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Die Fee und die Wolke. Ein Mutmachermärchen zum Welt-MS-Tag

gepostet von: Ruth Frobeen | gepostet am: Mai 27th, 2015 | 13 Kommentare

Heute ist Welt-MS-Tag. Ich kenne eine Fee, die Multiple Sklerose hat. Sie hat mir ihre Geschichte erzählt. Ich habe daraus ein Märchen geschrieben. Dies ist das Märchen für Fee-Jasmin und alle, die eine Wolke (welcher Art auch immer) haben.

Die-Wolke_Mutmachermärchen

Die Fee und die Wolke

Es war einmal neulich – und das ist wirklich wahr! – da lebte in einem Dorf eine Fee mit Namen Jasmin. Sie war eine fröhliche Fee, die überall, wo sie hinkam, Sonnenstrahlen aufhängte. So tauchte sie ihre Welt in ein schönes, warmes Licht – und das zog andere Feen magisch an. Jasmin hatte viele Freunde und lud gern Gäste zu sich ein, denen sie Musik vorspielte, Blumen zeigte und von ihren Abenteuern erzählte. Jasmin war eine richtige Sonnenschein-Fee und ihr Lächeln verzauberte alle.

Eines Tages, es war der Tag nach ihrer Geburtstagsfeier, spürte die Fee ein leichtes Kribbeln in ihrer Hand. Sie strich über die Hand und wunderte sich, denn das Kribbeln wurde stärker. Jasmin versuchte es wegzuwischen, aber das Kribbeln wollte und wollte nicht gehen. Da machte die Fee sich Sorgen und fragte ihre Feenmutter, die immer einen guten Rat hatte und allerlei Kräuter kannte, um kleine und große Wehwehchen zu heilen.

Ich will mich kurz fassen: Die Feenmutter wusste keinen Rat. Jasmin fühlte sich unwohl in ihrer Haut und merkte, wie sich ein dunkler Schatten über sie schob. Da fröstelte es sie, und sie versuchte, Sonnenstrahlen aufzuhängen. Aber da sie so erschöpft und kraftlos war, gelang es ihr nicht recht. So ging sie denn auf Anraten ihrer Mutter zu einem Doktor und erzählte ihm davon. Der Doktor hörte ihr zu, nahm ein Hämmerchen und klopfe vorsichtig hier und da und runzelte dann die Stirn. „Sie haben eine Wolke“, sagte er nachdenklich. Die Fee war traurig und verstand nicht, was das heißen sollte. „Was kann ich dagegen tun?“, fragte sie und blickte den Arzt fest an. Er sagte: „Springen Sie über den Schatten der Wolke.“ Jasmin ging nach Hause. Sie war sehr erschöpft, denn die Wolke drückte schwer auf sie nieder.

Ihren engsten Freunden und der Familie erzählte sie von der Wolke, die mal mehr, mal weniger über ihr schwebte. Und alle nickten stumm und wussten nicht, was tun. Da sagte Jasmin: „Die Wolke ist jetzt da. Aber ich habe trotzdem Sonnenstrahlen in mir. Wenn ich kann, hänge ich sie auf. Und wenn nicht, dann habe ich sie in mir.“ Das verstanden die Freunde – und die Familie sowieso. Jasmin lernte schnell, mit der Wolke zu leben. Und sie begann, sie zu akzeptieren. Manchmal musste sie die Wolke wegschieben, das tat sie mit aller Kraft – auch wenn sie wusste, dass sie danach umso schwerer über ihr hängen würde. Und so war sie nun die Fee mit der Wolke, die Sonnenstrahlen aufhängte, wenn sie konnte.

Viele im Dorf wussten nichts von der Wolke, denn sie sahen nur die hellen Sonnenstrahlen, die Jasmin aufhängte. Doch von Zeit zu Zeit merkten sie, dass mit der Fee etwas nicht stimmte. Sie war müde und tanzte nicht mehr so ausgelassen wie früher. Und manchmal aß sie seltsame Blätter und erzählte neugierigen Freunden, dass die Blätter gut gegen Kopfschmerzen waren.

