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Die märchenhafte Welt der Ruth Frobeen!


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Musik, dieser flüchtige Moment im Jetzt

gepostet von: Ruth Frobeen | gepostet am: Januar 24th, 2016 | 0 Kommentare

Eine kleine Liebeserklärung an die Musik…

Musik spielt in meinem Leben schon immer eine Rolle. Als Kind sang ich beim Spielen und nahm meine gesungenen Geschichten auf Kassette auf. Das mit den Tapes habe ich Gunnar abgeguckt, einem DJ und Feuerschlucker, der manchmal auf mich aufgepasst hat, als ich klein war. Mein Gesang war sicher nicht schön anzuhören, aber es waren immer Melodien, die mein Spielen begleiteten.

Als ich sechs war ging ich mit meiner Mutter in ein klassisches Konzert. Wir saßen oben und konnten auf das Orchester herunterschauen. Irgendwann schlief ich ein, weil die Musik mich einlullte. Auf der Fahrt nach Hause beschloss ich, dass ich Geige spielen wollte – weil es so leicht aussah. An meinem siebten Geburtstag bekam ich endlich meine erste kleine Geige und schleppte sie überall mit hin. Meine Grundschullehrerin fand, ich sollte sie doch lieber zu Hause lassen. Na gut. Aber das mit dem Herumschleppen habe ich später wieder angefangen.

Violin2_RuthFrobeen

Meine Geigenlehrerin hatte schwarz gefärbtes Haar. Sie trug einen Bubi und ich konnte sie nicht besonders leiden. Sie machte mir Angst, wenn sie mit ihren weit aufgerissenen Augen meine Fingernägel kontrollierte. Ihre Geige durfte niemand berühren, sie schien irgendwie heilig zu sein. Erst viele Jahre später habe ich von meinem Freund Damien gelernt, dass es nicht das Instrument ist, das uns zu Musikern macht. Und noch ein paar Jahre später habe ich begriffen, dass Instrumente nicht heilig sind. Sie sind in erster Linie ein Werkzeug, so plump und unromantisch es auch klingt. Wir benutzen es, um damit Musik zu machen. (Ein bisschen mehr Gelassenheit bitte, liebe Lehrer!!!) Jedenfalls machte meine Lehrerin ein tiefes Mysterium um ihre Geige, und das schüchterte mich mächtig ein. Abgesehen davon hat sie mir aber doch ein paar Dinge beigebracht. Was ich über Musikmachen und Geigespielen wissen wollte, lernte ich allerdings erst viel später bei einer Lehrerin, die mich verstand und ernstnahm.

Mit 12 Jahren musste ich auf Cello umsteigen, weil ich auf dem Weg zum Kinderorchester mit einer dicken Omi zusammengestoßen war und ich mich nicht mehr traute, mit meiner Geige den Weg zum Orchester zu fahren. Da nebenan eine Cellistin wohnte, durfte ich tatsächlich das Instrument wechseln! Ich liebte das Cello. Aber es war nicht mein Instrument. Meine Hände sind einfach zu zart und klein. Nach ein paar Jahren, mit 18, wechselte ich zur Geige zurück und fand eine Lehrerin, die wirklich zu mir passte. Sie hieß Maria und war nur vier Jahre älter als ich. Maria war wundervoll und verstand, was in mir vorging. Diese ganze Gefühlsduselei. Leider zog sie nach Spanien und ich war wieder allein mit der Musik…

Violin_RuthFrobeen

Ich wünschte, meine Mutter hätte darauf bestanden, dass ich mehr übe. In meiner Schule gab es leider niemanden, der Klassik gefördert hat. Andere Streicher? Keine Chance. Das macht mich wirklich traurig, denn es hätte mir viel bedeutet. Aber gut, für den Hausgebrauch reicht mein Violinspiel. Und ich habe mit ihr zwei Lieben gefunden – offline, wie Musik und Liebe meiner Meinung nach am schönsten sind.

Die erste Geschichte geht so: Ich war mit meiner Freundin Janne in Dublin. Wir schlenderten durch die Stadt, und ich schleppte die Geige mit mir herum, wie früher… Es war März und die Sonne schien. Wir setzten uns im St. Stephen’s Green auf eine Parkbank und ich spielte ein bisschen. Eine Katze setzte sich zu mir, was ich beweisen kann. Leute blieben stehen und warfen ein paar Münzen in den Kasten. Wir wollten davon später essen gehen…

StStephensGreen_RuthFrobeen

Da näherte sich eine laute Gruppe von vielleicht 20 Spaniern und Italienern. Sie hatten Luftballons dabei und blieben vor mir stehen. Es war etwas surreal mit diesen ganzen bunten Luftballons. Einer aus der Gruppe hatte eine Gitarre auf dem Rücken. Als ich fertig war mit meinem Stück, packte er die Gitarre aus und spielte ein Lied für mich. Dann kam eine Polizistin und sagte, wir dürften hier nicht spielen. Wir verabredeten uns und verbrachten ein paar Monate miteinander.

Die zweite Geschichte habe ich schon einmal aufgeschrieben. Es ist die Geschichte, wie ich meinen Mann kennengelernt habe: Saite an Saite. Ich verdanke der Musik diese zwei Menschen in meinem Leben. Und noch viel mehr. Musik ist, wie in meinen Augen auch die anderen Künste, eine Einladung. Sie weckt Schlummerndes, belebt Geist und Körper, zieht einen mal hierhin, mal dorthin. Möchte ich tanzen, höre ich Leslie Clio. Möchte ich lachen und weinen, höre ich Lisa Hannigan. Möchte ich staunen, höre ich Beethoven und Tschaikowsky. Möchte ich beschwingt und schnell arbeiten, höre ich die Passacaglia. Jede Stimmung hat ihre Musik. Und jede Musik ihre Stimmung.

Was mich an Musik so fasziniert ist, dass man mit dem ganzen Körper auf sie reagiert. Patricia Kopatchinskaja drückt das auf eine liebenswerte Weise aus: „Es muss einen auf den Kopf stellen, beleben und schockieren, und alle Sinne erwischen.“ Musik, dieser flüchtige Moment im Jetzt, ist eine Liebe, die für immer bleibt. Ich bin dankbar dafür, so viel Musik in meinem Leben zu haben.

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