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Weltpremiere von THE SHADOW: Chilly Gonzales, Adam Traynor & Herr von Eden

gepostet von: Ruth Frobeen | gepostet am: August 7th, 2014 | 2 Kommentare

Märchen, Musik & Mode – ein starkes Trio, das Adam Traynor, Chilly Gonzales und Herr von Eden da mit THE SHADOW auf die Bühne gebracht haben! Hier ist mein persönlicher Eindruck von der Weltpremiere, die am 6. August in Hamburg auf Kampnagel stattfand.

(Kurz vorweg: Der Schatten ist ein düsteres Märchen aus Hans Christian Andersens Feder und handelt von einem Schriftsteller, dessen Schatten sich selbstständig macht und das Böse im Menschen herauskehrt. Er macht sich selbst zum Herrn über den Schriftsteller und lässt diesen einsperren. Das Märchen könnt ihr hier nachlesen. Und jetzt zurück zu THE SHADOW…)

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Chilly Gonzales und das Kaiser Quartett stellen mit THE SHADOW ihre Qualitäten als Stummfilmmusiker unter Beweis. Denn THE SHADOW ist eine Verschmelzung von Stummfilm, Schauspiel und Musical (ohne Gesang, mit Tanz). Die Musiker verschwinden hinter Säulen buchstäblich im Hintergrund und verstärken die Emotionen auf der Bühne durch ihr bekannt harmonisches und dynamisches Spiel. Geradezu tragikomisch wirkt die Szene, als der Schriftsteller feststellt, dass er keinen Schatten mehr hat – und er zu schwungvoller Musik hinter einer Leinwand ausflippt. Man will lachen, weil die Musik heiter ist. Und man will weinen, weil man weiß, dass das Böse nun seinen Lauf nimmt…

Beeindruckend ist aber nicht nur die Musik, die mit den Gefühlen des Publikums spielt und es auf der Spitze der Konzentration hält, beeindruckend ist auch, wie auf der Bühne eine Schattenwelt entsteht und mit welchen Mitteln die Zuschauer in diese Welt hineingezogen werden. Ich weiß jetzt (und verrate natürlich nicht), wie aus einer Geige ein menschlicher Schatten wird. Und wie sich abstrakte Begriffe wie „Muse“ und „Inspiration“ auf der Bühne verkörpern lassen. Tragisch ist der Moment, in dem die Feder des Schriftsteller zum ersten Mal von seinem Schatten geführt wird. Noch tragischer, als Feder und Inspiration den Schriftsteller verlassen… Man möchte schon wieder weinen und hofft insgeheim, dass das Ende des Märchens für THE SHADOW geändert wurde und der Mann seinen Schatten besiegen wird.

Filmemacher Traynor und Modeschöpfer Herr von Eden haben mit dem Bühnenbild und den Kostümen eine Schwarz-Weiß-Welt mit ein paar Farbeffekten kreiert. Begeistert hat mich das simple Spiel der farblichen Gegensätze in den Kostümen, die eindeutig die Handschrift des Hamburger Modekünstlers tragen. Fasziniert hat mich auch, mit welchen gestalterischen Mitteln das wahre Gesicht der Menschen herausgekehrt wird: Durch die Augen der Prinzessin, in die sich der Schriftsteller und sein Schatten verlieben, sieht das Publikum mithilfe eines Fotoapparats, wie die Menschen wirklich sind. Für das wahre Gesicht des Schattens ist die Prinzessin jedoch blind! Dass sie sich in einen verlogenen Schatten verliebt, tut weh. Dass er sie mit einem schwarzen Schleier zu seiner Schattenbraut macht, schmerzt. Und so endet das Stück düster wie das Märchen von Hans Christian Andersen.

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Aus der Märchenperspektive betrachtet, fand ich sehr gelungen, wie das typische Märchenelement des Zitats in THE SHADOW eingesetzt wurde. In vielen Märchen sind wiederkehrende Bilder (häufig wörtliche Zitate) zu finden. Märchenprädikat: wertvoll! Wer die Gelegenheit hat, das Stück zu sehen, dem kann ich es nur ans Herz legen. Aber bereitet euch vor, lest das Märchen und lasst eure Kinder zu Hause. Denn für Kinder ist THE SHADOW nichts. Wohl aber für Erwachsene, die sich von Musik und Bildern fesseln und vielleicht sogar überwältigen lassen können…

Kommentare (2)


  1. Sabine -
    7. August 2014

    Was für eine wunderschöne Rezension! Ich bin gleich hingegangen und habe mir Karten für morgen gekauft. Bin gespannt!

    • Ruth Frobeen -
      7. August 2014

      Oh, das freut mich!!! Viel Spaß! <3