Die Fee lernte, ihre inneren Sonnenstrahlen für sich zu nutzen. Und so war sie – das klingt jetzt vielleicht seltsam, aber so war es tatsächlich! – trotz der Wolke meistens glücklich. Doch eines belastete sie sehr: Dass sie mit manchen Freunden nicht über ihre Wolke sprechen konnte. Sie traute sich nicht, weil sie nicht wusste, wie ihre Freunde reagieren würden. Und so aß sie heimlich ihre Blätter und Kügelchen und hängte Sonnenstrahlen auf, um Wärme in ihr Leben zu bringen.

Eines Tages, es war um 12 Uhr mittags, schaute die Fee ihre Wolke an und dachte darüber nach, was der Doktor gesagt hatte. „Springen Sie über den Schatten der Wolke.“ Jasmin grübelte und grübelte, und dann wusste sie, was zu tun war: Sie nahm all ihre Sonnenstrahlen, ging auf den Marktplatz des Dorfes und richtete die Sonnenstrahlen auf die Wolke. Da wurde der Schatten ganz klein. Und als er fast nicht mehr zu sehen war, nahm Jasmin Anlauf und sprang. Einige im Dorf sahen es und waren verblüfft. Dass die Fee eine Wolke hatte, war ihnen völlig neu. Sie kamen näher und schauten, was Jasmin tat. Und Jasmin hielt weiterhin ihre Sonnenstrahlen auf die Wolke. Alle konnten sie jetzt sehen. Es kamen immer mehr Feen, die sich die Wolke ansahen. Manche brachten sogar eigene Wolken mit und zeigten sie.

An diesem Tag wuchs die Fee Jasmin über ihre Wolke hinaus. Die Wolke wurde dadurch nicht kleiner, aber die Fee wurde stärker. Von diesem Tag an lebte sie noch glücklicher, und wenn jemand Fragen zu ihrer Wolke hatte, so erzählte sie davon, wie sie mit ihrer Wolke lebte.

Natürlich drückte die Wolke an manchen Tagen und lastete schwer auf der Fee. Dann wandte sie sich ihren Sonnenstrahlen zu, die sie dann nur für sich aufhängte. Die anderen im Dorf lernten, mit Wolken umzugehen. Und manch einer fand einen Weg, über seinen eigenen Schatten zu springen. Denn daran wachsen die Feen – und die Menschen.

Kommentare (13)


  1. Susanne - Antworten
    27. Mai 2015

    Einfach wunderschön! Danke euch beiden!
    Auf dass wir alle einen Weg finden über den Schatten unserer eigenen Wolke zu springen! ❤️

  2. Melea - Antworten
    27. Mai 2015

    Wie schön! Wie schön, wie schön, wie schön. Vielen Dank für diese Geschichte. <3

  3. anja - Antworten
    27. Mai 2015

    ja, sie hängt sonnenstrahlen auf, die tolle fee. was für eine fabelhafte geschichte. danke dafür! grüße an dich und die fee!

  4. Fee ist mein Name - Antworten
    28. Mai 2015

    Danke Ruth <3

    • Ruth Frobeen

      Ruth Frobeen - Antworten
      28. Mai 2015

      Sehr gern! <3

  5. Lea M. Callais - Antworten
    15. Juni 2015

    This is beautiful. You captured what it is like immaculately. Thank You! <3

    • Ruth Frobeen

      Ruth Frobeen - Antworten
      15. Juni 2015

      Thank you, Lea! <3

  6. Maren - Antworten
    20. Juli 2015

    sehr schön erzählt!

    • Ruth Frobeen

      Ruth Frobeen - Antworten
      31. Juli 2015

      Danke dir! <3

  7. Snezana - Antworten
    25. Mai 2016

    Bezaubernd. :-)

  8. Jürgen M. Beith - Antworten
    25. Mai 2016

    Ja, fast jueder hat so eine Wolke. Sehr schönes Märchen. :)

  9. Ulrike Zecher - Antworten
    25. Mai 2016

    Liebe Ruth,

    wunderschön mit Liebe geschrieben – just in diesem Moment schaut die Sonne vorbei.

    • Ruth Frobeen

      Ruth Frobeen - Antworten
      25. Mai 2016

      Wunderbar, so soll das!

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