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Künstlerin Annegret Fahr spricht mit Edelfrosch über Märchen und Kunst

gepostet von: Ruth Frobeen | gepostet am: August 14th, 2013 | 0 Kommentare

Alles begann mit einem Rotkäppchen, dem Rotkäppchen von Annegret Fahr. Es sollte das erste Kunstwerk sein, das ich in meinem Leben kaufen wollte. Kunst für die Wand. Ein Bild! Dieses Bild:

Rotkäppchen

Doch ach, jetzt wird es tragisch: Das Bild, das ich online entdeckt hatte, war verkauft worden. Ich glaube, tragischerweise sogar an dem Abend, an dem ich mich in das Bild verliebt hatte. Ich war kurz sehr  frustriert, dann dachte ich mir: Wenn ich das Bild nicht an meine Wand hängen kann, möchte ich es doch wenigstens ins Blog holen, damit jeder es anschauen und bewundern kann. Ich liebe den verschmitzten Gesichtsausdruck des Rotkäppchens. Es ist ein bisschen naiv und leichtgläubig und sehr liebenswert. Der Wolf auf diesem Bild ist nicht böse. Darüber ist er vermutlich sehr froh, denn den bösen Wolf erwischt es übel. Auch der „Wald“ ist nicht unheimlich. Ich kann gut verstehen, dass das Rotkäppchen hier fröhlich hüpfend Blumen pflückt!

Ich glaube, zu Kunst hat jeder ein Gefühl. Und wer kein Gefühl hat, hat auch ein Gefühl. Annegret Fahr hat mir in unserem Gespräch ein paar Dinge über ihre Kunst erklärt, die ich mit euch teilen möchte:

Edelfrosch: Wer sind deine Figuren? Woher kommen sie?Minis5

Annegret Fahr: Ich suche nach ihnen. Es ist nicht so, daß die Figuren und Bilder im Kopf schon fertig sind und dann am Zeichentisch nur noch ihre endgültige Gestalt bekommen. Der Prozeß läuft anders: Zeichnen ist eher so etwas wie „auf Expedition gehen“, forschen, untersuchen, Fragen stellen, Experimente machen – ich weiß nicht, wohin die Reise geht. Das Ergebnis, die Zeichnung, die Skulptur ist nicht vorhersehbar, und genau das ist für mich das Spannende am Arbeitsprozeß. Manche Figuren sind mir unheimlich und fremd, andere mag ich auf Anhieb sehr. In den Figuren, besonders in den kleinen „Minis“, stecken Gefühlsmomente, skurrile Alltagssituationen und reale Begegnungen. Es geht mir nicht um eine moralische Bewertung, sondern eher um den wesentlichen Ausdruck von emotionalen Situationen.

Edelfrosch: Du benutzt viel schwarz, trotzdem sind deine Bilder und Skulpturen weder düster noch unheimlich. Was hat es mit der Farbe Schwarz auf sich?

Annegret Fahr: Ich habe anfangs nur mit Graphit gezeichnet. Nach und nach kamen andere Materialien (Leinöl, Buntstifte, Wachs, Klebeband, Acrylfarben) dazu. Vor zwei Jahren habe ich schwarze Chinatusche entdeckt. Das, was auf dem Blatt damit passiert, ist nicht zu verändern. Korrekturen sind durch Überklebungen, Übermalungen und Kratzung möglich, aber es bleiben deutliche Spuren zurück.

Mit schwarzer Tusche und Pinsel zu zeichnen ermöglicht mir, nicht nur Linien sondern auch Flächen zu setzen. Das Schwarz hat keine symbolische Bedeutung, reizvoll ist der starke Kontrast, er führt mich zu kraftvollen und klaren Formen und Figuren.

Zusammen mit der schwarzen Tusche kam die Idee, den Bildträger zu verändern. Ich habe lange auf schwerem Papier und Pappe gezeichnet – zurzeit arbeite ich gerne auf Tapeten, und die Kombination aus schwarzer Tusche auf farbigen Tapetenmustern ist sehr aufregend. Ich reagiere auf die Muster, und meine Figuren müssen ihnen standhalten.

Black

Edelfrosch: Wie reagieren Kinder auf deine Bilder und Figuren? Verstehen Kinder deine Bilder vielleicht sogar besser als Erwachsene?

Annegret Fahr: Meine eigenen Kinder sind mit den Bilder und Skulpturen aufgewachsen. In Galerien tummeln sich meistens Erwachsene. Kinder malen das, was sie bewegt, und das mit unverblümter Echtheit – und genau das versuche ich auch.

 Mückenelefanten

Edelfrosch:  Mit welchen deiner Figuren würdest du gerne mal an einem Tisch sitzen und plaudern?

Annegret Fahr: Eigentlich sitze ich fast jeden Tag mit den Figuren am Tisch.

Hütchen

Edelfrosch: Deine Märchenmotive sind anders als Illustrationen, die man aus gängigen Märchenbüchern kennt. Rotkäppchen und der Wolf scheinen zu grinsen. Denkst du dir neue Geschichtsstränge aus? Oder ist das einfach künstlerische Freiheit?

Annegret Fahr: Zum Rotkäppchen: Einige Märchenfiguren, wie das Rotkäppchen und der Wolf beschäftigen mich schon über eine lange Zeit, und sie tauchen in den Bildern immer wieder auf. Ich mag Märchen sehr. Mich interessieren an Märchen die unterschiedlichen Charaktere und Rollen. Das Rotkäppchen ist naiv unwissend, der Wolf sieht ausschließlich seine Interessen, die Großmutter ist bedürftig und hilflos, der Jäger der handelnde Retter. All diese Impulse und Gefühle kenne ich auch.

Mein Rotkäppchen auf dem Bild ist eher frech grinsend und fast schon selbstgefällig, und der Wolf klein und fragend. Letzten Endes erwischt es ja den Wolf im Märchen – auf der Zeichnung tut er mir in seinem komischen Wald fast schon leid.

Edelfrosch: Hast du ein Lieblingsbild?

Annegret Fahr: Das Bild, das gerade entsteht, ist mir das Liebste und Wichtigste.

Edelfrosch: Was für Menschen kaufen deine Bilder?

Annegret Fahr: Menschen, die über ihre eigenen Fehler und Macken lachen können. Vor ein paar Tagen sagte mir ein befreundeter Künstler: „Deine Kunst ist genauso wie du!“ Ich glaube, das stimmt.

Edelfrosch: 1000 Dank für deine offenen Antworten. Und dafür, dass deine Bilder hier im Blog hängen und von allen bewundert werden können.

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