbar. Ja, Ronja begibt sich in Gefahr. Wer weiß schon, was im Wald auf einen lauert, wenn der Nebel kommt. (Ich schweife ab. Das passiert mal, wenn man querfeldein geht. Und das ist voll okay, denn es erlaubt uns, auf vielfältige Art über Dinge nachzudenken.) Jedenfalls kam da nun einer, der ging durchs Dickicht und wollte zum Gipfel, um seine wichtige Frage loszuwerden. Er entdeckte dies und das, sprach mit Wesen, die andere gar nicht sehen konnten, weil sie sich von originären Wegen fernhielten. Naja, und er fand diese unbekannte Blume. Er pflückte sie und hütete sie, denn sie war wunderschön und er wollte sie mit ins Tal nehmen.

Nach einigen Tagen näherte er sich dem Gipfel. Es war ein wirklich hoher Berg und der Weg war mühsam. Der junge Mann war müde, glücklich und ein bisschen unsicher. Vielleicht war er den Weg umsonst gegangen. (Ist er nicht, denn er hat die Blume gefunden und aufregende Dinge erlebt, über die er ein Buch schreiben wird.) Der Gatekeeper fragte genervt: „Und was willst DU auf dem Gipfel?“ Der Mann erklärte, dass er eine Frage habe. Der Gatekeeper lachte müde. „Was bringst du für Geschenke?“ „Keine“, antwortete der Mann. Das hörte der Weise, der auf dem Gipfel saß, und kam interessiert näher. „Du kommst ohne Präsente und willst etwas von mir?“, lachte er. „Ja“, sagte der Mann. Er trug schützend die Blume in der Hand. Der vom Gipfel fragte: „Und was ist das?“ „Das ist meine Blume“, sagte der Mann. „Die habe ich auf dem Weg durchs Dickicht gefunden.“ „Ist die nicht für mich?“, fragte der Weise, der diese Blume noch nie gesehen hat. Der Mann schüttelte den Kopf. Da lud der Alte ihn zu sich ein und wollte mehr vom Weg durchs Dickicht hören. Der Gatekeeper grinste.

Sowas kommt manchmal vor. Leider viel zu selten.

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