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Schwermut und Leichtsinn – ein Märchen über Freundschaft

gepostet von: Ruth Frobeen | gepostet am: März 10th, 2012 | 0 Kommentare

Es waren einmal zwei Ritter. Der eine hieß Schwermut, der andere Leichtsinn. Leichtsinn war mehr Schein als Sein. Er war so dünn, dass man ihn mit bloßem Auge nicht sehen konnte. Schwermut hingegen war ein prächtiger Kerl: Er hatte Beine wie Baumstämme, einen Bauch wie ein Bierfass und einen Kopf so groß, dass sich die Gedanken darin verloren.

Die Ritter Schwermut und Leichtsinn waren einsame Ritter. Leichtsinn war einsam, weil niemand ihn sehen und hören konnte. Er wog soviel wie ein Windhauch und hatte ein Stimmchen, das so dünn war wie eine erloschene Flamme. Leichtsinn stellte alles Mögliche an, um Ritter, Burgfräulein und Drachen auf sich aufmerksam zu machen: Aber was er auch tat, keiner nahm ihn wahr. Keiner merkte, dass er schneller und wilder als jeder andere Ritter reiten konnte. Keiner sah und hörte, wie er auf den höchsten Baum kletterte und sich mit lautem Gebrüll hinunterstürzte. Keiner bemerkte, wie er mutig und tapfer in die Drachenhöhle schlich und die Krone der traurigen Prinzessin zurückholte. Egal was er tat, er wurde nicht beachtet.

Schwermut ging es ähnlich und doch ganz anders. Auch er war einsam. Aber im Gegensatz zu Leichtsinn nahm jeder ihn wahr. Die Erde bebte, wenn er einen Schritt tat. Sein starker Hengst stöhnte, wenn er ausritt. Und das Burgfräulein, das er so gernhatte, schrie vor Schmerzen, wenn er ihr ganz sanft die Hand drückte. Schwermut war ein trauriger Mann. Er machte sich viele Gedanken und konnte sie doch nicht zu Ende denken, da sie sich in seinem großen Kopf verloren. Und so sprach er wirres Zeug, stampfte durch die Landschaft und war betrübt und schwerfällig.

Als sich Leichtsinn eines Tages besonders leichtsinnig fühlte, stellte er sich Schwermut, den er wegen seiner Größe und Stärke bewunderte, in den Weg und rief: „Hey, du! Stehenbleiben, oder ich hau dir eins über die Rübe.“

(Wie’s weitergeht, erfahrt ihr zu gegebener Zeit…)

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