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Die märchenhafte Welt der Ruth Frobeen!


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Darling, oh Darling. Zufriedenheit ist wichtiger als Reputation!

gepostet von: Ruth Frobeen | gepostet am: November 17th, 2015 | 5 Kommentare

Und? Bereit zur Veränderung?? Oder musst du erst krank werden??? Ich habe für die Blogst15 ein Märchen geschrieben, das ich gern auch mit meinen Lesern teilen möchte. Es handelt von Darling, der ein Problem hat, das viele kennen: Er wird durch sein Handeln als jemand wahrgenommen, der er nur teilweise ist…

Lovember

Es war einmal neulich, vor einem Jahr oder zwei oder vielleicht auch drei, da lebte mitten unter uns ein junger Mann namens Darling. Er war Wissenschaftler und arbeitete in einem Labor, schrieb Artikel über schrullige Dinge und veröffentlichte dann und wann ein Buch. Darling war äußerst beliebt, denn er gab sich redlich Mühe, allen zu gefallen. Immer hatte er ein nettes Wort auf den Lippen, immer half er den Kollegen, wenn diese über zu viel Arbeit jammerten und immer zupfte er im Garten Unkraut, um es den Nachbar recht zu machen.

Darling hatte eine nette Frau und sie lebten in einem hübschen Haus am Rande einer Stadt. Wenn er gerade nichts zu tun hatte, kochte er Marmelade oder schrieb Kochbücher. Denn Darling war auch ein begnadeter Koch, was vor allem seine Frau zu schätzen wusste. Kochen hatte er von seiner Mutter gelernt, die einen riesigen Gemüsegarten hatte, in dem er sich als Kind manchmal hinter den Radieschen versteckt hat. Darling war auf einem Bauernhof aufgewachsen. Sein Vater war ein richtiger Landwirt mit Trecker und Schweinestall. Darling kannte sich also bestens mit Kühen, Pferden, Schweinen, Enten, Gänsen, Eseln und derlei aus, außerdem konnte er Rüben rupfen und Heu machen. Das kann nicht jeder Wissenschaftler, hallo!?

Nun. Er lebte also mit seiner Frau am Stadtrand und arbeitete tagein, tagaus. Hinterm Haus begannen die Felder, und auf einer Koppel standen vier Pferde. Alles sehr romantisch soweit.

Eines Tages, Darling kochte gerade Marmelade, klopfte es an der Tür. Da stand sein Nachbar und sagte: „Darling! Du kennst dich doch mit Pferden aus.“ „Ja?“, sagte Darling. „Du musst bitte mitkommen und mir helfen. Meinem Pferd geht es nicht so gut.“ Da erklärte Darling, dass er ja kein Tierarzt sei, aber sich das Pferd dennoch anschauen würde. Er ging mit in den Stall des Nachbarn und sah sofort, was mit dem Pferd los war. Er sagte dem Nachbar, was er aus der Pferdeapotheke holen sollte und wartete bei dem Gaul. Nach zwei Stunden ging es dem Pferd schon deutlich besser und der Nachbar schenkte Darling zum Dank eine Flasche Champagner.

Nicht lang, da klopfte ein anderer Nachbar, dem war das Schwein weggelaufen und er wusste nicht, wie er es wieder einfangen sollte. Darling half auch hier gern aus, denn er hatte ein paar gute Schweinefang-Tricks auf Lager. So ging das immer weiter. Es sprach sich schnell herum, dass Darling alles über Tiere wusste, und so kamen ständig neue Anfragen, ob er mal einen Rat oder einen Trick oder vielleicht sogar eine helfende Hand hätte. Als Dank für seine Ratschläge und Tipps bekam er Sterne, Herzchen und Daumen. Naja, und ab und zu sogar auch mal einen Goldtaler.

Seine Frau sah mit Sorge, dass Darling immer mehr Zeit mit Tieren und vor allem mit ihren Besitzern verbrachte, und fragte ihn eines Abends: „Darling, sag. Was ist das mit dir und den Tieren. Macht dich das eigentlich glücklich?“ Und er sagte: „Liebes, die Menschen brauchen mich und mein Wissen.“ Da sagte seine Frau: „Ja, aber ich brauche dich auch. Und deine Arbeit braucht dich ebenfalls. Du bist nur noch unterwegs, um Leuten Ratschläge zu geben. Kannst du nicht ‚Nein‘ sagen?“ Da überlegte Darling kurz und sagte „nein“.

