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Chilly Gonzales & Kaiser Quartett erobern das Hamburger Publikum im Sturm

gepostet von: Ruth Frobeen | gepostet am: Mai 19th, 2014 | 0 Kommentare

Freitag, kurz vor 21 Uhr. Vor der Laeiszhalle stehen Hunderte von Menschen. Viele bekannte Gesichter, der Nachbar von gegenüber, ein paar Musiker. Man kennt sich. „Hallo hallo!“ Wir wollen zu Chilly Gonzales und dem Kaiser Quartett, das an diesem Abend ein Heimspiel hat.

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Was Chilly, das Quartett und Joe (Schlagzeug/Trompete) an diesem Abend auf die Bühne bringen, kann ich nur als „Wetter“ bezeichnen. Das Abendblatt spricht von Wahnwitz. Sehr passend. Denn bei wahnwitzigem Wetter fühle ich mich besonders lebendig. Von erfrischendem Niesel bis hin zu donnerndem Gewitter bekommt das Hamburger Publikum an diesem Abend alles ab. Zwischendurch befürchte ich, der Flügel könnte unter Chillys Händen entzweibrechen. Auch das Kaiser Quartett gibt bei manchen Stücken so viel Saft, dass es geradezu erstaunlich ist, wie wenige Bogenhaare reißen. Bei dem Schwung hätte durchaus ein Bogen durch die Laeiszhalle fliegen können! Huiiii. Ein Konzert wie ein Wirbelsturm, der das Publikum packt und mitreißt. Und zwischendurch immer wieder ruhige, fast zärtliche Momente. Zum Beispiel als die Lichter ausgehen und das Quartett das Publikum leise in den Schlaf zu wiegen scheint. Aber dann fällt das Spotlight auf Joe – den Drummer aus London mit der schiefen Trompete – und alle sind wieder wach!

Das Konzert überzeugt durch die Lebendigkeit der Musik, das meisterhafte Zusammenspiel der Künstler und den Spaßfaktor, mit dem Chilly sein Publikum und seine Mitspieler unterhält: „Every generation gets the music it deserves.“ Diese Generation verdient eine Mischung aus Beethoven auf Bongos und Rap im Dreivierteltakt. „One-two-three-one-two-three.“ Mich begeistert Chillys musikalische Kreativität, mit der er immer wieder altbekannte Hörregeln bricht. Das hält wach, das hält lebendig. Die Aufmerksamkeit des Publikums ist ihm sicher. Wir singen alle zusammen ein „pain in the ass“, und das Kaiser Quartett und Joe spielen auf Zuruf ein Stück, das sie „You snooze, you loose“ nennen: Wer seinen zugerufenen Einsatz verpasst, muss dann schon mal 10 Minuten winken oder sein Solo wiederholen (schiefe Trompete)! Ein überraschender Abend, ein lebendiger Abend. Ein erstklassiger Abend in der Laeiszhalle. Wie Chilly eingangs so treffend sagt: „The Kaiser Quartett will be your hometown heros after the show.“ Absolutely, Herr Chilly Gonzales!

Zwei Abende zuvor saßen wir noch mit den Musikern des Kaiser Quartetts zusammen und haben gefeiert. Es gab Wein und Landgockel und wir haben uns über alles Mögliche unterhalten. Als ich fragte, was für ein Programm sie denn am Freitag spielen würden, lachten sie und zuckten mit den Schultern. Eine Überraschung also. Für das Publikum, für das Quartett, vielleicht auch für Chilly Gonzales selbst.

Musik, die spontan fließt und der aktuellen Laune entspricht. Großartig! Musstet ihr schon mal schlecht gelaunt das Menuett von Boccherini spielen? Es gibt nichts Schlimmeres. Es scheint mir sehr erstrebenswert, mit dieser Spontanität und Flexibilität auf die Bühne zu treten. Das sollten aber nur wirkliche Könner tun. Und alle anderen lassen sich davon im Sturm erobern.

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