Archiv - April 2012

Klatsch & Tratsch zu blauer Stund

Klatsch und Tratsch sind ein schönes Paar. Und weil sie allzu oft kurze Beine haben, sind sie etwas für die blaue Stunde, wenn es langsam dunkel wird und die Weinflaschen entkorkt werden. Das Weiße Dinner ist so eine Veranstaltung, auf der sich Klatsch und Tratsch oft sehen lassen. Es wird gemunkelt, dass das Weiße Dinner Hamburg dieses Jahr rund um den Michel steigen soll. Traumkulisse! Und Grund genug, sich im August in Schale zu werfen, einen feinen Picknickkorb zu füllen und mit Freunden zum Hamburger Wahrzeichen zu pilgern.

Und passt bloß auf, dass euch nicht das Blaue vom Himmel erzählt wird. Ihr wisst ja, kurze Beine…

Nelegatti & Folkers: Hoy en Dia

 

Hoy en dia. Heutzutage – das ist alles, was uns letztendlich bleibt. Der Moment, in dem wir leben. Und was wäre der Moment, was wäre das Leben, wenn wir unsere Gedanken und Gefühle nicht mit anderen teilen würden?

Das Album ‚Hoy en dia‘ bringt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Tangos zusammen und verwischt die Grenzen, es entsteht eine Art universelle Zeitlosigkeit. Universell sind die Gefühle. Unverstellt, direkt und intim wirkt die Musik. Das sympathische Duo Nelegatti/Folkers schafft es auf unkapriziöse Art, emotionale Gegensätze zu erzeugen, die die Seele berühren. Wehmut und Sehnsucht lösen sich ab mit Leichtigkeit und Süße. ‚Hoy en dia‘ lädt dazu ein, innezuhalten und den Moment zu genießen.

Coco Nelegatti und Jansen Folkers spielen einen Tango, der unsere zarte Saite zum Klingen bringt und als flüchtige, im Jetzt existierende Kunstform einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Wer es nicht glaubt, hört sich jetzt Tango a mi padre an. Und Sur. Und natürlich Hoy en dia!

 

Klingt gut! Klingt sinnvoll.

Das ist Lena. Sie spielt Geige. Wenn ich Lena anschaue, wenn ich die Freude in ihren Augen sehe, in ihrem ganzen Körper, dann sehe ich: Musikmachen macht stark. Musikmachen macht schön. Musikmachen macht selbstbewusst. Und mutig.

Der überaus vielseitige Musiker, Komponist und Wirtschaftswissenschaftler José Antonio Abreu gründete 1975 in Venezuela mit El Sistema ein musikalisches Projekt, das gezeigt hat, wie sehr das Erlernen eines Instruments und das gemeinsame Musizieren die Entwicklung und Sozialisierung von Kindern und Jugendlichen fördert. Mit El Sistema bekommen Kinder und Jugendliche – insbesondere aus benachteiligten sozialen Verhältnissen – die Möglichkeit, kostenlos an Musikstunden teilzunehmen und Instrumente zu erlernen. Haben sie ein gewisses Niveau erreicht, werden sie in Ensembles eingeteilt, vermitteln ihr musikalisches Wissen an kleinere Kinder und wachsen mit ihren Ensembles. Klingt gut!

 

Beeindruckende Zahlen: El Sistema hat mittlerweile 30 professionelle Orchester hervorgebracht, das bekannteste und führende Orchester ist die Sinfónica de la Juventud Venezolana Simón Bolívar. Neben den Profiorchestern gibt es weitere 125 Jugendorchester und mehr als 50 Kinderorchester. An El Sistema nehmen mehr als 300.000 Kinder und Jugendliche teil, und seit Beginn des Projekts haben fast 2 Mio. Kinder und Jugendliche eine fundierte musikalische Ausbildung erhalten und konnten durch die Musik sozialisiert werden. Das Projekt wird jährlich von der venezolanischen Regierung mit 29 Mio. Euro unterstützt. Eine stolze Summe!

Was El Sistema schafft, ist bemerkenswert: Die Kinder haben einen geregelten Tagesablauf, erlernen auf spielerische Art Achtsamkeit und soziales, gewaltfreies Miteinander, erfahren Bestätigung und entwickeln sich zu selbstbewussten Erwachsenen. In Venezuela wird Musik zu einem Mittel, die Kinder von der Straße zu holen und zu sozialisieren.