Es ging etwas Zeit ins Land. Darling hatte im Labor viel zu tun, und auch die Tieranfragen wurden nicht weniger. Er arbeitete von früh bis spät. Und als er eines Morgens aufstand und sich anziehen wollte, merkte er, dass seine Hose ihm viel zu weit geworden war. „Nanu!“, dachte Darling kurz, aber er hatte keine Zeit, um weiter darüber nachzudenken, denn er musste schnell einem Mann helfen, dessen Esel sich verliebt hatte. Seine Frau mahnte ihn: „Darling, du kannst es nicht jedem recht machen.“ Da antwortete er: „Aber ich kann es doch wenigstens versuchen.“ Und er zog sich fertig an, half dem Mann mit dem verliebten Esel und fuhr dann auf eine Konferenz, auf der er über Pferdekrankheiten referieren sollte.“

Ich will es kurz machen. Darling hatte keine Zeit mehr zum Schlafen und zum Essen, und so wurde er immer dünner und dünner. Und eines Tages fiel er einfach um und bekam hohes Fieber. Seine Frau war sehr besorgt und schickte nach dem besten Arzt. Der sagte: „Darling hat eine Nervenkrankheit. Wir müssen abwarten.“ Darling schlief drei Tage und drei Nächte. In der ersten Nacht träumte er von einem kleinen Jungen, der er selbst war. Er sah den Jungen in den Radieschen sitzen, sah ihn Rüben rupfen, Heu machen und Marmelade kochen. Darling wollte gern mit ihm sprechen, aber da war der Junge schon wieder verschwunden. In der zweiten Nacht sah er einen jungen Mann, der er selbst war. Er sah, dass der Mann krank war und fragte, was er denn habe. Da sagte der Mann: „Ich beute mich selbst aus.“ „Und warum machst du das?“, fragte Darling. „Weil ich möchte, dass man gut über mich spricht.“ In der dritten Nacht sah er einen alten Mann, der er selbst war. Der alte Mann hatte rote Bäckchen, trug eine Schürze und schwang den Kochlöffel. „Hallo!“, sagte der Alte vergnügt zu Darling. Darling nickte schüchtern und schaute dem Alten eine Weile beim Kochen zu. Dann sagte er: „Wie bist du so alt und glücklich geworden?“ Da lachte der Alte und sagte: „Weißt du, Darling, ich habe mich von dem Wunsch verabschiedet, es jedem Recht machen zu wollen. Seit ich es mir selbst recht mache, bin ich ein glücklicher Mann.“ Darling überlegte eine Weile. Dann sagte er: „Ich bin krank und habe Fieber. Wie soll ich nur gesund werden?“ Da lachte der Alte wieder und reichte ihm den Kochlöffel. „Damit wirst du wieder gesund.“ Als Darling aufwachte, war das Fieber verschwunden. Er stieg aus dem Bett, umarmte seine Frau und ging in die Küche, um eine Suppe zu kochen. Und wie er so die frischen Zutaten kleinschnitt und vor sich hinkochte, merkte er, wie das Leben wieder in ihn hineinströmte.

Nicht lang, da klopfte es an der Tür und ein Nachbar stand da draußen und wollte Darlings Hilfe. „Mein Kakadu hat Durchfall!“, sagte er und hoffte auf einen guten Rat. Darling drückte sein Bedauern aus und sagte, er könne leider nicht helfen. Der Nachbar müsse zum Tierarzt gehen, der wisse vielleicht Rat. „Ja, aber der Arzt kostet doch Geld!“, rief da der Nachbar und sah Darling mit leerem Gesichtsausdruck an. Da wusste Darling, dass es die richtige Entscheidung gewesen war, nein zu sagen. Von nun an half er immer noch, wenn er konnte und wollte, aber er riss sich nicht länger ein Bein aus. Denn er hatte gelernt, dass er es vor allem sich selbst recht machen musste, wenn er glücklich und gesund bleiben wollte.

Und die Moral von der Geschicht? Hör endlich auf ein Darling zu sein und verabschiede dich von dem Wunsch, es jedem recht zu machen. Für Blogger bedeutet das: Macht es euch selbst recht, lebt eure Leidenschaften aus und vergesst dabei eure Leser nicht. Das ist doch sehr befreiend, oder? ;)

Kommentare (5)


  1. Franzy vom Schlüssel zum Glück - Antworten
    17. November 2015

    Sehr schöne Geschichte!
    Die nnehm ich mir zu Herzen

  2. Alex - Antworten
    18. November 2015

    Hallo Ruth,
    das war ein schöner Vortrag, den du auf der Blogst gehalten hast.
    Liebe Grüße von den Wohnsinnigen!

    • Ruth Frobeen

      Ruth Frobeen - Antworten
      18. November 2015

      Danke dir! :)

  3. martina - Antworten
    18. November 2015

    … ich hab ja immer noch das Gefühl, die hast du für mich geschrieben!!! ;-) zum Glück arbeite ich schon dran, am kleinen Wörtchen „nein“
    LG
    Martina.

    • Ruth Frobeen

      Ruth Frobeen - Antworten
      18. November 2015

      :D Ich habe sie für jeden geschrieben, der da etwas für sich herausziehen kann. ;o)

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