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Die märchenhafte Welt der Ruth Frobeen!


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Auf jeden Fail!

gepostet von: Ruth Frobeen | gepostet am: Mai 23rd, 2012 | 3 Kommentare

Ich wurde gerade von einem kleinen Verlag angeschrieben, ob ich nicht Lust hätte, ein Tiermärchen für ein Märchenbuch einzureichen. Wow! Und dann sah ich mir die Konditionen an und dachte abermals: Wow!

Lieber kleiner Verlag, deinen Namen möchte ich nicht nennen, aber sag mir doch bitte, wie ich das verstehen darf. Ich schreibe mit Herzblut ein Märchen und lasse es von einer geschätzten Kollegin korrigieren. Ich bin zufrieden mit dem Märchen, meine Kinder lieben es und ich liebäugel damit, es von einer genialen Illustratorin illustrieren zu lassen, damit ich weiß, dass die Bilder, die ich im Kopf habe, genial umgesetzt werden. Und ja, ich bezahle meine Korrektorin und lege gern gutes Geld hin, damit die Dinge so werden, wie ich sie haben möchte. Das bin ich mir wert und den Geschichten schuldig.

So. Und nun machst du mir den Vorschlag, ich solle ein Märchen einreichen. Ich bekomme dafür: mehrere Bücher, die ich zu einem bestimmten Preis abnehmen muss (pro Buchseite eines, warum eigentlich?); die Möglichkeit, das Buch selbst zu verkaufen (danke, aber hä?); einen Bruchteil von 10% des Nettoverlagsabgabepreises, der auf alle Autoren nach einem Seitenschlüssel umgelegt wird (wenn 20 gleichlange Märchen veröffentlicht werden, bekomme ich also 0,5%); und ich kann unter „Autoren“ auf einer Website gelistet werden. Wow! Ach ja, den Titel des Buches kenne ich bisher nicht. Wer weiß – könnte doch sein, dass ich damit überhaupt nicht assoziiert werden möchte. Und: Angenommene Märchen unterliegen dem Verlagsrecht, auf das du mich nicht weiter hinweist.

Da gehe ich doch lieber hin und mache ein eBook, verschenke mein Märchen oder gebe es den Erzieherinnen, die es am Waldtag den Kindern vorlesen. Die Kinder machen nämlich große Augen, staunen über Pferde aus Wackelpudding und scheren sich nen Scheißdreck um miese Honorarvorstellungen. Das war’s schon, danke.

Eins noch: Dürfen wirklich alle Leute ganz umsonst das Märchen lesen? Ja! Natürlich. Denn ich freue mich darüber.

Kommentare (3)


  1. Gesa -
    23. Mai 2012

    Es war einmal ein raffgieriger Mann, der lebte von den schönen Geschichten, die andere erzählten. Um an die Geschichten heranzukommen, schmierte er ihre Schöpfer mit Honig ein. Diese waren jedoch vom Honig so eingesüßt, dass sie ganz verzückt waren und das Gefasel um die Konditionen wegen des Honigs im Ohr nur gedämpft zu ihnen drang. Eines Tages jedoch geriet der böse Mann an eine schlaue Prinzessin, die ihren Schirm aufspannte, als er anhub, den Honig über ihr auszuleeren. So durchschaute sie seine widrigen Pläne und der Unhold verschwand im Wald, wo fröhliche Kinderstimmen Märchen herausposaunten, die der Wind forttrug in alle Welt, wo sie die Menschen glücklich machten – außer den Mann. Zuhören konnte der nämlich nicht.

  2. Ruth Frobeen -
    23. Mai 2012

    Der Mann aber fiel in seinen eigenen Honigtopf und ertrank auf denkbar süße Weise.

    Danke, Gesa!

  3. AbidiText -
    23. Mai 2012

    „Oh“, dachte das Milchmädchen, „ich sollte lieber umschulen.“ Und gründete einen Zuschussverlag …