Heißt das dann: Jedem Kind ein Instrument und alles wird gut? Wenn das so einfach wäre…

In einigen deutschen Bundesländern (u.a. Hamburg) gibt es eine musikalische Bildungsinitiative, die wie El Sistema erkannt hat, dass das Erlernen von Musikinstrumenten und das gemeinsame Musizieren Kinder und Jugendliche stärkt. JeKi (Jedem Kind ein Instrument) bemüht sich darum, Musik in die Grundschulen zu holen und auch Kindern aus sozial benachteiligten Familien zu ermöglichen, ein Instrument zu erlernen. Die teilnehmenden Grundschulen werden mit Instrumenten ausgestattet, die dann direkt im Unterricht gespielt bzw. bedient werden. Den Kindern wird die Freude am Musizieren vermittelt – das ist einiges wert!

Gold wert sind auch Initiativen wie die Musikpaten. Wie kann Musik Kinder stark machen, deren Eltern sich den Unterricht nicht leisten können? Darüber hat sich Frederike Tepe Gedanken gemacht, die die Musikpaten gegründet hat. „Musikpaten sind Musiker aller Niveaus. Ihre Liebe zur Musik und ihr wertvolles Wissen geben sie einmal pro Woche ehrenamtlich an die nächste Generation weiter.“ Musikpaten – das ist eine soziale und gemeinnützige Initiative, die es zum Ziel hat, Kindern und Jugendlichen aus benachteiligten Verhältnissen das Erlernen eines Instruments zu ermöglichen. Klingt nach einer Menge Arbeit und viel Engagement!

Mich begeistern die Ziele der Musikpaten: Frederike Tepe ist davon überzeugt, dass ästhetische Bildung ein positives Menschenbild fördert. Mit den Musikpaten sollen Werte, Identität und kulturelles Erbe vermittelt werden. Die Musikpaten wollen die soziale, emotionale und kognitive Kompetenzen der Kindern fördern. Mit Verweis auf das Hofer Modell schreibt Frederike Tepe: „Musizieren stärkt nachweislich Empathie, emotionale Stabilität und Toleranz. Es verändert die Art, wie Menschen denken, handeln und Entscheidungen treffen. Orchester sind (wie Theater) hervorragende Spielwiesen für Rollen- und Perspektivwechsel, schließlich wird Sozialverhalten in Gruppen geprägt.“ Mithilfe von Paten und Musikern will Frederike Tepe mit ihrer Initiative Kinder und Jugendliche durch Musik und kulturelle Bildung sozialisieren. Im Vordergrund stehen dabei Freude und Teilhabe. Und auch kurze Wege und lokales Engagement sind den Musikpaten wichtig. Kein Schüler soll bis ans andere Ende der Stadt fahren müssen. Klingt nach: Musik in die Stadtteile holen!

Wer auch die Musik in die Stadtteile holt, ist Dr. Sound. Allerdings steht hier nicht das Musizieren im Vordergrund, sondern das aktive Lauschen. Wer Lust auf eine Klangprobe hat… Die Elbphilharmonie hat mit dem Klangforscher Dr. Sound eine Figur erschaffen, die Kinder und Erwachsene begeistert und flüchtige Musik greifbarer macht.

Naive Projekte, oder Initiativen mit Hand und Fuß? Im August 2010 ist das Jeki-Projekt an einigen Hamburger Pilotschulen in das vierte Schuljahr übergegangen. Klingt nach: Probe bestanden! El Sistema und sein Gründer Abreu haben diverse Auszeichnungen und Preise erhalten. Nicht zu vergessen all die hochkarätigen Musiker, die mit El Sistema ihre ersten musikalischen Schritte gemacht haben. Und die Musikpaten? Frederike Tepe nutzt Social Media-Plattformen wie XING, Twitter und Betterplace, um auf ihr Projekt aufmerksam zu machen. Sie geht zu Veranstaltungen, spricht über die Ziele der Musikpaten und sammelt Gelder ein. Und sie hat über Twitter einen Geigenbauer gefunden, der sich um die Instrumente kümmert. Klingt handfest. Und ich kenne Leute, die sich für die Musikpaten engagieren werden. Weil sie wissen, dass ihr Wissen geschätzt wird.

Geld regiert vielleicht die Welt, aber Geld macht nicht selbstbewusst. Ich wünsche der Welt viele Projekte wie El Sistema, JeKi und die Musikpaten. „Für ein kleines Stück vom ganz großen Glück…uh yeah.“ (Aristocats)

Chefin!

Liebe Bosse!

Frauen besitzen ein hohes Maß an emotionaler Intelligenz, Ausdauer und Disziplin. Philanthropische Eigenschaften nicht zu vergessen! Sie sind stark, organisiert und haben sensible Antennen für das, was zwischen den Zeilen steht. Wer das nicht nutzt, ist dumm.

Frauen für die gleiche Arbeit weniger Geld zu geben als Männern, ist grober Unfug. Denn sie laufen euch sonst irgendwann weg.

Eure Ruth