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Die märchenhafte Welt der Ruth Frobeen!


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Der ultimative Kundenkleber, nach geheimer Rezeptur im Tiefgang hergestellt …

gepostet von: Ruth Frobeen | gepostet am: Mai 9th, 2017 | 0 Kommentare

Wie man eine Paprika oder andere Kunst verkauft

gepostet von: Ruth Frobeen | gepostet am: April 26th, 2017 | 0 Kommentare

„Welche ästhetische Strategie verfolgst du im ökonomischen Kontext?“ Diese Frage stellt Stephan Porombka von der Universität der Künste Berlin in seiner Vorlesung KUNST KULTUR KONSUM und im Bonusfeature, das ihr euch anhören solltet, nachdem ihr alles über die Kunst des Paprikaverkaufs gelesen habt.

Die Kunst, eine Paprika zu verkaufen

Auf Märkten verhält es sich so: Wenn wir Zeit haben und die Auswahl groß ist, laufen wir herum, schauen uns jede Paprika an, fragen, ob sie fair oder zumindest nicht unfair ist, und entscheiden uns dann für die Paprika, die vom attraktivsten Verkäufer verkauft wird. Ehrlich, mir ist das schon passiert! Das hatte nicht viel mit der Paprika zu tun, die so gut wie jede andere Paprika auf dem Markt war.

Wenn nun wir die Paprika anbieten (oder eine andere Kunst), müssen wir damit rechnen, dass die Leute sich erst einmal umschauen. Es gibt viele gute Paprikas auf dem Markt. Natürlich auch ein paar schlechte, aber die kommen eh nicht infrage. Wir preisen also unsere Paprika an, und vielleicht können wir sogar vom Paprikaverkauf leben, wenn wir eine hervorragende Paprika haben und die Leute neben der Paprika das bei uns finden, was sie sonst so suchen; wenn sie sich angesprochen fühlen (nicht angeschrien wie vom Marktschreier nebenan); wenn sie ein Augenzwinkern gratis bekommen, oder den Schein mögen, der den Paprikastand umgibt.

Und hier kommt die Ästhetik ins Spiel. Sie ist für jeden anders, was als Verkäufer der Paprika oder der Kunst unser Pech und unser Glück ist. Wäre die Ästhetik für alle gleich, könnten wir die perfekte Paprika an alle verkaufen. Dann wäre es aber keine Kunst mehr, dann wäre es Design, das die ästhetischen Bedürfnisse der anderen befriedigt. Ich meine, die Kunst befriedigt zunächst einmal die Bedürfnisse des Künstlers. Aber ich denke hier nur laut ins Internet hinein.

Weil jeder eine andere Ästhetik bevorzugt, werden wir unsere Paprika nicht an jeden verkaufen können. Es wird jedoch immer Menschen geben, die genau unsere Paprika haben wollen. Und die gilt es auf dem Markt anzusprechen.

Strategie oder Zufall? Wie kommt die Paprika oder die andere Kunst an den Mann?

Was hat es nun mit einer ästhetischen Strategie im ökonomischen Kontext auf sich? Zu einer Strategie gehört zunächst einmal ein Plan. Wer ohne Plan seine Paprika anbietet, findet sicher auch den einen oder anderen Käufer. Man kann planlos und zufällig eine Paprika verkaufen! Das sehe ich jeden Tag. Aber wäre es nicht schön, wenn man tatsächlich einem Konzept folgen könnte, das man selbst entworfen hat? Das haben wir doch drauf! Unser Plan ist ein Puzzle, das aus vielen Teilen besteht. Jedes Teilchen ist wichtig, und manchmal merken wir, dass ein Teil nicht richtig passen will. Das kann passieren! Und es ist sicher nicht schlimm, denn es ergeben sich daraus ganz neue Bilder mit einer eigenen Ästhetik – einer etwas chaotischen, menschlichen Ästhetik vielleicht. Einer Ästhetik, die andere kennen, weil bei ihnen die Teile auch durcheinander geraten. Es ist ein ästhetisches Chaos, das sich ergeben kann und das manche Menschen anziehend finden, weil sie es von sich selbst kennen.

Überraschung als Strategie

Meine höchsteigene ästhetische Strategie im ökonomischen Kontext ist die Überraschung. Ich benutze sie gern und oft. Manche Menschen mögen das, sie kaufen meine Paprika. Andere können damit nichts anfangen, das ist okay. Ein Überraschungsmoment, so habe ich festgestellt, lässt die Menschen in ihrer Suche nach der perfekten Paprika stutzen. Sie bleiben stehen und gucken. Sie fügen die Puzzleteile (vielleicht chaotisch) zusammen. Und es ergibt sich ein Bild, das vielleicht nicht dem entspricht, was sie erwartet haben. Wenn ich Glück habe, übertreffe ich damit die Erwartungen. Und dann verkaufe ich einfach meine Paprika! \o/

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