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Der perfekte Moment: Wo und wie ich mein Fotomotiv fand

gepostet von: Ruth Frobeen | gepostet am: Juli 14th, 2015 | 4 Kommentare

Am Sonntag hat es durchgehend genieselt – mit einem kurzen Pladder-Intermezzo. Ich fuhr in den Volkspark mit dem bescheidenen Ziel, ein Foto zu machen. Das Besondere daran war für mich: Ich wollte ein Foto von einem Unbekannten machen. Eigentlich habe ich kein Problem damit, Menschen zu fotografieren, die ich nicht oder nicht gut kenne. Aber jemanden anzusprechen und um ein Foto zu bitten, ist dann doch eine andere Sache. Denn es bedeutet: „Ich finde dich so interessant, dass ich dich gern festhalten möchte.“ Und das zu einem Fremden zu sagen, kostet mich Überwindung.

Ich radelte also auf der Suche nach meinem Motiv im Park herum. Trotz Regen tummelten sich überall Menschen. Ganze Gruppen! Oje. Ich wollte lieber eine einzelne Person fotografieren. Sie sollte natürlich spannend aussehen. Und am besten eine Frau sein. Mit dieser Erwartungshaltung fuhr ich durch den Park. Ich fand diese Frau natürlich nirgends. Da rannten verschwitzte Jogger, Pärchen liefen ins Gespräch vertieft an mir vorbei, eine Horde Jungs huschte durchs Gebüsch. Mein Fotomotiv? Unauffindbar. Aus dem Niesel wurde Piesel. Als es dann richtig zu regnen begann, kam ich beim hübsch angelegten Teil des Parks an. Und machte schnell ein Foto von den lustig frisierten Bäumen.

volkspark_Bäume

Dann stellte ich mich im kleinen Pavillon unter. Nicht lang, dann gesellten sich eine französische Familie und ein russisches Liebespaar dazu. Ein kleiner Junge bot mir seine Flasche und einen weichen Keks an. Es war herrlich! Der perfekte Moment. Es regnete, aber wir lächelten uns an und froren nicht. Der Park war in eine diesige Nieselhülle eingepackt, der Regen rauschte leise. Und unter einem großen Baum in der Nähe saßen zwei Musiker und spielten. Als es richtig zu pladdern anfing, rannten sie zum Pavillon rüber, der sich nun füllte: Da war das ältere Paar, das sich lautstark über das schöne Hamburg unterhielt. Der Mann lachte dröhend und die Frau kicherte. Es kamen noch ein paar Radfahrer und Jogger dazu, und gemeinsam warteten wir den Schauer ab.

Nach 10 Minuten war das Pladder-Intermezzo vorbei und die meisten machten sich wieder auf den Weg. Die französische Familie und die Musiker blieben. Und ich natürlich. Denn ich genoss die Illusion des perfekten Moments. Und ich hatte mein Fotomotiv gefunden. Ich musste es nur noch ansprechen. Was ich dann auch tat.

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Sie spielten und sangen, ich summte und fotografierte, die Kinder schauten und staunten. Bis eine Saite riss. Und damit war der Zauber vorbei. <3

Kommentare (4)


  1. Kindderachtziger -
    14. Juli 2015

    Ein tolles Erlebnis, als du gerade nicht mehr daran geglaubt hast, den perfekten Moment für das Foto zu finden, findet er dich. Manchmal ist es besser, den Augenblick zu nutzen, als lange darauf zu hoffen. Dennoch mutig von dir, sie anzusprechen, kann aber deine zuvor beschriebenen Schwierigkeiten Fremde nach einem Foto zu fragen gut verstehen. Kürzlich habe ich auf einem Rastplatz eine sehr schöne Frau gesehen, der ich das gerne auch gesagt hätte, besser noch sie fotografiert hätte. Doch das habe ich mich nicht getraut. Daher: Hut ab.

    Viele Grüße,
    Silke
    (bloggt auf http://www.kindderachtziger.ruhr)

    • Ruth Frobeen -
      15. Juli 2015

      Stimmt genau. Sobald man Erwartungshaltungen flöten gehen lässt, passieren die wundersamsten Dinge. ;)

  2. Margit Sander -
    15. Juli 2015

    Ha, ihr wart bei meinem neuen Lieblingsort. Die Bäume sind super, oder? LG, Margit

    • Ruth Frobeen -
      15. Juli 2015

      Die Bäume sind der Knaller! :)